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CIA soll Nord-Stream-Pipelines sabotiert haben 

Laut Enthüllungsjournalist Seymour Hersh sind die Sprengungen der Nord Stream-Pipelines von den USA und Norwegen von langer Hand geplant worden. 

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Laut dem US-Journalisten Seymour Hersh war die CIA in Zusammenarbeit mit Norwegen verantwortlich für die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines.
Laut dem US-Journalisten Seymour Hersh war die CIA in Zusammenarbeit mit Norwegen verantwortlich für die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines.
via REUTERS

Der US-amerikanische Enthüllungsjournalist Seymour Hersh behauptet, dass Taucher der US-Marine im vergangenen Jahr Sprengstoff platziert haben, um die Nord-Stream-Pipelines zu zerstören. Demnach hätten die Vereinigten Staaten die Sabotage der Pipelines nach einer mehr als neunmonatigen, streng geheimen Debatte innerhalb der nationalen Sicherheitsgemeinschaft der USA beschlossen. Auftraggeber sei die CIA gewesen.

Nato-Übung soll als Deckmantel gedient haben

"Im vergangenen Juni brachten die Marinetaucher unter dem Deckmantel einer weithin bekannten Nato-Sommerübung namens Baltops 22 die fernausgelösten Sprengsätze an, die drei Monate später drei der vier Nord-Stream-Pipelines zerstörten", schreibt Hersh, der mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet ist, im entsprechenden Newsletter-Beitrag.

Norwegen sei den USA beim Sabotageplan beigestanden, schreibt Hersh weiter. "Sie hassten die Russen, und die norwegische Marine war voller hervorragender Matrosen und Taucher, die über Generationen von Erfahrungen in der hochprofitablen Tiefsee-Öl- und -Gasexploration verfügten", soll eine Quelle, die Hersh nicht näher beschreibt, ausgesagt haben.

Das Weiße Haus weist Seymour Hershs Behauptungen als "falsch und frei erfunden" zurück. Auch die russische Regierung hat sich bereits geäußert und eine Reaktion der USA gefordert. "Washington muss zu diesen neuen Fakten Stellung beziehen", schrieb Marija Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, auf ihrem Telegram-Kanal.

Einzelne anonyme Quelle wirft Fragen auf

Andere Journalisten, so etwa Eliot Higgins, der das Investigativportal Bellingcat ins Leben gerufen hat, glauben den Schilderungen von Seymour ebenfalls nicht. So kritisiert er vor allem, dass der Journalist sich lediglich auf eine Quelle beruft. Auch der Open-Source-Intelligence-Journalist H.I. Sutton zweifelt die Schilderungen von Hersh an. Seymour Hersh gewann 1970 den Pulitzer-Preis für seine Berichte zum Massaker von My Lai in Vietnam. Die US-Armee vertuschte damals einen brutalen Vorfall, bei dem über 500 Zivilisten durch US-Soldaten getötet wurden.

In den letzten Jahren wurde er aber auch wiederholt als Verschwörungstheoretiker kritisiert. So berichtete Seymour 2015 von einer Verschwörung im Zusammenhang mit dem Konflikt in Syrien. Die oberste Führung des Pentagons soll die amerikanische Regierung absichtlich hintergangen haben, indem sie die Bemühungen der USA zur Unterstützung der syrischen Rebellen sabotierte und sogar US-Geheimdienstinformationen an den syrischen Staatschef Bashar al-Assad schickte.

Laut Seymour ging die US-Militärführung vom Herbst 2013 bis September 2015 ein geheimes Bündnis mit Assad und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein. Ziel soll die Bekämpfung der Terrororganisation Isis gewesen sein. Hersh verurteilte diese angeblichen Fakten damals nicht etwa als hohen Akt des Verrats, sondern stellte das unheilige Bündnis vielmehr als notwendig und angemessen dar. Auch damals bezog er sich auf eine einzelne anonyme Quelle – bis heute gibt es jedoch keinerlei handfeste Beweise für ein solches Bündnis.

Nord-Stream-Explosion löste diverse Untersuchungen aus

Die Explosionen ereigneten sich am 26. September 2022 an drei der vier Röhren der Unterwasserpipelines Nord Stream 1 und 2, die insgesamt 110 Milliarden Kubikmeter russisches Gas pro Jahr nach Europa transportieren sollen.

Deutschland, Dänemark und Schweden leiteten getrennte Ermittlungen zum mutmaßlichen Sabotageakt ein, wobei deutsche Medien von Vertrauensproblemen zwischen den drei EU-Ländern berichteten. Die russische Generalstaatsanwaltschaft erklärte damals, sie habe eine Untersuchung wegen möglichen internationalen Terrorismus eingeleitet.

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    Ein halbes Jahr nach den Explosionen haben dänische Behörden ein unbekanntes Objekt an der Nord-Stream-Pipeline entdeckt.
    Ein halbes Jahr nach den Explosionen haben dänische Behörden ein unbekanntes Objekt an der Nord-Stream-Pipeline entdeckt.
    HANDOUT, DANISH MINISTRY OF DEFENCE / AFP / picturedesk.com