Politik

Deutsch und Farsi – AMS-Lehre jetzt zweisprachig

Asylberechtigte aus Afghanistan und dem Iran absolvieren in Wien eine zweisprachige Gastro-Lehre. "Heute" war zu Besuch.

Arbeitsminister Martin Kocher beim Teekränzchen mit AMS-Wien-Chefin Petra Draxl.
Arbeitsminister Martin Kocher beim Teekränzchen mit AMS-Wien-Chefin Petra Draxl.
Helmut Graf

In einem Pilotprojekt des AMS Wien werden derzeit 14 Asylberechtigte in einem bilingualen Kurs (Deutsch und Farsi) zu Systemgastronomie-Fachkräften mit Lehrabschluss ausgebildet.

Am Montag besuchte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) die Klasse im Schulungszentrum von Weidinger & Partner in Wien-Landstraße. Bevor reichlich persischer Chai ausgeschenkt und der begeisterte Minister zum ("Tee")-Kocher wurde, stellte er sich den "Heute"-Fragen (Video unten).

"Finden Job in Wien oder woanders"

Das Projekt nimmt die zwei großen Hindernisse für die Integration am Arbeitsmarkt, fehlende Sprachkenntnisse und mangelnde Ausbildung, in Angriff. "Wir haben in Österreich derzeit 5.200 Asylberechtigte aus Afghanistan und 1.200 aus dem Iran, die alleine beim AMS Wien vorgemerkt sind. Es wird in Bereichen ausgebildet, die einen großen Mangel an Arbeitskräften in Österreich aufweisen", sagt Kocher und verweist auf eine andere AMS-Statistik: Österreichweit gebe es derzeit bei den Gastronomiebetrieben 6.400 offene Stellen, 1.000 davon allein in Wien.

Angesprochen auf den massiven Personalmangel in Westen des Landes, stellt er klar: "Überregionale Vermittlung ist eine große Herausforderung. Wir haben heute von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehört, dass sie teilweise schon in anderen Bundesländern gearbeitet haben. Absolventinnen und Absolventen dieses Lehrgangs werden relativ rasch in Wien oder woanders einen Job finden."

Job-Quote "70 bis 80 Prozent"

"Am Anfang mussten wir den Teilnehmern erklären, dass es die Möglichkeit überhaupt gibt. Erst als sich das durchgesprochen hat und die Plätze voll waren, ist der Andrang immer größer geworden", so die Landesgeschäftsführerin des AMS Wien, Petra Draxl, im Gespräch mit "Heute".

Wegen der vereinfachten Sprach-Voraussetzung (A2-Niveau) wurde die Ausbildung von 78 auf 90 Wochen verlängert. Für Systemgastronomie entschied man sich, weil man dafür einen muttersprachlichen Trainer habe. Die Schulungsteilnehmer erhalten zur bedarfsorientieren Mindestsicherung (930 Euro im Monat) einen zusätzlichen Ausbildungsbonus. Im nächsten Jahr ist auch eine bilinguale Ausbildung auf Arabisch für Gebäude- und Installationstechnik geplant.

"Deutsch ist nicht unsere Muttersprache, manche Wörter sind für uns wirklich schwer. Zum Glück haben wir unseren Trainer, der Farsi spricht und uns alles erklärt, bis wir das Thema verstanden haben", erzählt Lehrling Ahmed. Der besagte Coach Siamak Seidi prognostiziert "Heute", dass "schätzungsweise zwischen 70 und 80 Prozent Jobs finden werden".