Darum vergraben Schweizer jetzt ihre weißen Unterhosen

Der junge Arin vergräbt eine Unterhose auf dem Gelände von Agroscope.
Der junge Arin vergräbt eine Unterhose auf dem Gelände von Agroscope.WALTER BIERI / Keystone / picturedesk.com
Eine Studie zur Bodenqualität in der Schweiz fordert Landwirte und Privatgärtner dazu auf, Unterhosen und Teebeutel zu vergraben.

Es ist eine ungewöhnliche Aufforderung: Zur Untersuchung der Bodenqualität, verschickt die staatliche Forschungsstelle Agroscope derzeit 2.000 Baumwollunterhosen an Schweizer Gartenbesitzer und Bauern und bittet sie, diese im Boden zu vergraben. Dadurch erhofft man sich Aufschlüsse zur Bodenqualität.

Je mehr Löcher in der Unterhose, desto besser

Nach zwei Monaten soll man die Unterhose wieder herausschaufeln, so Agroscope. Je stärker die Unterhose dann verrottet ist, desto aktiver sind die Bodenlebewesen gewesen und desto gesünder ist der Boden, schreibt die Forschungsanstalt auf ihrer Website. Bereits bekannt ist das Vergraben von Teebeuteln als Gradmesser für die Gesundheit des Erdreiches. Damit wird die Zuverlässigkeit der Unterhosen-Methode getestet.

Eine Unterhose, die zwei Monate unter der Erde war auf dem Gelände von Agroscope in Zürich (Schweiz)
Eine Unterhose, die zwei Monate unter der Erde war auf dem Gelände von Agroscope in Zürich (Schweiz)WALTER BIERI / Keystone / picturedesk.com

Je mehr Asseln, Regenwürmer, Pilze, Bakterien und Springschwänze im Boden sind, desto besser? "Das kann man durchaus so behaupten", sagt Marcel van der Heijden von Agroscope. Unter unseren Füßen existiert eine enorme Vielfalt an Lebewesen, Pilzen und Bakterien, die eine extrem wichtige Arbeit leisten, so der Forscher. "Man schätzt, dass rund 25 Prozent der ganzen Biodiversität unter der Erde lebt", sagt van der Hejden. "Das ist keine tote Materie, sondern ein gigantischer, lebendiger Organismus."

Rücksichtsvoller Umgang mit dem Boden

Für die Forschenden steht die Frage im Zentrum, ob der Grad der Verrottung mit der Artenvielfalt im Boden zusammenhängt. Parallel zum Forschungsprojekt soll die Bevölkerung eigene Baumwollunterhosen auf dem Agroscope-Acker in Zürich vergraben.

Mit der Unterhosen-Aktion – ganz im Sinne der internationalen Kampagne #SoilYourUndies – wolle man die Bevölkerung für einen möglichst rücksichtsvollen Umgang mit dem Boden sensibilisieren. So sei im eigenen Garten etwa die Anwendung von Kompost statt Mineraldünger empfehlenswert. Und bei Bauern wirkten sich etwa Fruchtfolgen und die Bedeckung des Bodens im Winter positiv aus. Van der Heijden sagt: "Ziel der Forschung wird es sein, zu erkennen, wie Landwirte den Boden bearbeiten können, damit er auch für kommende Generationen die Basis für gute Erträge bleibt."

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