Der größte Haken am Fußballstar "FIFA 20"

"Nah dran an der Perfektion", lautet das "Heute"-Testurteil zum neuen "FIFA 20" von Electronic Arts. Ein Feature verhindert den vollständigen Glanz.

Mehr 1:1-Zweikämpfe, dynamischere Duelle, bessere Ballphysik, neue Schuss- und Jubel-Animationen und kein Steckenbleiben bei vorgegebenen Werten im Karriere-Modus: "FIFA 20" kann im "Heute"-Test durchaus überzeugen. Doch gerade im "Volta"-Storymodus des Spiels tun sich einige kleinere und ein doch etwas größerer Abgrund auf, der für viele Spieler unverständlich sein dürfte.

Doch werfen wir zuerst einen generellen Blick auf "Volta". Es ist ein willkommenes Zuckerl für jene, die Hallenfußball und Straßenkicks in "FIFA" schmerzlich vermisst haben. Nicht nur treten drei gegen drei, vier gegen vier oder fünf gegen fünf Kicker in den rasanten Matches gegeneinander in Arenen und Hinterhöfen in 17 Umgebungen auf der ganzen Welt gegeneinander an, auch liegt der Fokus stärker auf Tricks und Können als auf Taktik und Teamplay.

Für den Modus können sich Zocker auch ihre ganz eigenen virtuellen Kicker mit Geschlecht, Kleidung, Kopfbedeckung und sogar Tätowierungen sowie Können bauen und später Skillpunkte selbst verteilen, auch dreht sich eine nett entwickelte Geschichte um den jeweiligen Charakter. Die Atmosphäre ist stimmig: Ferserl, Tore und Volleyschüsse werden passend mit dem Smartphone von den Fans gefilmt, aus den Boxen am Spielfeldrand dröhnt Hip-Hop und Rap.

Die Rückkehr einer Legende

Eine solche Abwechslung vom klassischen Feldfußball bot die Fußballserie seit den legendären Hallenturnieren in "FIFA 98" nicht mehr. Technisch ist der neue Modus natürlich nicht mit den Möglichkeiten der 98er-Version vergleichbar. War es damals eben Fußball in der Halle statt am Feld und gerade einmal die Bande eine der wenigen Unterschiede, entdeckt man in "FIFA 20" etwa auf den Hausdächern beim Kicken immer wieder neue Spielzüge.

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Auch Profi muss man für "Volta" nicht sein. Hat man im 11-gegen-11 gegen "FIFA"-Experten kaum Chancen, überrumpeln Tricks von Anfängern am Kleinfeld schon mal den einen oder anderen eingefleischten Könner. Auch für eine Runde mit Freunden am Sofa ist "Volta" weit lustiger und abwechslungsreicher als es jedes Rasenturnier in "FIFA" jemals war.

Einige kleine und eine große Schwäche

Weiter leidet der Storymodus aber unter fehlender Abwechslung. Zwar verfolgt man auch hier in tollen Videosequenzen die Karriere des eigenen Spielers, Einfluss nahmen kann man darauf aber nicht. Verliert unsere Figur etwa ein Match, geht die Story nicht weiter und zeigt die Auswirkungen der Niederlage, sondern spielt solange den gleichen kurzen Clip ein, bis man das Match schlussendlich gewonnen hat. Warum einen Kicker nicht auch mal scheitern sehen?

Weiter geht es mit der Persönlichkeit der Straßenkicker. Electronic Arts war hier etwas zu sehr bemüht, eine Art "Straßenjargon" in die Sprachausgabe zu bringen. Zwar ist die Story spannend und die Dialoge verzichten auch nicht auf Witz. Hunderte "cool", "krass" und "das hat Style" nerven aber mit Fortdauer des Kicks einfach nur gewaltig. Auch die "Fortnite"-ähnlichen Siegesmoves bergen Potenzial für Ärger. Überladen wirkt zudem die Auswahl an Unterkategorien, in denen Tore mehr als einen Punkt zählen oder sich Kicker deutlich schneller bewegen. Hier gibt es zu viel Zufall, als dass eine Partie Spaß machen würde.

Warum nur online?

Der größte Kritikpunkt ist allerdings der Onlinezwang von "Volta". Zwar lassen sich Spiele entweder offline gegen Freunde oder online gegen menschliche Gegner zocken, der "Volta"-Storymodus startet allerdings nur, wenn eine Verbindung zum Internet hergestellt wird. Seltsam, denn als Einzelspieler könnte man die ganze Handlung eigentlich gegen computergesteuerte Teams bestreiten.

Ebenso seltsam: Gegen menschliche Spieler wird der Gegner per Zufall bestimmt, ein gezieltes Online-Match mit Freunden ist (bisher) nicht möglich, außer man verbindet sich mit dem FIFA Ultimate Team Modus und die zugehörige App. Der Ultimate Team Modus ist auch FIFAs Einnahmequelle, denn hier sollen Spieler möglichst Geld ausgeben, um sich starke Spieler und überragende Mannschaften einzukaufen.

Überragend und trotzdem fragwürdig

Klar, "FIFA 20" ist das beste "FIFA" seit Jahren und absolut überragend. Vor allem die neue Ballführung und die Schussmechanik begeistern. Bei Kulisse, Sound und Grafik kommt sowieso kaum jemand an die "Sports"-Titel von Electronic Arts ran. Doch muss auch Platz für Kritik sein. Gerade wenn es um einen Onlinezwang und einen deutlich Wink Richtung Ingame-Einkäufen geht.

"FIFA 20" bleibt der Meister der Fußballspiele-Liga. Schön wäre es allerdings, wenn Online-Spieler nicht mit jeder Gelegenheit auf die "Pay2Win"-Möglichkeiten des Spiels gestoßen werden – und Offline-Spieler Zugriff auf alle Inhalte der Online-Zocker hätten. Vor allem auf jene, bei denen der Online-Zwang einfach unverständlich ist. Und wenn schon online, dann bitte auch mit der Möglichkeit, gegen Freunde und nicht nur Fremde spielen zu können, ohne Umwege zu gehen.

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