Das Huawei P40 Pro ist die neue Kamera-Wunderwaffe

Schick, schnell und scharf: Das ist das Huawei P40 Pro. (rfi)
Schick, schnell und scharf: Das ist das Huawei P40 Pro. (rfi)
Huawei hat am Donnerstag die neue Smartphone-Serie P40 mit einem ganz neuen Kamera-Setup vorgestellt. "Heute" hat das P40 Pro bereits getestet.
Huawei hat in einem Online-Stream die neuen Smartphones seiner P40-Serie vorgestellt. Schon im Vorhinein war heiß darüber diskutiert worden, wie das Unternehmen der erst kürzlich präsentierten S20-Reihe von Konkurrent Samsung entgegentreten will. Schließlich liefern sich die Hersteller seit geraumer Zeit ein knappes Rennen um die beste Smartphone-Kamera, das bisher meist Huawei knapp für sich entscheiden konnte.

Nachdem Samsung mit dem Galaxy S20 Ultra einen 100-fach-Zoom und eine 108-Megapixel-Kamera geliefert hat, heißt es nun von Huawei: "Hohe Megapixel allein sind nicht genug." Huawei hat deshalb in Trickkiste gegriffen und hat der P40-Serie sowohl ein neues Kamera-Setup, als auch allgemein ein ganz neues Design spendiert, das sich wirklich sehen lassen kann.

Und auch technisch wurde beim P40 und P40 Pro mächtig aufgerüstet. Außerdem wird es ein nochmal stärkeres P40 Pro+ geben, das in Österreich zu einem späteren Zeitpunkt im Sommer erscheinen wird. Dieses soll vor allem über die stärksten Zoom-Funktionen der P40-Serie verfügen. Zu allen drei Modellen sagt Huawei selbst: "Niemand kann uns bei der Fotografie in Low-Light-Situationen herausfordern."

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Die Kameras

Bei den neuen Geräten spricht Huawei von einer "Ultra Vision"-Kamera mit 50 Megapixel (MP), der beim P40 eine 16 MP Ultraweitwinkelkamera und ein 8 MP Telefoto-Sensor zur Seite stehen. Beim P40 Pro sind es neben der Ultra-Vision-Kamera eine 40 MP Cine-Kamera, ein 12 MP Telefoto-Sensor und eine 3D Tiefenkamera. Beim +-Modell kommt zu diesem Setup noch ein 8 MP Periskop-Sensor dazu. Als Kamera-Partner fungiert einmal mehr der Fotospezialist Leica.

Die neue Kamera zeigt im Test auf allen Ebenen Verbesserungen. Aufnahmen bei Nacht oder im schlechten Licht werden schärfer dargestellt, die Software modifiziert die Aufnahmen bei Farben und Beleuchtung auch nicht mehr so stark und liefert realistischere Bilder. Stark verbessert hat sich beim Pro die Stabilisation der Kamera, ebenso der Zoom. Optisch kann dreifach, per Hybridzoom zehnfach und digital 50-fach vergrößert werden. Erst auf Maximalstufe beginnen Bilder zu verwischen, darunter sind die Ergebnisse beeindrucken.

"Sehr nah an digitalen Spiegelreflexkameras", beschreibt Huawei selbst die Fotoqualitäten. Dem können wir nach ersten Tests zustimmen. Besonders Makro- und Standard-Aufnahmen zeigen eine ungeahnte Schärfe mit tollen Kontrasten. Deutlich schneller reagiert nun auch der Autofokus, der zudem beim Zoom nicht mehr sprunghaft wechselt. Videoaufnahmen sind mit 4K und 60 fps möglich, dazu gibt es Superzeitlupen mit 7.680 fps. Die Frontkamera mit 32 MP und Infrarot-Tiefensensor unterstützt ebenfalls 4K.



Das Display

Mit einem 6,1 Zoll OLED,-Display mit FHD+-Auflösung (2.340 x 1080 Pixel) ist das P40 das "kleinste" der angekündigten Geräte. Es wiegt 203 Gramm. Der fast randlose Bildschirm schließt dabei am Metallrahmen ab. Anders beim gleich schweren P40 Pro: Hier schmiegt sich das 6,58 Zoll OLED-Display (2.640 x 1.200 Pixel) gekrümmt um die Kanten und lässt nur Platz für einen minimalen Metallrahmen hin zur Glasrückseite. Trotzdem hält sich das Gerät erstaunlich rutschfest und damit besser als das noch mehr abgerundete Mate 30 Pro in der Hand.

Neu beim Pro ist ein 90-Hz-Display. Das liegt etwas unter der Konkurrenz, Samsung etwa verbaut beim Galaxy S20 Ultra ein 120-Hz-Display. Dem guten Eindruck tut dies keinen Abbruch: Die Bedienweise ist flüssiger als gewohnt, die Farben und die Blinkwinkelstabilität sind großartig. Bei der Helligkeit dürfte Huawei an der Schraube gedreht haben, das P40 Pro lässt sich etwas heller als die Vorgänger regulieren.

Auffällig ist das neue Bildschirm-Design: Statt des Tropfen-Notch mit einer Kamera beim P30 Pro gibt es nun in der linken oberen Ecke eine Ausnehmung mit der Selfie-Kamera und dem Tiefensensor. Nur an den Ecken des Bildschirms ist ein schmaler schwarzer Rahmen erkennbar. Im Display verbaut wurde der Fingerabdrucksensor, das Pro kann auch mit 3D-Gesichtserkennung entsperrt werden. Abgerückt ist man vom im Display verbauten Lautstärkeregler des Mate 30 Pro: An der rechten Seite der Geräte finden sich nun wieder Lautstärke-Wippe und Power-Button.



