Das deutsche Nationalteam ist bereit für die Weltmeisterschaft – das stellte die DFB-Elf mit ihrem deutlichen 4:0-Sieg gegen Finnland im vorletzten Testspiel vor der WM-Endrunde eindrucksvoll unter Beweis. Zum Mann des Spiels wurde Stuttgarts Star-Stürmer Deniz Undav. Der Angreifer (34., 57.) erzielte das erste und dritte Tor selbst und legte den zweiten Treffer für Liverpool-Mann Florian Wirtz (48.) auf. Den Endstand besiegelte Bayerns Jamal Musiala (63.).
Und: Julian Nagelsmann gewann bei seinem großen Alternativen-Test die Gewissheit, dass es auch ohne Säulen wie Manuel Neuer und Kai Havertz geht. Dennoch lief 14 Tage vor dem WM-Start in Houston gegen Curacao gerade in der ersten Halbzeit nicht alles rund. Die deutliche Leistungssteigerung im zweiten Durchgang machte aber bereits Lust mehr, vor allem Jungstar Lennart Karl nutzte seine Chance.
Nagelsmann hatte für den letzten WM-Test auf deutschem Boden einigen Spielern eine Bewährungschance gegeben. Der Dortmunder Felix Nmecha begann im Mittelfeld an der Seite des gesetzten Aleksandar Pavlovic, der Münchner Karl durfte vorne rechts beginnen, zudem erhielt Brown den Vorzug gegenüber David Raum. Undav vergab eine erste gute Chance (8.), als er im Strafraum den Ball nicht richtig traf. Wirtz und Nathaniel Brown, der etwas überraschend auf der linken Abwehrseite begann, hatten sich sehenswert nach vorne kombiniert.
Dem guten Beginn ließ Deutschland jedoch etliche Minuten Leerlauf folgen. Das Team fand kaum Lücken und spielte nach vorne behäbig. Die Fans beobachteten das Spiel dennoch äußerst wohlwollend. Der degradierte Torhüter Oliver Baumann, der für den an der Wade verletzten Rückkehrer Neuer begann, erhielt bei seinem ersten Ballkontakt viel Applaus und wurde in der Schlussphase mit Sprechchören bedacht.
Doch vorerst sprang der Funke nicht über. Letztlich musste ein Standard helfen: Karl führte einen Eckstoß kurz aus, die Abwehr der Finnen war unsortiert - und so durfte Undav eine Flanke von Joshua Kimmich per Kopf versenken. Überhaupt punktete Karl auf der rechten Seite: Der 18-Jährige spielte ähnlich locker und unbekümmert wie im Verein. In einem zähen ersten Durchgang war er ein Lichtblick. Mit seiner Mannschaft war Nagelsmann sichtlich unzufrieden, griff mehrfach korrigierend ein.
Doch nach der Pause nahm Deutschland Schwung auf. Undav erkämpfte den Ball im finnischen Strafraum und bediente Wirtz per Grätsche, wenig später erhöhte er nach einem Konter - herrlich eingesetzt von Karl. Doch bei der Aktion verletzte sich Undav. Die DFB-Elf ließ sich davon nicht beirren: Musiala sorgte dafür, dass die Mannschaft am Dienstag mit einem guten Gefühl in Frankfurt abheben wird. Am 6. Juni findet in Chicago die WM-Generalprobe gegen Co-Gastgeber USA statt. Ob Neuer dann im Tor stehen wird, ist offen.