Eigentor der FIFA! Der Fußball-Weltverband entschied am Sonntag, dass US-Stürmer Folarin Balogun trotz Roter Karte im Achtelfinale gegen Belgien (Dienstag, 2 Uhr) spielen darf – die Sperre wurde auf Bewährung ausgesetzt. Ein Urteil, das hohe Wellen schlägt – denn Donald Trump persönlich soll bei FIFA-Boss Gianni Infantino interveniert haben.
Die internationalen Reaktionen fallen heftig und eindeutig aus. Zwar sind sich viele Experten darüber einig, dass der Balogun-Ausschluss überzogen war – das Einknicken der FIFA sei jedoch bedenklich und öffnet künftigen Einsprüchen Tür und Tor.
Rudi Garcia, Nationaltrainer Belgien: "Ich wusste nicht, dass der 5. Juli für die FIFA der 1. April ist. Soweit ich mich erinnere, ist dies meines Erachtens das erste Mal in der Geschichte der Weltmeisterschaft, dass eine Entscheidung dieser Art getroffen wurde."
Belgischer Fußballverband (KBVB): "Der KBVB ist über die Entscheidung der FIFA erstaunt. Um die legitimen Rechte aller teilnehmenden Mannschaften zu wahren und die grundlegenden Prinzipien des Fairplay in unserem Sport zu schützen – sowohl bei dieser FIFA‑Weltmeisterschaft als auch bei zukünftigen Ausgaben des Turniers – prüft der KBVB derzeit alle möglichen Optionen."
Bernd Neuendorf, DFB-Präsident: "Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll. Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA."
Sepp Blatter, ehemaliger FIFA-Präsident: "Rote Karten werden im Fußball nicht durch politische Interventionen aufgehoben – sondern nach klaren Regeln und durch unabhängige Instanzen. Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert und danach ein Spieler vor einem WM-Achtelfinale begnadigt wird, stellt sich eine einfache Frage: Quo vadis, FIFA? Der Fußball darf nie zum Spielball der Politik werden."
Mauricio Pochettino, Nationaltrainer USA: "Es ist eine fantastische Entscheidung, nicht nur für uns, sondern für den Fußball. Wenn im nächsten Spiel etwas Unfaireres passiert, hat man die Möglichkeit, hinzugehen und die Entscheidung rückgängig machen zu lassen."
Chris Richards, Verteidiger USA: "Wir waren uns nicht ganz sicher, ob es wahr ist oder nicht. Ich denke, jeder weiß, wie das mit KI ist. Am Ende haben wir es über Social Media herausgefunden. Es war cool, die Bestätigung zu bekommen, dass es stimmt."
Thomas Tuchel, Nationaltrainer England: "Ich denke, es ist ganz klar, dass es keine Rote Karte war. Aber der VAR war involviert. Drei Leute vom VAR und der Referee haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war. Es wurde also eine Entscheidung getroffen. Wer kippt diese Entscheidung dann - und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben. Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist? Man könnte jetzt endlos debattieren. Wo fängt es an und wo hört es auf?"
Stale Solbakken, Nationaltrainer Norwegen: "Es ist eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung, die der WM schaden wird. Es tut mir auch leid für die USA. Wenn sie gewinnen, wird es immer in der Schwebe hängen. Das ist nicht gut für den Sport. Was ist mit der nächsten Roten Karte? Was passiert dann? Wird es künftig irgendwo ein Gremium geben, das solche Karten einfach wieder aufhebt?"
Jürgen Klopp, Experte bei MagentaTV: "Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben - das ist verrückt, das stellt alles infrage. Da gibt es immer noch die Möglichkeit, dass die USA ihn trotzdem nicht aufstellen, weil sie sagen: 'So wollen wir das nicht haben.' Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel."
Wayne Rooney, ehemaliger englischer Nationalspieler, bei BBC: "Entweder sie streichen die Rote Karte, was wahrscheinlich die richtige Entscheidung wäre, und dann könnte er spielen. Aber die Strafe für ein Jahr auf Bewährung zu setzen - das ist eine Schande. Infantino sollte sich dafür schämen, denn die Fairness des Spiels ist infrage gestellt. Wenn ich jetzt der Gegner der USA wäre, wäre ich absolut stinksauer. Es ist falsch in jeder Hinsicht."
Thierry Henry, ehemaliger französischer Nationalspieler, bei Fox Sports: "Ich glaube nicht, dass es eine Rote Karte war. Er hat das nicht mit Absicht getan. Aber für Belgien ändert die Entscheidung in der Vorbereitung alles. Die Entscheidung ist zwar richtig, aber warum kommt sie so spät?"
Graham Scott, langjähriger Schiedsrichter in der Premier League: "Als oberste Instanz des Spiels ist die FIFA buchstäblich ein Gesetz für sich selbst, und ihre jüngste Entscheidung, den US-Stürmer Folarin Balogun von einer Sperre zu verschonen, steht nicht im Einklang mit ihrem jüngsten Präzedenzfall."
Zlatan Ibrahimovic, ehemaliger schwedischer Nationalspieler, bei Fox Sports: "Ich freue mich für die USA. Sie hätten keine Rote Karte bekommen sollen. Ja, die Entscheidung hätte schneller kommen müssen. Aber ich freue mich für die USA. Das US-Team war fantastisch, aber 'Balo' war superfantastisch."
Gary Neville, ehemaliger englischer Nationalspieler, bei ITV: "Das ist absolut unzumutbar. Ich war nicht der Meinung, dass es eine Rote Karte war, und ich finde, es sollte ein Verfahren geben, das eine Aufhebung ermöglicht. Aber wenn es das nicht gibt und die FIFA dann aus heiterem Himmel einfach beschließt, einen Spieler weiter spielen zu lassen, dann sollten die Regeln für alle gleich sein. Ich wäre absolut außer mir, wenn ich Belgien wäre."
Donald Trump, US-Präsident: "Danke an die FIFA dafür, das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen!"
Nicholas McGeehan, Organisation FairSquare: "Die Regeln wurden eindeutig in einer Weise gebrochen, die den politischen Interessen des US-Präsidenten zugutekommt. Nationale Verbände und Politiker sollten Antworten von der FIFA fordern. Wenn das Gastgeberland seinen politischen Einfluss auf den FIFA-Präsidenten genutzt hat, um einen unfairen Vorteil zu erschaffen, wäre das ein skandalöser Verstoß gegen die Regeln und eine Manipulation des Wettbewerbs."