Corona-Hilfe für Betriebe – einige machten sogar Gewinn

4,3 Milliarden Euro an Hilfsgeldern hat die Regierung an die Unternehmen ausgeschüttet.
4,3 Milliarden Euro an Hilfsgeldern hat die Regierung an die Unternehmen ausgeschüttet.Wolfgang Filser / SZ-Photo / picturedesk.com
Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz, Ausfallsbonus: Milliarden sind in die heimische Betriebe geflossen. Einige hätten das aber nicht notwendig gehabt.

Die Pandemie hat viele Unternehmen hart getroffen. Ganz nach dem Motto der Regierung – "koste es, was es wolle" – wurden dementsprechend Fördergelder in Milliardenhöhe ausgezahlt, um die Schäden für die heimische Wirtschaft abzufedern. Während zahlreiche Betriebe bis heute ums Überleben kämpfen und die Hilfsgelder dringend nötig haben, sollen einige Unternehmen sogar von den Lockdowns und den damit verbundenen Ausgleichszahlungen profitiert haben.

Das geht aus Analysen des linksliberalen Momentum Instituts hervor, das die Transparenzdatenbank der EU analysiert hat. Ganze 4,3 Milliarden Euro an Hilfen von Beginn der Pandemie bis April 2021 ausgeschüttet. In der Liste enthalten: Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz, Ausfallsbonus und Verlustersatz – sowie ausschließlich Unternehmen, die mindestens 100.000 Euro aus den Fördertöpfen ergattern konnten. Das meiste Geld floss in die Taschen der AUA. Sie hat 420 Millionen Euro an Geldern erhalten.

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Massive Überförderung in Hotellerie und Gastronomie

Stichproben von 502 Unternehmen aus der Gastronomieund der Hotelleriehaben gezeigt, dass 367 Betriebe im Jahr 2020 einen Gewinn erzielen konnten. 265 davon konnten ihr Ergebnis verglichen mit 2019 sogar steigern. Es sind also Gelder ausgezahlt worden sein, die diese Unternehmen gar nicht gebraucht hätten. Zum Vorteil der privaten Eigentümer.

106 Millionen Euro an Gewinnen sollen die rund 370 Betriebe zusammen gemacht haben – Geld, das fast ausschließlich aus den Fördertöpfen stammt. Durchschnittlich soll jedes Unternehmen, das 2020 mit einem Gewinn aussteigen konnte, mit 185.000 Euro überfördert worden sein, rechnet das Momentum Institut vor.

Einige Unternehmen stiegen nach der Krise besser aus, als davor.
Einige Unternehmen stiegen nach der Krise besser aus, als davor.EU-Beihilfentransparenzdatenbank / Momentum Institut

Elektrohändler und Möbelketten steigen mit deutlichem Plus

Deutliche Unterschiede gibt es im Handel. Besonders hart hat die Pandemie die Modeindustrie getroffen. Sie macht seit Beginn starke Verluste. Die Hilfszahlungen wurden von Anfang an dringend gebraucht, um Verluste abzudecken. Das habe in vielen Fällen nicht einmal ausgereicht.

Ganz anders sieht es bei Elektrohändlern und Möbelketten aus. Sie konnten durch die zahlreichen Förderungen fette Gewinne abkassieren. "Nehmen wir zum Beispiel eine große Elektronikkette. Die ist so organisiert, dass jede Filiale in Österreich eine eigene GmbH hat und daher bekomme ich auch für jede Filiale den vollen Betrag. Und da komme ich natürlich auch wieder auf entsprechende Millionenzahlungen“, erklärt Senior Economist Oliver Picek gegenüber dem Ö1 Morgenjournal.

Sondersteuer für dicke Fische

Die Experten des Momentum Instituts fordern jetzt eine Sondersteuerfür all jene Betriebe, die ihren Gewinn mit Hilfe der Fördergelder aufbessern konnten. Laut der staatlichen Finanzierungsagentur COFAG sollen einzelne Unternehmen bereits Geld zurückgezahlt haben. Die Behörde wolle die Fördervergaben heuer jedenfalls genau prüfen.

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