Corona-Ausbruch auf der Wiesn – wegen Kaltspülens der Krüge?

Oktoberfest in München - das größte Volksfest der Welt dauert noch bis zum 03. Oktober 2022.
Oktoberfest in München - das größte Volksfest der Welt dauert noch bis zum 03. Oktober 2022.Getty Images
Bei unseren bayrischen Nachbarn schnalzen die Corona-Zahlen derzeit kräftig nach oben. Grund ist das Oktoberfest und die dort herrschende Hygiene.

Laut Robert-Koch-Institut ist die Sieben-Tage-Inzidenz um knapp 77 Prozent gestiegen (Stand 27.9.). Das ist deutlich mehr als der bayernweite Anstieg von 43,1 Prozent oder der deutsche von 29,4 Prozent. Grund für die Corona-Explosion binnen einer Woche ist das Oktoberfest. Die Rede ist bereits von der "Wiesn-Welle".

Doch es sind nicht nur die Millionen von Bierzeltfans, die auf engstem Raum schunkeln, tanzen und feiern, die dafür sorgen, dass die Corona-Zahlen bei unseren bayrischen Nachbarn derzeit wieder nach oben schnalzen. Es sind auch die dort herrschenden Hygienestandards, die eine Ausbreitung der Viren vorantreiben. Die Rede ist von kalt gespülten Bierkrügen.

Denn während die Lebensmittelhygieneverordnung beispielsweise bei Cafés penibel darauf achtet, dass Gläser mindestens zwei Minuten lang mit 65 Grad heißem Wasser gespült werden müssen (!), erlaubt es die Festverordnung der Stadt München, die Maßkrüge kalt zu spülen.

Schon 2008 hat das unabhängige Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), in einer Studie nachgewiesen, dass "das Spülen von Gläsern mit Kaltwasser und Desinfektionsmitteln [abgewaschen wir mit einem chlorhaltigen, desinfizierenden Spülmittel, Anm. d. Red.] für Verbraucher keinen ausreichenden Schutz vor der Übertragung von Keimen durch den Kontakt mit verunreinigenden Gläsern" biete. Dabei handelt es sich u.a. um Viren wie Noroviren, Adenoviren oder Hepatitis A aber auch bei bakteriellen Erregern wie Salmonellen, Kolibakterien, Streptokokken, Hefen und Schimmelpilzen

2022 hat das BfR nachgewiesen, dass auch das Coronavirus neben Spülmittel und einer Mindestreinigungsdauer eine Spülwassertemperatur von mindestens 23 Grad braucht, um abgetötet zu werden. Das normale Trinkwasser der Kaltspülanlagen hat in der Regel aber nur 15 Grad.

"Mischung aus Chlor, Viren und Hopfen"

Doch die Stadt beharrt auf ihrer Praxis und beruft sich auf Kontrollergebnisse. 2019 hätten das Gesundheitsreferat und das KVR 612 optische Einzelkontrollen genommen – lediglich vier Prozent der Proben seien beanstandet worden. Das Ergebnis: Die Krug-Hygiene sei auf "nachweislich anhaltend hohem Niveau". Die Corona-Zahlen zur Oktoberfestzeit auch – oder wie der renommierte Hygiene-Professor Benjamin Eilts von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen gegenüber der "AZ" zusammenfasst: "Für 13, 14 Euro erwarte ich einen picobello hygienischen Krug, in dem das Bier dem Reinheitsgebot entspricht und nicht eine Mischung aus Chlor, Viren und Hopfen enthält."

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