Das steckt wirklich hinter der Thiem-Krise

Dominic Thiem: "Ich muss jetzt einmal kurz nachdenken."
Dominic Thiem: "Ich muss jetzt einmal kurz nachdenken."Imago Images
Tennis-Ass Dominic Thiem legte einen Fehlstart in die Saison hin. "Ein Neustart ist nötig", sagt er selbst. Aber was steckt hinter seiner Krise?

In der Wüste ging Dominic Thiem der Saft aus. Nur einen Sieg holte er als Topgesetzter zuletzt bei den Turnieren in Doha und Dubai. "Ich spiele einfach nicht gut", sagt er. "Die letzten Wochen waren richtig schlecht." Das bestätigen die Statistikfüchse: Fünf Spiele gewann er 2021, vier verlor er. Schlechter startete der Niederösterreicher zuletzt 2015 in ein Tennis-Jahr. Da war Thiem aber noch ein anderer, hatte gerade den Sprung in die Top 50 geschafft. 

Thiem steckt in der Krise

Jetzt zählt Thiem zu den Besten der Besten, ist die Nummer vier der Welt - und steckt in der Krise. Es ist nicht seine größte. 2019 stellte er nach dem frühen Aus bei den Australian Open körperlich angeknockt daheim die Schläger ins Eck und wollte sie gar nicht mehr angreifen. Es war der Anfang vom Ende seiner Zusammenarbeit mit Günter Bresnik. Nach einer misslungenen Südamerika-Tournee zog er den Schlussstrich.

"Es ist nötig, einen Neustart zu machen" - Dominic Thiem

Und jetzt? "Ich muss jetzt einmal kurz nachdenken. Es ist nötig, einen Neustart zu machen", meint er nach nur vier Turnieren. Der 27-Jährige wirkt früh in der Saison körperlich und mental nicht auf der Höhe. Am Platz macht er zu viele Fehler von der Grundlinie, wirkt er kraftlos, zeigt er Schwächen beim Return. Einen einzigen Punkt machte er in Dubai bei 30 ersten Aufschlägen von Qualifikant Lloyd Harris.

Abseits des Platzes sprach Thiem zuletzt selbst an, dass er sich zu viel Druck mache. "Für mich hat sich seit den US Open sehr viel geändert. Das ist wohl immer so, wenn du das größte Ziel in deinem Leben erreicht hast", meinte er über die noch ungewohnte Rolle als Grand-Slam-Champion. Es sei "ein Prozess", wieder zurück "auf das Toplevel seines Spiels" zu kommen. "Ich bin in einer schwierigen Phase."

Thiem ist sensibel 

Vater Wolfgang Thiem nannte den Streit mit Mentor Bresnik als Mitgrund für das Australian-Open-Aus. Ein paar Wochen zuvor, wenige Tage vor Weihnachten 2020, wurde der rot-weiß-rote Tennisheld nach einer super Saison auf ServusTV als Siegertyp gefeiert, der wirklich alles ausblenden kann, wenn er einen Tennisplatz betritt. Die Heldenstory klang wunderbar, sie stimmte nur so nicht ganz. Thiem ist sensibel und natürlich belastete ihn ein anhängiges Gerichtsverfahren mit einer Person, die ihm eineinhalb Jahrzehnte nahe stand und ihn formte. Das für alle belastende Thema beendete das Team Thiem zuletzt mit einer Abschlagszahlung an Bresnik.  

"Massu ist ein wichtiger Teil im Erfolgspuzzle" - Wolfgang Thiem

Laut Thiems engstem Umfeld ist die aktuelle Krise eng mit dem Namen Nicolas Massu verbunden. Der Coach fiel Anfang des Jahres zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt mit einem positiven Coronatest aus. An jenem Tag, als Thiem in das Flugzeug nach Adelaide stieg, um sich nach harter körperlicher Vorbereitung den nötigen Tennis-Feinschliff zu holen. Thiems Vater Wolgang spang ein. Der sagt aber selbst zu "Heute": "Massu ist ein ganz wichtiger Teil im Erfolgspuzzle." Die Statistikfüchse widersprechen da nicht: 15:32 war Thiems Statistik gegen Top-10-Spieler vor Massu, 18:10 ist sie mit dem brüllenden Chilenen auf der Bank.

"Wir haben sofort wieder unsere Harmonie gefunden" - Dominic Thiem über Massu

Seit Mitte November hat Massu nicht mehr mit Thiem trainiert und gearbeitet. Man stelle sich einmal vor, Pep Guardiola dürfte so lange mit seinen Kickern keine Dreiecke bilden. Nach der ersten Einheit nach vier Monaten sagte Thiem: "Wir haben auf dem Court sofort wieder unsere Harmonie gefunden." Das gibt Hoffnung. Denn Massu hat Thiem besser gemacht - nicht nur, aber vor allem auf Hartplatz. Er hat das taktische Repertoire massiv erweitert und Feuer von außen reingebracht. 

Massu wurde wie der unumstrittene Physio-Profi Alex Stober aber noch von Bresnik verpflichtet. Solche wichtigen Entscheidungen für die notwendige Weiterentwicklung an der Weltspitze vermissen aktuell einige. Für Vater Thiem ist die Krise "eine Frage des fehlenden Selbstvertrauens". "Das wird wieder kommen", sagt er.  

Thiem selbst drückt jetzt einmal den Reset-Knopf. Für Miami sagte er ab. Er hat mit Selbstkritik zuletzt nicht gespart. "Ich beginne die Vorbereitung auf Sand." Mit Massu. Und mit Feuer.

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