Toifl sagte Grasser: "Bitte ruf mich nicht mehr an"

Der 58. Prozesstag drehte sich wieder ganz um den Steuerexperten Geri Toifl. Er schilderte unter anderem seine Treffen mit Karl-Heinz Grasser. Lesen Sie hier, was geschah >>>

Scharfes Mittagessen bei Grasser, ein zorniger Norbert Wicki und ein ungehaltener Meischberger, der Toifl vorwirft, zu "staatsfreundlich" zu sein. All das war Teil des 58. Buwog-Prozesstages.

Meischbergers Anwalt fehlt

Der Anwalt, der Meischberger hier im Prozess vertritt, fehlte zu Beginn des Prozesstages. "Herr Meischberger, wo ist Ihr Verteidiger?", fragte die Richterin deshalb. Er komme erst zu Mittag, hieß es dann. Grasser-Anwalt Ainedter werde bis dahin auch als Meischbergers Verteidiger fungieren. Das war für alle in Ordnung. Nur nicht den Prozess verzögern, lautete die Devise.

"Zufällige" Treffen in Zürich

Dann sprach die Richterin mit Gerald Toifl über dessen Treffen mit dem Vermögensberater Norbert Wicki am 3. Dezember 2009 in Zürich. Er sei praktischerweise auch zu einem anderen Termin in Zürich gewesen, auch Grasser, der bei dem Mittagessen dabei war, war zufällig in Zürich. So traf man sich in einem Restaurant mit Blick auf den Zürichsee.

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Wicki war da sehr "zornig", denn auch er hatte in der Schweiz Steuern zu zahlen, die er sich nun, wo das Mandarin-Konto gesperrt worden war, nicht mehr leisten konnte. Die Schuld dafür gab er Grasser, weil der ihm ja den Meischberger als Kunden vermittelt hatte. Wie reagierte Grasser? "Nicht so eloquent wie sonst", erinnerte sich Toifl.

Toifl befragt sich selbst

Zwischendurch übte sich der Angeklagte, der gerade befragt wird, auch im Job der Richterin. Befragt zu einer Treuhandvereinbarung, die in seiner Kanzlei erstellt wurde, sagte Toifl: "Ah, ich weiß, worauf Sie hinauswollen! Dass das vielleicht eine andere Treuhandvereinbarung war, die zwischen Grasser und Wicki.." Da ergriff er gleich die Initiative: "Ihre Frage, meine Antwort: Nein, da ging es um die zwischen Meischberger und mir", erklärt er.

Die Richterin staunte: "Brauch gar nix mehr machen, brauch gar keine Fragen mehr stellen..", kommentiert sie amüsiert.

Das sei ja logisch, dass sie so denkt, führte Toifl aus. Das hätte er an ihrer Stelle auch gefragt.

Heimlicher Kontakt mit Grasser

Seinem Steuerberater Toifl erzählte Meischberger nach dem auferlegten "Kontaktverbot" nicht mehr davon, dass er zu Grasser weiterhin Kontakt hatte. Deshalb konnte Toifl auch nichts zur Stimmung zwischen den beiden sagen. Sein Mandant Meischberger habe aber immer ganz genau beobachtet, was in den Medien war und was Grasser da immer wieder über ihn sagte.

Toifl erinnert sich an viel Chili

Befragt zu den weiteren Treffen zwischen ihm und Grasser schilderte Toifl, dass er einige Male mit ihm telefonierte, kurze Termine hatte und auch mehrmals bei ihm zuhause war, um ihn auf dem Laufenden zu halten. Einmal, da erinnerte sich Toifl ganz genau, gab es auch was zu Essen: "Einmal hab ich sogar Mittag gegessen dort. Mit viel Chili."

"Bitte ruf mich nicht mehr an"

Auch an seinen letzten Kontakt mit Grasser konnte sich Toifl ganz genau erinnern, der sei im Juli 2010 gewesen. Da habe Grasser ihn angerufen und gefragt, wie's läuft.

"Der Stand ist, bei mir war Hausdurchsuchung", informierte ihn Toifl. Und: "Ich bin da draußen, bitte ruf mich auch gar nimmer an."

Wieviele Konten bei der LLB?

Wie Meischberger aussagte, wurden "seine" Konten irgendwann von der Hypo Liechtenstein zur Liechtensteinischen Landesbank (LLB) übertragen. Der Bankberater W. habe dort zwi Nachfolgekonten für "Natalie" und "Walter" angelegt.

Am Donnerstag tauchte eine Mail auf, die mit dieser Info im Hinterkopf verwirrend ist. Darin wird der Bankberater W. durch eine Toifl-Mitarbeiterin gebeten, "vom Konto von Herrn Meischberger bei der LLB" eine Überweisung zu tätigen. Was heißt "vom Konto"? Das klingt als gäbe es nur eines? Meischberger erklärte der Richterin, dass sein Bankberater W. da immer sehr freie Hand gehabt habe, von welchem Konto er Geld überweist. Möglicherweise war eines der Konto da gerade im Minus.

Steuern bezahlt

Im Oktober 2009 zahlte Meischberger noch vor einer offiziellen Aufforderung an ihn 700.000 Euro an die Finanz. Um seinen Zahlungswillen zu demonstrieren, war man sich damals einig. Das Geld kam vom Nachfolgekonto von "Natalie" bei der LLB. Wieso nahm man da nicht auch das Geld, das am Nachfolgekonto von "Walter" und am Konto "Karin" verfügbar war?, wollte die Richterin wissen.

Staatsfreundlicher Anwalt

Das wollte Meischberger nicht, erzählte Toifl. Er hätte es gerne so gemacht, aber Meischberger wollte warten, wie hoch die Steuerschuld tatsächlich wird. Meischberger meldete sich von der Anklagebank: Er habe ja nicht damit gerechnet, dass die Konten gesperrt werden, regte er sich auf. Und Toifl, der hier aussagt, er habe schon damit gerechnet, habe hier im Gerichtssaal schon "allerhand staatsfreundliche Dinge" ausgesagt, die er ihm damals nicht gesagt habe, ärgerte sich Meischberger über seinen ehemaligen Berater.

Am Nachmittag ging die Richterin mit Toifl - so wie mit jedem Angeklagten - seine früheren Aussagen bei den Ermittlern durch. Da waren viele Wiederholungen dabei, die Richterin bemühte sich aber, diese notwendigen Programmpunkt zügig über die Bühne zu bringen.

Toifl fertig

Viele Fragen gab es nach der ausführlichen Befragung der Richterin nicht mehr. Selbst der Staatsanwalt stellte keine, nur der Privatbeteiligtenvertreter der CA Immo, Johannes Lehner, hatte "einige" Fragen.

Grasser nie sein Mandant

Interessanter Aspekt dabei: Lehner zeigte Toifl drei E-Mails, wo er Grasser als seinen Mandanten bezeichnet. Das bestreitet der Angeklagte. "Er war nie mein Mandant", sagte der langsam ärgerlich werdende Toifl vehement. Er habe ihm nie etwas verrechnet.

Um 17.30 Uhr endete die Befragung Toifls. Der vorher anvisierte Zeitplan hat also gehalten, beim nächsten Prozesstermin, am 6. November, wird ein neues Fass aufgemacht. Die Richterin verhandelt da einen neuen Prozess, rund um die Telekom Causa. Wieso? Weil dort auch Meischberger und Hochegger angeklagt sind. Buwog macht derweil Pause.

Lesen Sie hier alle Highlights des 58. Prozesstages nach:

(red)

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