Politik

Lesung aus dem Meischberger-Evangelium

Am 35. Tag des Buwog-Prozesses las Walter Meischberger persönlich aus seinem Tagebuch vor. In alten Einvernahmen fanden sich Widersprüche.

Heute Redaktion
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Ein erster lustiger Moment des 35. Prozesstages kam ziemlich am Anfang. Ein in knall-orange gekleideter Michael Dohr signalisierte der Richterin, dass sein Kollege Amir Ahmed seinen Platz einnehmen werde. Walter Meischberger bemerkte dazu: "Die MA48 verlässt uns.." (in Anspielung auf die orange Uniform der Wiener Müllmänner). So laut wurde noch nie gelacht, im Gerichtssaal. Sogar Meischberger selbst musste sich kurz sammeln, bevor seine Einvernahme weitergehen konnte.

Die gestaltete sich dann aber ebenfalls sehr amüsant. Da seine eigene Handschrift in seinem Tagebuch wohl für ihn am leichtesten zu entziffern ist, fiel ihm selbst die Aufgabe zu, einige Einträge vorzulesen. Dies tat er, durchaus launig.

Zitate aus dem Tagebuch

"Der mediale Wahnsinn bricht los", notierte er etwa am 23. September 2009. Die Buwog-Causa war aufgeflogen. Nach ersten Einvernahmen durch den Staatsanwalt fühlte er sich "erleichtert": "Hoffnung auf eine amikale Lösung der Sache keimt auf."

Trotzdem lastete das beginnende Ermittlungsverfahren schwer auf ihm. Nach einer Feier mit Freunden schrieb er auf: "Supernett, viele Freunde, die zu mir halten. Aber so richtig lachen kann ich leider nicht." Ein "dramatischer Tag" sei es gewesen, als bei ihm eine ersten Hausdurchsuchung durchgeführt wurde.

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Damals war er gerade bei einer Besprechung in Liechtenstein, mit seinem Bankberater. Das Konto "Karin" sollte "neu identifiziert" werden. Nicht Plech, sondern Meischberger sollte als Eigentümer aufscheinen. Dies sagte er dann auch prompt beim Staatsanwalt aus ("Befragt ob jemand treuhändig Vermögen für mich hält: Nein"). Dabei verschwieg er aber, dass dieser "Fehler" erst kurz zuvor korrigiert wurde.

"Wunderliche Begegnungen"

Bei einem Golfturnier wollte er sich damals ablenken, am 04. Oktober 2009. "Aber die Dinge waren mir dann doch zuviel. Vollmond, Sturm und viele offene Gedanken", plagten ihn am Golfplatz. Geschlafen habe er dann aber doch gut, notierte er auch. Apropos Golfplatz: "Wunderliche Begegnungen" zwei Tage später, konnte er sich am Dienstag im Gerichtssaal nicht mehr erklären.

Nach einer zweiten Einvernahme durch den Staatsanwalt am 9. Oktober 2009 war Meischberger etwas niedergeschlagen. "Die Nacht vor der Aussage war leider ein einziges Wachliegen", fasste er dann am Abend zusammen. "Am meisten hielt mich der Ärger und die Enttäuschung über KHG wach" (da habe es einen Streit gegeben, merkte Meischberger dazu an). Dann ging es im Tagebuch fast literatisch weiter: "Der erste graute Tag seit langem in Wien. Das Wetter passt zur Stimmung." Bei der Einvernahme habe ihn nämlich eine "unsympathische sowie feindliche Stimmung" empfangen, er habe gespürt, das werde einer der härtesten Tage seines Lebens.

Die Ermittler seien bei ihrem "Verhör" auf "Vernichtung" ausgewesen. Als "fragetechnisch gefährlich, inhaltlich bestens vorbereitet" beschrieb er den damaligen Staatsanwalt: "Ich hatte alle Hände voll zu tun, nicht die Nerven zu verlieren. Irgendwie den Faden zu halten, das war die Aufgabe." Sogar die Befürchtung, in Haft genommen zu werden, beschlich Meischberger im Laufe des Gesprächs. Am Abend sei er dann gerade noch in der Lage gewesen, seine Tochter und Ernst Plech anzurufen. "Noch nie habe ich mich so auf mein Bett gefreut", schrieb Meischberger zum Abschluss.

Schon damals warf er Hochegger vor, er würde "lügen", um seine Haut zu retten. Davor hatte Meischberger Angst.

Widersprüche in alten Aussagen

Zwischen den Tagebuch-Lesungen ging Richterin Marion Hohenecker auch die eigentlichen Einvernahmen Meischbergers durch den Staatsanwalt durch.

Dabei ergaben sich kleinere Widersprüche, die Meischberger mit seinem lückenhafteren Wissens zum Zeitpunkt der Einvernahme erklärte.

Grasser angefressen

Auch das Verhältnis zu Karl-Heinz Grasser sei damals nicht das beste gewesen. Grasser sei "angefressen" gewesen auf Meischberger. Die Tatsache, dass er dies auch öffentlich kundtat, ärgerte wiederum Meischberger. Trotzdem habe man noch miteinander reden können, ein "Restvertrauen" sei da gewesen. "Tatsächlich, der Grasser hat Ihnen in dieser Zeit noch vertraut?", fragte die Richterin ungläubig. "Ja, weil er weiß, dass ich ein anständiger Mensch bin", replizierte Meischberger.

Wieder das Boot

Die Sache mit dem gemeinsamen Boot machte auch am Dienstag keinen Sinn. Einig sind sich Meischberger und die Anklage in einem: Das Boot gehört Plech und Meischberger gemeinsam. Warum das so ist, dafür gibt es jedoch zwei Erklärungsversuche.

Der Staatsanwalt ist der Meinung, dass das Konto "Karin" Plech gehört. Weil das Boot zur Hälfte vom Konto "Natalie" und zur Hälfte vom Konto "Karin" bezahlt wurde, ist es nur logisch, dass es beide zur Hälfte besitzen.

Meischberger streitet dies nicht ab. Nur habe auch das Konto "Karin" ihm gehört. Er habe das Boot also zur Gänze von seinem Geld bezahlt. Aus "Dankbarkeit" für alles, was Plech für ihn über die Jahre getan hat, habe er ihm aber dann die Hälfte des Bootes in Ibiza überschrieben.

Technische Pause und Dominic Thiem

Weil die Technik bockte, musste gegen 15 Uhr eine Pause eingelegt werden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gedanken der meisten Angeklagten aber ohnehin ganz woanders. Dominic Thiem bezwang in Paris gerade Alexander Zverev im Tennis. Während der etwa einstündigen Pause sah man auf vielen Laptops den Livestream des ORF laufen. Lesen Sie hier, wieso das Match so spannend war!

Gegen 17.15 Uhr beendete die Richterin die Verhandlung. Am Donnerstag um 09.30 Uhr geht es weiter.

Den Live-Ticker zum heutigen Tag können Sie hier nachlesen:

(red)