Im Herbst, wenn die Temperaturen sinken und die Tage früher enden, wird sich unser Leben weitesgehend wieder in geschlossenen Räume verlagern. Sieht man sich die derzeit stetig steigende Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen an, durchaus ein Grund zur Sorge. Schließlich ist das Ansteckungsrisiko innerhalb von vier Wänden prinzipiell am größten, aber nicht überall besteht die gleiche Gefahr.
Wo sich die größten Infektionsherde befinden, hat die Virologin Dr. Muge Cevic von der britischen Universität St. Andrews durch die Auswertung von weltweiten Studien ausgearbeitet. Demnach ist die Ansteckungsgefahr immer dann sehr hoch, wenn Menschen längere Zeit gemeinsam in einem geschlossenen Raum mit einem Infizierten verbringen. Denn ganz entscheidend dabei, ob sich eine Person mit dem Coronavirus ansteckt oder nicht, ist die Virusdosis - also die Menge an Viren, mit der sie in Kontakt kommt. Diese ist in Innenräumen ohne ausreichend Luftaustausch viel höher als im Freien.
Dies bestätigte auch eine Studie aus China. Bei der Untersuchung wurden 2.147 Kontakte von 157 Covid-19-Patienten nachverfolgt.
Logisch ist demnach auch, dass im eigenen Haushalt das größte Risiko besteht, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Denn dort verbringen die Menschen intensiv Zeit miteinander. Wissenschaftler der Universität Hongkong haben herausgefunden, dass sich im Schnitt 22 Prozent aller Personen anstecken, die im selben Haushalt wie ein Infizierter leben.
Zu den Orten, die das größte Ansteckungsrisiko bergen, zählen den Studienautoren zufolge auch Restaurants und Cafés. Beim Verzehr von Speisen und Getränken wird keine Maske getragen. Es ist daher umso wichtiger, dass die Räume gut durchlüftet werden, damit sich das Virus nicht verbreiten kann. Geringer dürfte das Risiko einer Ansteckung bei Lokalitäten im Freien wie Biergärten sein, diese fallen im Winter voraussichtlich aber weg.
Auch am Arbeitsplatz kann die Ansteckungsgefahr erhöht sein. Besonders in Großraumbüros treffen viele Menschen in geschlossenen Räumen aufeinander. Für einen langfristigen Umgang mit dem Coronavirus sollten der Virologin zufolge bessere Lüftungskonzepte und Hygienestandards entwickelt werden.
Supermärkte und Geschäfte sind ebenfalls Orte mit einem leicht erhöhten Infektionsrisiko, da sich dort Menschen auf engem Raum begegnen. Das Tragen einer Maske ist in Österreich vorgeschrieben und soll die Ansteckungsgefahr minimieren. Im öffentlichen Raum sollte unbedingt der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden.
Im Herbst und Winter viel frequentiert sein werden öffentliche Verkehrsmitteln. Die Infektionsrate der Untersuchung in China lag hier besonders hoch bei durchschnittlich elf Prozent. Neue Studien legen allerdings nahe, dass das Ansteckungsrisiko in den "Öffis" geringer sein könnte als bisher befürchtet. Bei Untersuchungen in Paris und Tokio konnten keine Infektionscluster gefunden werden, die ihren Ausgang in öffentlichen Verkehrsmitteln nahmen. Auch in Österreich habe es bisher keine Ausbrüche gegeben, die auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzuführen sind, sagte AGES-Chefepidemiologe Franz Allerberger in der Vorwoche in der ZIB2. Als Grund vermutet er, dass in der U-Bahn und dem öffentlichen Autobus im Regelfall nicht über 15 Minuten im engen Abstand miteinander gesprochen wird.