Niederösterreich

BVT-Fall: Sparten-Chef liebte Ministerin und Richterin

Ein BVT-Abteilungschef spielt eine Hauptrolle in der BVT-Affäre: Er liebte einst eine spätere Ministerin, war dann mit einer Richterin verheiratet.
26.01.2021, 12:45

Seit Jahren soll ein im Bezirk Bruck in bäuerlichen Verhältnissen aufgewachsener BVT-Abteilungsleiter Informationen verkauft haben. Der BVT-Mann, der ein wunderschönes Haus im Süden NÖs hatte und dann mit einer Richterin aus NÖ verheiratet war (Anm.: unterschiedlicher Nachname, sie nahm seinen Namen niemals an, mittlerweile ist das Paar geschieden) soll nicht nur für den Bundesverfassungschutz, sondern nebenberuflich auch für Wirecard gearbeitet haben. 

1.500 Euro pro Abfrage

Mit einem weiteren Beamten soll der karenzierte Abteilungsleiter für Informationsbeschaffung und Ermittlung das Leck im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung gewesen sein. Persönliche Daten sollen an den Ex-Wirecard-Chef Jan Marsalek und politische Funktionäre weitergegeben worden sein. Bis zu 1.500 Euro sollen die "Doppelagenten" dafür pro Abfrage kassiert haben.

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Flucht nach Minsk

Weiters soll der Abteilungsleiter, gemeinsam mit einem ebenfalls bereits festgenommenen FP-Mandatar, die Ausreise von Jan Marsalek organisiert haben. Der Ex-Wirecard-Chef flog noch im Frühsommer 2020 von Bad Vöslau (Baden) per Privatjet nach Minsk (Weißrussland). Die Ausreise hatte "zufällig" knapp vor dem totalen Zusammenbruch des Wirecard-Imperiums stattgefunden, mit Marsalek war auch ein Vermögen verschwunden.

Der eigentlich aus einfachen Verhältnissen stammende Niederösterreicher, der laut "Kurier" auch der Lebensgefährte einer späteren Ministerin war und eben dann mit einer Richterin verheiratet war, war politisch bestens vernetzt, machte beim BVT schnell Karriere. Jetzt ist er gleich in mehrere, mutmaßliche Skandale verwickelt: Die Razzia-Affäre im Verfassungsschutz (Anm.: er soll die falschen Vorwürfe gegen BVT-Beamte lanciert, die dann zur Hausdurchsuchung führten, haben), den Fall um den Kauf eines FP-Mandates und die Causa Wirecard.

Auch Ex-FP-Mann in Haft

Der Niederösterreicher wurde schließlich, so wie Ex-FP-Politiker Thomas Schellenbach (Anm.: von 2013 bis 2017 im Nationalrat) festgenommen - mehr dazu hier. Kurz darauf wurde auch ein BVT-Komplize, ein gebürtiger Villacher, festgenommen ("Heute" berichtete). Schellenbach soll vor Jahren für Geldregen bei einigen FP-Politikerin gesorgt haben. Der Mostviertler hatte beste Kontakte zu russischen Oligarchen, die das Hotel Panhans renovieren und revitalisieren wollten. Angeblich boten die Oligarchen zehn Millionen Euro, wenn Schellenbach ein Nationalratsmandat erhalte. Und: Zahlreiche FP-ler hatten 2013 auf ihr Mandat verzichtet, Schellenbach zog tatsächlich im Jahr 2013 in den Nationalrat ein. 

Mittlerweile wurde der Abteilungsleiter wieder auf freien Fuß gesetzt, Schellenbach und der andere BVT-Beamte sitzen indes weiterhin in U-Haft. Es gilt für alle die Unschuldsvermutung, die Ermittlungen laufen.