Lange galten chinesische Automarken in Europa als Randphänomen. Doch das ändert sich gerade rasant. Im ersten Quartal 2026 erreichten Hersteller wie BYD und MG Roewe bereits 3,1 Prozent Marktanteil bei deutschen Neuzulassungen. Zum Vergleich: 2024 waren es noch 1,7 Prozent.
Besonders bemerkenswert ist das Tempo des Wachstums. In nur zwei Jahren haben die Chinesen ihren Anteil fast verdoppelt. Und der Trend zeigt weiter steil nach oben. In Österreich belegt BYD bereits Platz elf bei allen Automarken und ist damit unangefochtene Nummer eins unter den chinesischen Herstellern.
"Die machen unheimlich Druck", sagt Stefan Reindl, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft, wie n-tv.de berichtet. Allein MG hat inzwischen 180 Händlerstandorte in Deutschland, BYD kommt auf 155. Die Marken haben erkannt, dass ein dichtes Händlernetz entscheidend für den Erfolg ist.
Die Unruhen im Nahen Osten könnten den Trend zusätzlich beschleunigen. Die hohen Ölpreise treiben die Nachfrage nach Elektromobilität. "Der Ölpreis öffnet die Tür, das bessere Produkt hält sie offen", erklärt Autoexperte Peter Fintl von der Technologieberatung Capgemini.
Im März verschifften chinesische Autobauer laut dem Branchenverband CPCA rund 349.000 Elektro- und Hybridautos ins Ausland – ein Plus von 140 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die EU-Zusatzzölle auf E-Autos aus China scheinen den Vormarsch bisher nicht zu bremsen.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, brachte sogar einen ungewöhnlichen Vorschlag ins Spiel: den Bau chinesischer Autos in deutschen VW-Werken. Man könne nicht verhindern, dass chinesische Hersteller verstärkt nach Europa drängen, so sein Argument.
Branchenexperte Fintl fasst die Entwicklung so zusammen: "Nicht als Tsunami, sondern als steigende Flut. Langsamer als in China erhofft wird, aber nachhaltiger und kraftvoller als man in Wolfsburg, Paris oder Turin fürchtet."