Ende einer Ära

Christdemokrat Rodrigo Paz gewinnt Wahl in Bolivien

Mit Rodrigo Paz Pereira wird ein moderater Reformer zum Staatschef – und leitet damit das Ende einer fast 20 Jahre dauernden Ära ein.
20 Minuten
20.10.2025, 08:19
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Mit dem Sieg des Senators Rodrigo Paz Pereira bei der Stichwahl ums Präsidentenamt in Bolivien steht das südamerikanische Land vor einem politischen Umbruch. Nach Auszählung fast aller Stimmen kommt der Kandidat der christdemokratischen Partei "Partido Demócrata Cristiano", die der politischen Mitte zugerechnet wird, auf rund 55 Prozent – laut Wahlbehörde ein "unwiderruflicher Vorsprung".

Damit endet eine fast zwei Jahrzehnte andauernde Ära linker Regierungen in Bolivien, das lange vom Machtkampf zwischen Ex-Präsident Evo Morales und dem scheidenden Staatschef Luis Arce von der linken Partei "Movimiento al Socialismo" (MAS) geprägt war.

Im Volksmund und in den Medien wird der 58 Jahre alte Wahlsieger meist nur Paz genannt. Sein Gegner in der Stichwahl, Ex-Präsident Jorge Quiroga von der rechtsgerichteten Partei "Libertad y Democracia", gratulierte dem Ökonomen bereits, auch wenn er betonte, das offizielle Endergebnis noch abwarten zu wollen. Im November wird der neue Präsident sein Amt für fünf Jahre antreten.

Wirtschaftskrise und hohe Armut

Bolivien steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise: Benzin- und Devisenmangel, hohe Inflation und fehlende Medikamente prägen den Alltag. Kostspielige Subventionen, vor allem für Treibstoffe, belasten den Staatshaushalt stark. Der Binnenstaat mit rund zwölf Millionen Einwohnern zählt zu den ärmsten Ländern Südamerikas, vor allem in ländlichen und indigenen Regionen leidet die Bevölkerung besonders unter der Krise.

Der frühere Staatschef Morales ist eine Ikone der lateinamerikanischen Linken, durfte gemäß den Regeln der Verfassung aber nicht nochmal zur Wahl antreten. Arce wiederum zog sich wegen sinkender Beliebtheitswerte aus dem Rennen um das Präsidentenamt zurück.

Wahlsieger Paz strebt moderaten Kurs an

Der politische Richtungswechsel weckt auch international Interesse. Bolivien verfügt über die größten Lithiumreserven der Welt – einen Schlüsselrohstoff für Batterien und Elektroautos. Unter der bisherigen linken Regierung kamen Investitionen nur langsam voran.

Rodrigo Paz hat seinen Wählern einen moderaten Regierungskurs versprochen. Er will institutionelle Reformen umsetzen, die Wirtschaft schrittweise öffnen und gezieltere Subventionen herbeiführen. Außenpolitisch strebt er pragmatische Beziehungen zu allen Partnern an – darunter eine vorsichtige Wiederannäherung an die USA. Zugleich will er die Integration in regionale Bündnisse wie die Andengemeinschaft (CAN) und den Staatenverbund Mercosur vertiefen.

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