Bestseller-Gigant John Grisham sorgt wieder für Wirbel – und überrascht seine Fans diesmal mit einem echten Genre-Wechsel. "Ich habe Krimis schon immer geliebt", schreibt er in seinem aktuellen Newsletter, "und wollte schon lange eine Geschichte schreiben, in der die Rollen vertauscht sind."
Mit seinem neuen Roman "Das Vermächtnis" (Heyne Verlag) legt der 71-Jährige erstmals einen klassischen "Whodunit" vor. Heißt: viele Verdächtige, raffinierte Wendungen und ein Täter, der bis zuletzt im Dunkeln bleibt.
Im Zentrum steht der angeschlagene Anwalt Simon Latch. Finanzielle Sorgen, Ehekrise und eine wachsende Spielsucht haben ihn fest im Griff. Da wirkt der Auftrag einer älteren Witwe zunächst wie ein Glücksfall. Ein neues Testament soll aufgesetzt werden – scheinbar Routine.
Doch schnell zeigt sich: Hinter dem Vermögen von Eleanor Barnett steckt mehr als gedacht. Als die Frau nach einem mysteriösen Unfall stirbt und plötzlich Hinweise auf Gift auftauchen, kippt die Situation komplett. Aus dem Anwalt wird über Nacht der Hauptverdächtige – und sein Leben zerbricht in Sekunden.
Genau hier spielt Grisham seine ganze Stärke aus. Während ein aufsehenerregender Prozess beginnt, zeigt er einmal mehr die Schattenseiten des Justizsystems: Ermittlungen mit Lücken, eine voreingenommene Jury und Machtspiele im Gerichtssaal.
Doch "Das Vermächtnis" geht noch weiter. Nach dem Prozess beginnt für Latch ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit. Um seine Haut zu retten, muss er selbst zum Ermittler werden – und den wahren Täter finden. Dabei tauchen immer neue Verdächtige auf, jeder mit eigenem Motiv. Selbst das Opfer wirkt plötzlich alles andere als unschuldig.
Grisham führt seine Leser gekonnt durch ein Netz aus Lügen, falschen Fährten und überraschenden Twists. Die Figuren sind vielschichtig, die Story packend – doch ausgerechnet beim Ende scheiden sich die Geister.
Denn genau hier sehen Kritiker den größten Schwachpunkt: Das Finale kommt zwar unerwartet, wird aber als enttäuschend, beliebig und wenig inspiriert beschrieben. Viele hätten sich von einem Autor dieses Kalibers einen deutlich stärkeren Schlussakkord erhofft.
Trotz Kritik bleibt John Grisham ein Phänomen. Seit seinem Durchbruch mit "Die Jury" im Jahr 1989 liefert er regelmäßig Bestseller aus der Welt der Justiz. Über 300 Millionen verkaufte Bücher sprechen eine klare Sprache.
Ob "Die Firma", "Die Akte" oder die Serie "The Rainmaker" – seine Geschichten begeistern Millionen. In den letzten Jahren widmet sich Grisham dabei immer stärker gesellschaftlichen Missständen.
Mit "Das Vermächtnis" beweist er erneut seinen Mut zur Veränderung. Auch wenn nicht jeder Twist zündet: Für Gesprächsstoff sorgt dieser Roman garantiert.