Digitale Souveränität

Deutsche Ministerien von US-Software abhängig

Eine Umfrage zeigt: Fast alle deutschen Ministerien nutzen vor allem amerikanische Software - bei Browsern, Suchmaschinen und Social Media.
Technik Heute
26.02.2026, 15:23
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98 Prozent aller deutschen Ministerien haben Microsoft Edge als Browser vorinstalliert. Daneben wird häufig auch Google Chrome, Apple Safari oder Mozilla Firefox angeboten. Bei Suchmaschinen sieht es nicht besser aus: Nur 24 Prozent der befragten Behörden setzen auf eine europäische Suchmaschine.

Die Berliner Suchmaschine Ecosia hat für die Erhebung 147 Bundes- und Landesministerien im Dezember 2025 über das Informationsfreiheitsgesetz befragt. Rund zwei Drittel antworteten inhaltlich, etwa 20 Prozent verweigerten die Auskunft, rund 10 Prozent reagierten gar nicht.

Wie heise.de berichtet, zeigt sich auch bei Social Media ein ähnliches Bild: 97 Prozent der untersuchten Ministerien sind auf Instagram vertreten, 77 Prozent auf Facebook und 58 Prozent noch auf X. Auf dem europäischen Netzwerk Mastodon sind hingegen nur 17 Prozent aktiv.

Lichtblick bei künstlicher Intelligenz

Etwas positiver fällt der Befund bei KI-Anwendungen aus. Rund 40 Prozent der antwortenden Ministerien setzen auf europäische KI-Lösungen wie das Hamburger LLMoin oder das Freiburger Open-Source-Projekt F13. Viele deaktivieren zudem aktiv Microsofts Copilot im Browser.

Echte Alternativen fehlen

Das grundlegende Problem: Selbst wenn Ministerien zu europäischen Suchmaschinen wechseln würden, bliebe die Abhängigkeit bestehen. Denn fast alle alternativen Suchdienste - darunter auch Ecosia selbst - beziehen ihre Ergebnisse von US-Diensten. Ecosia baut zwar gemeinsam mit dem französischen Unternehmen Qwant einen eigenen Index auf, dieser liefert aber bisher nur Ergebnisse für französischsprachige Inhalte.

Auch bei Browsern gibt es keine echte europäische Lösung. Microsoft Edge und Google Chrome basieren beide auf Googles Chromium-Projekt. Mozilla Firefox ist zwar unabhängig davon, wird aber von der US-amerikanischen Mozilla Foundation betrieben, die sich großteils durch einen Lizenzvertrag mit Google finanziert. Auf der Ebene der Browser-Engines gibt es weltweit nur drei relevante Projekte - und keines davon stammt aus Europa.

Ecosia hat die Studie freilich mit Eigeninteresse erstellt und lädt nun alle Ministerien ein, für die Suche auf Ecosia zu wechseln. Gemeinsam mit Mastodon schlägt das Unternehmen zudem eine "Mastodon First"-Strategie vor: Ministerien sollen ihre Posts 24 Stunden exklusiv auf Mastodon veröffentlichen, bevor sie auf anderen Plattformen erscheinen.

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