Akku und Speicher

Alle drei Geräte sind mit einem Huawei Kirin 990 Chip, dem neuesten hauseigenen Prozessor des Unternehmens, ausgestattet. Und alle Modelle der P40-Serie unterstützen 5G, hier ist man der Konkurrenz voraus. Das P40 verfügt über 8 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher (RAM) und 128 GB internen Speicher (ROM), der per Nano-Speicherkarte im Dual-Sim-Slot auf um bis zu 256 GB ausgeweitet werden kann.

Die Pro-Version kommt ebenfalls mit 8 GB RAM daher, dazu gibt es 256 GB ROM, der per Erweiterung verdoppelt werden kann. Die Akku-Stärke der Geräte beträgt beim P40 3.800 mAh, es kann mit 22,5 Watt schnellgeladen werden. Beim P40 Pro sind gar 4.200 mAh zu finden, die mit 27 Watt kabellos noch schneller geladen werden können. Hängt man das P40 Pro dagegen an das Ladekabel, zeigt der Test: Das leere Smartphone ist in 35 Minuten wieder voll geladen, ein beeindruckender Wert.

Das Pro-Model bietet neben der kabellosen Ladung auch das bekannte Reverse Wireless Charging an. Ist es aktiviert, kann ein kabellos ladbares Gerät wie Bluetooth-Kopfhörer oder andere Smartphone auf das Pro gelegt werden, um sie aufzuladen. Das funktioniert nun schneller als bei den Vorgängern, dauert aber doch seine Zeit. Nett ist das Feature aber allemal, besonders für kleine Akkus bei Kopfhörern, die nicht allzu viel Saft brauchen.



Weitere Features

Huawei hat sich wieder dazu entschieden, den Kopfhöreranschluss wegzulassen, Headsets müssen falls sie kabelgebunden sind, an den USB-C-3.1-Ladeanschluss gehängt werden. Beim Test des Geräts offenbarten sich im Smartphone aber einige unerwartete Funktionen. Was Huawei als "Audio Zoom" bezeichnet, fokussiert bei Videos das Mikrofon auf Geräuschquellen. So kann etwa bei Regen das Plätschern von Tropfen beim Videodreh besser eingefangen werden.

Eine weitere Funktion ist das, was Huawei "Best Moments AI" nennt. Optional werden Fotos nun "zurückspulbar". Dazu bietet die Künstliche Intelligenz mehrere Aufnahmen des fast gleichen Moments an. Wenn beim Abdrücken gerade ein Mensch durchs Bild geht, soll man so auch weitere Auswahlfotos vor diesem Störfaktor haben. "Golden Snap" wiederum bietet gleich eine KI-Auto-Auswahl des perfekten Bildes an, damit man die Aufnahmen nicht selbst durchforsten muss. Diese Funktionen kommen allerdings erst mit einem April-Update auf das Smartphone.

Beim P40 Pro erfasst die Frontkamera neu Motive in 4K in wenigen Augenblicken. Der Test zeigt zudem, dass die neue Front-Doppelkamera sehr gute Portraitaufnahmen mit Bokeh-Effekten bietet. Gesichter werden besser erkannt und fast mit 100-prozentiger Treffsicherheit vom Hintergrund unterschieden. Als Betriebssystem kommt auf den P40-Handys Android 10.0 mit der EMUI 10.1 Benutzeroberfläche, allerdings ohne Google-Services zum Einsatz. Apps wie Youtube, Gmail oder der Playstore fehlen deshalb, vieles wird aber durch Huaweis Store, die AppGallery, sowie die "MoreApps"-Anwendung kompensiert.



Kosten, Verfügbarkeit und Farben

Die neuen Huawei-Geräte sind in Österreich in den Farben Schwarz, Frost-Silber und Eis-Weiß ab Anfang April erhältlich. Beim P40 Pro+, das in Österreich im Sommer erscheinen wird, wurden für den heimischen Markt noch keine Farben und kein Preis genannt. Das Huawei P40 wird 799 Euro kosten, das Huawei P40 Pro 999 Euro. Neu bei allen Modellen ist auch, dass sie erstmals neben SIM-Karten auch eSIMs unterstützen.

Das neue Design der Geräte gefällt. Vor allem die Frost-Variante räumt mit einem alten Problem von Smartphones mit Glasrückseite auf: Fingerabdrücke sind auf den fast matten Rückseiten kaum mehr zu sehen, während spiegelnde Glasrücken zur Dauerputz-Angelegenheit werden. Auch wirkt das P40 "erwachsener". Die verschiedenen Modelle unterscheiden sich nicht mehr so deutlich voneinander und haben mit dem schönen, rechteckigen Kameramodul und den neuen Farben ein ansprechenderes Äußeres bekommen.

Technisch gesehen legt sich Huawei einmal mehr mit der Konkurrenz von Samsung und Apple an. In Bereiche wie einem 120-Hz-Display stößt man dabei zwar nicht vor, bietet aber wieder eine in unseren Tests ungeschlagene Akku-Leistung sowie mit 5G und eSim-Unterstützung auch ein sehr zukunftssicheres Modell. Bei der Kamera des P40 Pro kann man wahrlich von einer neuen Wunderwaffe sprechen. Spannend wird, ob sich Huawei dann mit dem erwarteten Software-Update für die Kamera und dem erst später erscheinenden P40 Pro+ noch weiter von der Konkurrenz absetzen kann.





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