Casinos-Affäre: Zeuge legt Spur zur ÖVP-Spitze

Und: Ex-Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher ist offenbar trotz Millionen-Abfertigung weiterhin zu einem Spitzengehalt von 538.000 Euro bei der CASAG angestellt.
Das Nachrichtenmagazin "profil" wird eigenen Angaben zufolge in seiner am Sonntag erscheinenden Ausgabe aus bisher unveröffentlichten Teilen des Casinos-Gerichtsakts zitieren.

Daraus soll hervorgehen, dass der frühere Generaldirektor der Casinos Austria AG, Alexander Labak, in einer Zeugeneinvernahme am 18. Dezember 2019 eine Spur zur ÖVP gelegt habe.

Ihm sei demnach zu verstehen gegeben worden, dass die Bestellung des CASAG-FPÖ-Vorstandes Peter Sidlo mit der FPÖ-Zustimmung für die Alleingeschäftsführung von Thomas Schmid bei der Staatsholding ÖBAG "verschränkt" gewesen sei.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Laut Labak könnte die "enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit" zwischen Schmid und Sebastian Kurz auch der Grund dafür gewesen sein, warum Walter Rothensteiner und Josef Pröll sich im CASAG-Aufsichtsrat "verbogen", "um einen wenig qualifizierten FPÖ Kandidaten durchzusetzen" und "warum Löger die Bestellung von Sidlo intensiv betrieben hat".

Vieraugen-Gespräch mit Novomatic-Gründer

Auch zu dem bereits berichteten Zusammentreffen zwischen dem damaligen FPÖ-Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs mit Novomatic-Vertretern in London im Februar 2019 sollen die Dokumente neue Hinweise liefern.

Laut einem Prüfbericht der Kanzlei Schima Mayer Starlinger, der sich auf Aussagen von CASAG-Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner bezieht, soll Fuchs in London zunächst mit mehreren Personen konferiert haben, ehe Novomatic-Gründer Johann Graf ihn um ein Vieraugengespräch ersuchte. Dieses soll eine Dreiviertelstunde gedauert haben.

Millionen-Regen nach Vertragsauflösungen

"profil" sollen darüber hinaus Dokumente zur Beendigung der Vorstandsverträge von Alexander Labak und Dietmar Hoscher aus dem Jahr 2019 vorliegen. Der erst im Juni 2017 verpflichtete Labak bekam im Zuge der vorzeitigen Vertragsauflösung insgesamt 2,14 Millionen Euro ausbezahlt (Abfertigung, Boni, Entschädigung und Urlaubsabgeltung).



Alexander Labak war 2017 bis 2019 Generaldirektor der Casinos Austria AG (Quelle: picturedesk.com)

Auch der ehemalige SPÖ-Nationalratsabgeordnete Hoscher wurde als Vorstand mit Stichtag 30. April 2019 abgelöst, ein alter Dienstvertrag aus dem Jahr 2002 sicherte ihm aber das volle Gehalt und die Boni bis Jahresende 2019 zu.

Im Zuge der Auflösung des Vorstandsvertrags sollen Hoscher zunächst 1,22 Millionen Euro (Urlaubsabgeltung und Boni) zugestanden haben, zuzüglich Fixbezüge und Prämien für die verbleibenden acht Monate 2019. Ende 2019 soll auch der alte Dienstvertrag aufgelöst worden sein, woraus Hoscher noch einmal 1,58 Millionen Euro Abfertigung erhielt.

Weiterhin mit Spitzengehalt angestellt

Wie "profil"-Recherchen ergaben, ist Hoscher allerdings weiterhin bei der CASAG angestellt. Seit 1. Jänner 2020 verfügt er über einen bis 5. Juni 2022 befristeten Dienstvertrag als "Generalbevollmächtigter", ist aber vom Dienst freigestellt. Hoschers Jahresgehalt: 538.296,36 Euro brutto, ohne Bonusanspruch.



Ex-Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher (Quelle: imago stock & people)

CASAG-Sprecher Patrick Minar habe auf Anfrage Hoschers Anstellung bestätigt, habe aber keine Details nennen wollen.

Rechnet man die Bezüge zusammen, die Hoscher seit seinem Ausscheiden aus dem Vorstand zustanden und bis zur endgültigen Beendigung des Dienstverhältnisses am 5. Juni 2022 noch zustehen, kommt man auf einen Betrag jenseits der bisher kolportierten vier Millionen Euro.

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