Grippeimpfung: Sorgen um Engpässe, aber Wien baute vor

Die Gratis-Grippeimpfaktion habe nicht zu einer Belastung der Gesundheitshotline 1450 geführt, betont Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Das Interesse sei zwar groß, mit 90% würde sich die klare Mehrheit aber online anmelden. 
Die Gratis-Grippeimpfaktion habe nicht zu einer Belastung der Gesundheitshotline 1450 geführt, betont Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Das Interesse sei zwar groß, mit 90% würde sich die klare Mehrheit aber online anmelden. Denise Auer
In Niederösterreich und Oberösterreich herrscht Sorge, dass zuwenig Grippeimpfstoff gekauft wurde. Wien hat hingegen rechtzeitig vorgesorgt. 

Um die Wiener in Zeiten der Corona-Pandemie bestmöglich vor einer anderen Krankheit, der Influenza, zu schützen, startet die Stadt Wien im Herbst eine Gratis-Grippeimpfaktion. Wie berichtet, stehen 400.000 Dosen bereit, damit hat sich Wien bereits im April einen Großteil der insgesamt 1,25 Millionen Dosen gesichert, die laut Gesundheitsministerium bundesweit angeschafft wurden. 

In manchen Bundesländern, etwa in Niederösterreich oder Oberösterreich, macht sich nun Sorge breit, dass die angelegten Reserven mit Grippe-Impfstoff zu wenig sein könnten. In einer Aussendung klagt der oberösterreichische Alt-Landeshaupthauptmann und nunmehrige Landesobmann des Seniorenbund Josef Pühringer, dass "die Stadt Wien offensichtlich derart große Mengen an Impfstoff aufgekauft (hat), dass es für die anderen Bundesländer sehr eng werden könnte". In Wien weist man "Hamsterkäufe" zurück, man habe sich einfach rechtzeitig darum gekümmert.

Apothekenkammer und Stadt rechnen damit, dass Impfdosen ausreichen

Tatsächlich bestellte die Stadt Wien bereits im April für die Grippeimpfaktion im Herbst. Zu den 400.000 Dosen kommen noch jene dazu, die die Apotheken angeschafft haben. Wie viele das sind, ist nicht bekannt, der Grund: die öffentliche Hand wie etwa die Stadt Wien kauft ihre Reserven über die Bundesbeschaffungsagentur am Weltmarkt ein, die Apotheken hingegen als Einzelunternehmer. Daher gibt es keine Gesamtzahl für die Apotheken.

Die Versorgung sei aber "gut", wie die Österreichische Apothekenkammer auf Anfrage von "Heute" mitteilt. Ausgehend von der Durchimpfrate der Wintersaison 2019/2020, die nur zwischen sechs und neun Prozent betrug (insgesamt wurden 765.000 Dosen geimpft), rechnet man in der Apothekerkammer, dass die angekauften Dosen ausreichen werden. Davon geht auch die Stadt aus, weitere Bestellungen von Grippeschutzimpfstoffen seien derzeit nicht geplant, heißt es. 

Bei den für Österreich angekauften Impfstoffen handle es sich laut Apothekerkammer um "mehrheitlich Vierfachimpfstoffe und auch einen Dreifachimpfstoff, der mit Hilfsstoffen ergänzt wurde, um die Wirkung speziell bei Menschen ab 65 zu verstärken und eine bessere Immunantwort zu erreichen". Daneben gibt es für Kinder zwischen 2 und 6 Jahren auch einen Nasenspray, der eine ähnliche Schutzwirkung wie die Impfung erzielen soll. Bei jüngeren Kinder (ab 6 Monate) muss aber gespritzt werden.

Auch Frauenärzte dürfen heuer Grippe impfen

Die Gratis-Impfaktion der Stadt steht allen Wienern offen, der Aufruf von Stadt Wien und dem Ärztekammerpräsidenten Thomas Szekeres, sich impfen zu lassen, richtet sich aber vor allem an besonders gefährdete Personen, wie etwa die Generation 65+. Und das Interesse scheint groß: Schon viele der Oktober-Termine (die Termine werden jeweils für den Folgemonat freigeschalten) sind gebucht, in den Impfstraßen seien aber laut Stadt noch Plätze frei.

Gratis Grippeimpfen können sich die Wiener in sieben Impfzentren und 37 Impfstraßen, die extra für die Aktion eingerichtet wurden. Aber auch in den Ordinationen von Kinder- und Allgemeinärzten ist das möglich, aktuell machen wienweit rund 370 Ärzte bei der Gratis-Aktion der Stadt mit. Neu ist, dass heuer auch Fachärzte wie etwa Frauenärzte eine Gratis-Grippeimpfung verabreichen können, möglich ist das nur in Pandemiezeiten. Bisher war ein guter Gesundheitszustand Voraussetzung für die Grippeimpfung, für heuer wird das ein wenig adaptiert. Demnach könnten auch leicht Verkühlte zur Impfung gehen, entschieden wird das vor Ort vom behandelnden Arzt.

90% der Interessierten melden sich online an, "Corona und Grippe kommen sich nicht in die Quere"

Für eine Impfung ist jedoch eine Voranmeldung notwendig: Wiener, die eine Einrichtung der Stadt (geimpft wird ab einem Alter von 6 Jahren, jüngere Patienten müssen zum Kinderarzt, Anm.) nützen wollen, also entweder eine Impfstraße oder eine Impf-Bim, müssen sich zunächst beim Impfservice Wien anmelden und können dort dann bequem einen Termin buchen. So ist die Schutzimpfung innerhalb von rund 15 Minuten zu erledigen, bisherige Wartezeiten entfallen. Anmelden kann man sich auch über die Gesundheitshotline 1450. Dies soll laut der ÖVP zu einem Zusammenbruch der Hotline geführt haben, die durch die vielen Corona-Anrufer ohnehin überlastet sei.

Doch die Stadt weist diesen Vorwurf zurück: "Corona und Impfen kommen sich unter 1450 nicht in die Quere". Die deutliche Mehrheit (90 Prozent) der an der Grippeimpfung Interessierten würden sich online anmelden. Es habe am Montag zwar technische Probleme gegeben, dass Leitungen zusammengebrochen seien, weist das Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) auf "Heute"-Rückfrage aber zurück. Personen, die wegen Corona anrufen, würden "durchgeroutet". Per Auswahlmenü gibt der Anrufer an, ob er Fragen zu zu Corona, zur Gratis-Grippeimpfaktion oder zu anderem hat, wird entsprechend weitergeleitet.

Dass die Gesundheitshotline 1450 derzeit mit tausenden Anrufen täglich konfrontiert ist, weiß aber auch die Stadt. Daher wird nun das Personal aufgestockt. Wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) informierte, sollen 1.000 neue Mitarbeiter neu angestellt oder deren Dienstverhältnisse verlängert werden.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account lok Time| Akt:
Stadt WienGrippeCoronavirusImpfung

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen