Bund kritisiert Wiener Taxi-Bons als "fahrlässig"

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) übt Kritik an den Taxi-Gutscheinen der Stadt WIen. Dies sei "grob fahrlässig" und bringe Senioren in Gefahr. Doch die Nutzung ist auch möglich, ohne selbst das Haus oder die Wohnung zu verlassen.
Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) übt Kritik an den Taxi-Gutscheinen der Stadt WIen. Dies sei "grob fahrlässig" und bringe Senioren in Gefahr. Doch die Nutzung ist auch möglich, ohne selbst das Haus oder die Wohnung zu verlassen.Bild: picturedesk.com/APA
Scharfe Kritik übte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) an den Gutscheinen, mit denen die Stadt Senioren bei wichtigen Wegen unterstützen will.

Die Taxi-Gutscheine sollen es Wienern über 65 Jahre, die als besonders gefährdet gelten, leichter machen, wichtige Erledigungen zu machen oder ins Grüne zum "Auslüften" zu fahren - ohne Kontakt mit den Öffis. Möglich ist es mit den Gutscheinen aber auch, sich per Taxi Waren nach Hause liefern zu lassen. Dafür werden die Gutscheine in zehn Bons zu je fünf Euro verteilt, damit kurze Lieferwege zu Apotheken oder Lebensmittelgeschäften erledigt werden können - dazu muss niemand selbst hinaus, auch die Taxler können unter Einhaltung der Vorschriften die Lieferungen bringen.

Präsentiert wurde dies am 18. März im Anschluss an einen Sozialgipfel, zu dem Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) geladen hatte - "Heute" hat berichtet.

Gutscheine für 300.000 Wiener über 65

Profitieren sollen von dem 50 Euro-Gutschein nicht nur rund 300.000 Wiener, sondern auch die Taxi-Unternehmen, denen in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen die Fahrgäste wegbrechen. Doch die gute gemeinte Idee sorgt nun neben den Bundesgärten - wir berichteten - für den nächsten Krach zwischen Stadt und Bund und als zusätzliche Belastungsprobe für den oft zitierten Schulterschluss.

Nehammer: Aktion bewirkt "genau das Gegenteil" von Schutz

Im Gespräch mit dem "Kurier" bezeichnet Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) die Aktion als "grob fahrlässig". "Gerade Personen über 65 Jahre sind besonders schutzbedürftig und sollten nicht mit anderen Personen in Kontakt kommen. Wir bitten diese Personen, unsere Maßnahmen zu befolgen, damit sie sich nicht anstecken können", unterstrich Nehammer.

Seiner Ansicht nach bewirke die Verteilung von Taxi-Gutscheinen "das genaue Gegenteil". Er forderte Ludwig auf, die Aktion umgehend einzustellen. Stattdessen sollten Senioren besser mit Einkaufsdiensten unterstützt werden, so Nehammer.

FPÖ wirft ÖVP vor, "Fußfesseln für Senioren" zu wollen

Als ungewohnten Mitstreiter stellte sich am Donnerstag die FPÖ Wien an die Seite der rot-grünen Taxi-Gutscheine. In einer Aussendung kritisierte Klubchef Toni Mahdalik die "zunehmend autoritär wirkenden Maßnahmen des Bundes".

Nehammer will "damit offenbar nicht nur das arg gebeutelte Taxi-Gewerbe in Wien endgültig ruinieren, sondern auch die ältere Generation gleichsam mit einer Fußfessel über Wochen wegsperren", so Mahdalik.

"Gut gemeint, aber falsch kommuniziert"

Im Kern gut gemeint, aber als falsch kommuniziert, bezeichnen Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec und Sicherheitssprecher Karl Mahrer (beide ÖVP Wien) die Taxi-Aktion. Die Taxigutscheine für notwendige Arztbesuche oder für Botendienste zu verwenden, sei noch in Ordnung - noch besser sei es aber den Anweisungen der Bundesregierung zu folgen und nach Möglichkeit zuhause zu bleiben.

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