Impf-Auffrischung braucht keine neue Zulassung

Dass ein dritter Stich nötig ist, steht so gut wie fest. Wann er nötig sein wird, wird noch untersucht.
Dass ein dritter Stich nötig ist, steht so gut wie fest. Wann er nötig sein wird, wird noch untersucht.PIXSELL / EXPA / picturedesk.com
Obwohl noch nicht alle geimpft sind, wird bereits eine dritte Auffrischungsimpfung diskutiert. Diese soll auf kurzem Weg an die Bevölkerung kommen.

Wie das Ö1 Mittagsjournal berichtet, sei bereits vor sieben Monaten - als die Covid-Impfungen in Österreich starteten - klar gewesen, dass eine dritte Impfung nach einiger Zeit notwendig werden würde. Wann das jetzt der Fall ist, werde noch geprüft, sagt Christa Wirthumer-Hoche, die Leiterin der AGES Medizinmarktaufsicht, im Interview mit Ö1. 

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„Die Information, die wir haben, ist, dass der Impfschutz neun Monate anhält“, so Wirthumer-Hoche. Ob eine dritte Impfung nach neun oder doch erst nach zwölf Monaten notwendig sei, werde derzeit untersucht. Dazu würden Daten von Impfdurchbrüchen gesammelt - also von Menschen, die sich trotz Corona-Impfung mit dem Virus infizieren.

Auffrischung bei Älteren nach 9 Monaten empfohlen

Auch laut Europäischer Arzneimittelbehörde (EMA) sei es noch zu früh, eine definitive Aussage über den Zeitpunkt der Auffrischung zu treffen. Laut Wirthumer-Hoche brauche es dann jedoch kein erneutes Zulassungsverfahren, sondern nur eine Erweiterung der Fach- und Gebrauchsinformation der zugelassenen Impfstoffe.

Eine Empfehlung zur Auffrischung gibt es allerdings bereits, erklärt die Expertin:  „Das einzige, was derzeit empfohlen wird, auch seitens des nationalen Impfgremiums, ist, dass ältere Personen mit schlechter Immunabwehr bereits etwa neun Monate nach der ersten Impfung eine dritte Auffrischung bekommen sollen.“

Laut internationaler Leitlinien gilt das auch für andere Hochrisikopatienten mit einem geschwächten Immunsystem, etwa aufgrund von Organtransplantationen, Krebs oder Niereninsuffizienz.

Impfziele noch nicht erreicht

In Frankreich und Israel hat man bereits mit den Auffrischungsimpfungen bei dieser Personengruppe begonnen. Grund ist vor allem die hochansteckende Delta-Variante. Zwar helfen alle in Österreich zugelassenen Impfstoffegegen einen schweren Covid-19-Verlauf, ausgelöst durch die Delta-Variante – hier liegt der Schutz bei über 90 Prozent. Doch der Schutz vor einer Infektion mit dem Virus dürfte geringer ausfallen. Das zeigen Zahlen aus Israel und Großbritannien. Aufgrund der Delta-Variante ist das Risiko, das Virus trotz Impfung weiterzugeben, erhöht.

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Wichtig sei jetzt, dass sich alle impfen ließen, und zwar mit beiden notwenigen Dosen, sagt Wirthumer-Hoche. Es sei genug Impfstoff vorhanden und jeder habe die Möglichkeit sich impfen zu lassen. Ebenso für eine Grundimmunisierung der breiten Bevölkerung - vor allem der Risikogruppen - spricht sich der Infektiologe und Impfforscher Peter Kremsner vom Universitätsklinikum Tübingen aus. Dieses Ziel sei noch nicht erreicht.

Anpassung an Mutanten schnell möglich

„Das große Problem ist natürlich, dass wir selbst in Europa noch immer nicht alle vulnerablen Gruppen, selbst die Alten geimpft haben, also das sollten wir zuerst angehen“, so Kremsner. Spätestens im Herbsterwartet sich Kremsner offizielle Empfehlungen zur Impfauffrischung, gerade für über 80-Jährige. Und man könne etwa bei den mRNA-Impfstoffen mittlerweile auch schnell auf mögliche Mutationen des Coronavirusreagieren. Diese Erweiterungs- und Änderungsverfahren könnten von der EMA sehr viel schneller abgewickelt werden als allgemeine Zulassungsverfahren von neuen Impfstoffen, betont der Infektiologe Kremsner. Noch sei das allerdings nicht notwendig.

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