Kachelmann mit Ansage

"Dann hätten wir es auf 45 Grad packen können"

Rekordhitze, Wassermangel und Waldbrände beschäftigen Europa. Wetter-Experte Jörg Kachelmann erklärt, was hinter der extremen Wetterlage steckt.
Newsdesk Heute
14.08.2026, 20:42
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Die extreme Hitze sorgt in Europa für Diskussionen über Klimawandel, Dürre und Waldbrände. Wetter-Experte Jörg Kachelmann spricht im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer über die Ursachen und kritisiert den Umgang mit hohen Temperaturen deutlich.

Zur Hitze in Deutschland sagt Kachelmann: "Das ist sehr außergewöhnlich und so außergewöhnlich, dass wir das in der Form bisher nicht hatten, seit das Wetter aufgezeichnet wird." Im Südwesten habe es "vielerorts seit dem 1. August keinen Tag unterhalb von 30 Grad Höchsttemperatur" gegeben.

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Als Grund nennt er die Erwärmung der Atmosphäre. "Wir heizen die Atmosphäre auf. Das wissen wir. Das ist auch physikalisch belegt. Wenn man mehr Treibhausgase in dieses System reinbläst – das kann man berechnen – dann wird das System wärmer. Das muss so sein."

Kachelmann spricht von bis zu 45 Grad

Noch höhere Temperaturen seien möglich gewesen. "Das ist noch nicht das obere Ende gewesen. Wir müssen daran denken: Dieses Jahr war der Schwerpunkt eher westlich in Frankreich. Wir haben die volle Lotte gar nicht abbekommen (...). Wenn das Ganze nur 500 Kilometer weiter östlich gewesen wäre (...), dann hätten wir es wahrscheinlich in Berlin auf 45 Grad packen können."

Beim Wassermangel warnt Kachelmann vor falschen Zusammenhängen. "Es gibt nicht kein Wasser, weil es warm ist, sondern es gibt kein Wasser, weil es nicht geregnet hat. Und das werden die Deppen kommende Woche schmerzhaft sehen, wenn es plötzlich 15 Grad kühler geworden ist und nicht wie durch ein Wunder plötzlich alle Flussbetten wieder bis oben gefüllt sind."

Auch die Darstellung von Waldbränden kritisiert er. "Die Suggestion in den Medien ist, dass Waldbrände irgendwie geheimnisvoll von selber entstehen würden." Als Ursache nennt er in "99 Prozent der Fälle" Brandstiftung, wobei diese absichtlich oder fahrlässig erfolgen könne.

Scharfe Kritik an Hitze-Tipps

Besonders deutlich wird Kachelmann beim verbreiteten Rat, bei Hitze tagsüber die Fenster geschlossen zu halten. "Das führt dazu, dass viele alte Menschen in ihren kleinen Alterswohnungen wirklich auf erbärmlichste Art und Weise – ich kann es nicht anders sagen – verrecken."

Stattdessen verweist er auf Ventilatoren. "Viele Menschen würden auch ganz einfach überleben oder gut schlafen, wenn sie einen großen Ventilator (...) einen halben Meter oder einen Meter vor dem Gesicht hätten in der Nacht."

Auch die Skepsis gegenüber Klimaanlagen kritisiert er. "Diese Hitzetoten wären vermeidbar, indem sich irgendjemand für dieses Thema interessiert hätte. In Köln wird jetzt wieder eine Schule ohne Kühlung geplant."

Kritik an Politik und Verbrauch

Im Alltag fordert Kachelmann einen sparsameren Umgang mit Ressourcen. "Wenn es nicht regnet, sollte man eine gelbe Wiese haben. Das eigene menschliche Verhalten sollte irgendeinen Zusammenhang haben mit den Ressourcen der Natur. (...) Dieses massenhafte, obsessive Autowaschen, wie es offenbar immer noch üblich ist, wenn man das zusammenrechnet, ist das eine erhebliche Angelegenheit in der Summe."

Auch in der Politik sieht er Widersprüche. So kritisiert er die Unterstützung von Holz- und Pelletöfen durch Grüne in Baden-Württemberg und Bayern und bezeichnet deren Nutzung als klimaschädlich. Sein Fazit fällt deutlich aus: "Wenn Sie das alles betrachten von außen, das ist alles sehr, sehr schwer auszuhalten, diese Heuchelei, auch diese Inkonsequenzen."

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