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Das extravagante und freche Franzosencoupé

Heute Redaktion
14.09.2021, 13:02

Ob sie wohl einst so begehrt sein werden, wie es die seltenen Autos der Fünfziger- und Sechzigerjahre heute sind? Die Rede ist von den erschwinglichen Automobilen der Siebzigerjahre, die schon lange von den Strassen verschwunden und heute vielfach rarer sind als manch hoch gehandelter Ferrari.

Ein Beispiel hierfür ist der unverwechselbare Renault 15, der sich zusammen mit dem Renault 17 im Jahr 1971 daran machte, die Erbschaft des Renault Caravelle anzutreten und sich der Konkurrenz von Opel Manta, Ford Capri und Fiat 128 Coupé zu stellen.

Ein GT von Renault

Im Juli 1971 präsentierte Renault erstmals die neuen sportlichen Modelle 15 und 17. Da seit Ende der Caravelle-Produktion 1968 im Renault-Programm eine Nische offen geblieben war, drängte sich ein knapp viersitziges und sportlich-elegantes Fahrzeugkonzept auf. Der amerikanischen Sicherheitshysterie war es vermutlich zu verdanken, dass man ein Cabriolet nicht in die Überlegungen mit einbezog.

Die technische Basis bot eine kompakte Limousine, nämlich der Renault 12. Damit waren Frontantrieb und eine selbsttragende Karosserie schon einmal gegeben. Mit 2,44 Metern Radstand und 4,28 Metern Außenlänge ergaben sich automatisch vergleichsweise große Überhänge hinten und vorne.

Eigenwilliges Design

Doch dies machte den Renault 15 (und 17) nicht außergewöhnlich. Es war eher die Gestaltung von Front und Heck, mit der sich das Coupé von der Konkurrenz absetzte. Hinten gab es nämlich eine praktische und bis zu den Rückleuchten herunterreichende Heckklappe, die synchron mit der Abdeckung hochklappte. Auffälliger noch waren aber die eigenwillig geformten Stoßfänger. Der Renault 15 erhielt vorne rechteckige Scheinwerfer, hinten flache zusammengefasste Rückleuchten.

Das Coupé war praktisch rundum verglast, speziell die hintere Seitenscheibe war mit mehr als einem Meter Länge riesig und konnte dazu noch ausgeklappt werden.

Mit 60 DIN-PS wartete der 1289 cm3 große Vierzylinder im Einstiegsmodell 15 TL auf. Im R15 TS und im R17 TL gab es bereits 90 DIN-PS, die der aus dem Renault 16 bekannte 1565 cm3 große Vierzylinder leistete. Für sportliche Naturen war der R17 TS gedacht, der dank elektronisch gesteuerter Einspritzung 108 DIN-PS aus demselben Motor schöpfte.

Am Lenkrad des R 15 GTL

Ab 1976 gab es den Renault 15 GTL, der etwas bequemer und teurer als der 15 TL war. So sitzt man etwas besser im Coupé, wenn auch für heutige Begriffe immer noch sehr weich. Halt französisch.

Auch die Federung wirkt deutlich nachgiebiger als bei anderen Coupés, entsprechend stark ist die Seitenneigung in Kurven. Fahrerisch setzt der Renault keine besonderen Anforderungen, gestartet wird mit Zündschlüssel, geschaltet entlang eines normalen "H". Der Klang des Motors wirkt angenehm und zurückhaltend. Die 60 PS reichen durchaus für flottes Vorankommen, solange keine allzu steile Strasse zum frühen Zurückschalten mahnt.

Zu den Stärken des Coupés gehören die gute Rundumsicht und die insgesamt kompakten Dimensionen. Praktisch ist er sowieso, wenn man von den umständlich nach vorne zu klappenden Vordersitzen absieht – der Entriegelungsknopf ist hinten in der Mitte der Lehne verborgen. Man könnte ihn alle Tage fahren, spräche nicht der Raritätenwert dagegen, denn Salz und winterlicher Witterung möchte man das Coupé heute nicht mehr aussetzen.

Weitere Informationen, viele Fotos und natürlich ein Tonmuster gibt es auf .

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