Seit 2014 sind Reifendrucksensoren in der EU bei Neuwagen Pflicht. Sie sollen für Sicherheit sorgen, indem sie den Luftdruck in den Reifen überwachen und bei Problemen warnen. Doch genau diese Technik hat eine beunruhigende Schattenseite.
Ein Forschungsteam des IMDEA Networks Institute hat gemeinsam mit europäischen Partnern herausgefunden, dass die Sensoren Funksignale mit einer eindeutigen, völlig unverschlüsselten ID aussenden. Damit lassen sich einzelne Fahrzeuge identifizieren und verfolgen.
Wie computerwoche.de berichtet, konnten die Wissenschaftler mit nur fünf Empfängern, die jeweils rund 100 Dollar kosteten, über einen Zeitraum von zehn Wochen mehr als sechs Millionen Meldungen von rund 20.000 Fahrzeugen erfassen.
Da jeder Reifensensor eine feste ID besitzt, konnten die Forscher die Signale einzelnen Autos zuordnen. Laut der Studie lassen sich so potenziell sensible Informationen wie Anwesenheit, Fahrzeugtyp, Gewicht und Fahrverhalten auslesen. Auch ein Einsatz zur Massenüberwachung sei möglich.
Das Beunruhigende daran: Autofahrer haben keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Die Sensoren senden ständig und lassen sich nicht abschalten, da sie gesetzlich vorgeschrieben sind.
Die Entdeckung reiht sich in eine wachsende Liste von Datenschutzproblemen bei modernen Fahrzeugen ein. Experten warnen seit Jahren, dass Autos mit ihren Hunderten Sensoren immer mehr Daten sammeln und übermitteln, oft ohne dass die Besitzer davon wissen.
Dr. Yago Lizarribar von Armasuisse in der Schweiz forderte deshalb: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hersteller und Regulierungsbehörden den Schutz in zukünftigen Fahrzeugsensorsystemen verstärken müssen."
Bis dahin bleibt Autofahrern nur das Bewusstsein, dass ihr Fahrzeug jederzeit über die eigenen Reifen verraten kann, wo es sich befindet.