"Wir", sagte Bayern-Star Harry Kane, "haben vor niemandem Angst." Nicht einmal vor dem Champions-League-Rekordsieger Real Madrid, wie Kane in der Nacht auf Donnerstag versicherte. Der englische Star-Goalgetter, der beim 4:1 gegen Atalanta Bergamo einen Doppelpack schnürte, nun bei 50 "Königsliga"-Toren hält, dafür 66 Spiele brauchte, brennt auf das Duell, will die Revanche.
"Diese Nacht", sagte Kane mit Blick auf das unglückliche Halbfinal-Aus 2024 gegen Real, "war wirklich schwer zu verkraften, wir waren so nah dran am Finale." Doch wie schon in den Halbfinals 2014 und 2018 sowie im Viertelfinale 2017 hieß es: Endstation Madrid. Waren die Münchner einst die "Bestia Negra" für Real, ist Madrid längst zum Angstgegner der Bayern geworden. Keines der jüngsten neun Spiele wurde gewonnen, der letzte Sieg gelang vor 14 Jahren.
Jetzt aber, betonte Sportvorstand Max Eberl vor dem ewig jungen Gigantentreffen, sei es "Zeit, dass sich die Statistik mal ändert". Vorstandschef Jan-Christian Dreesen sieht für das "epische Duell" mit dem Hinspiel am 7. April im Santiago Bernabéu und dem Rückspiel am 15. April in München "keinen Favoriten". Doch das Achtelfinale mit den souveränen Erfolgen gegen Dortmund-Schreck Atalanta Bergamo (6:1, 4:1) schaffe "eine Menge Vertrauen".
Vincent Kompany fürchtet allerdings das besondere Champions-League-Gen der Spanier. "Bei Real Madrid ist es immer so: Wenn das Niveau höher wird, werden sie auch besser", sagte der Trainer. Tatsächlich spielen die Königlichen keine berauschende Saison, sie liegen in der Liga vier Punkte hinter ihrem Erzrivalen FC Barcelona, schieden im Pokal gegen den Zweitligisten Albacete aus und trennten sich von Coach Xabi Alonso. Doch wenn die Königsklassen-Hymne ertönt, sind Kylian Mbappé und Vinicius Junior da, wie im Viertelfinale gegen Manchester City (3:0, 2:1).
"Es wird ein hartes Spiel", schwante Kane, der im Rückspiel gegen Atalanta mit seinen Toren Nummer 49 und 50 in der Champions League früh die letzten winzigen Zweifel zerstreut hatte: "Real hat über die Jahre hinweg bewiesen, wie schwer sie zu bespielen sind." Wie 2024, als die Bayern nah dran waren, Madrid doch mal zu knacken.
Damals, erinnerten sich die Münchner, war neben der einen oder anderen strittigen Schiedsrichter-Entscheidung auch der eigene körperliche Zustand ausschlaggebend. "Das war genau der Casus knacksus", sagte Eberl, "das hat uns sehr, sehr weh getan." Kane hatte Rückenprobleme, andere Stars waren angeschlagen. "Jetzt", meinte der Torjäger, "sind wir in besserer Verfassung."
Damit das so bleibt, schont Kompany Kräfte, wo er kann. Gegen Atalanta kamen die Youngster Deniz Ofli (18) und Filip Pavic (16) zu Profidebüts, Letzterer als jüngster Münchner überhaupt in der Champions League. Aus demselben Grund haben die Bayern mit Julian Nagelsmann verabredet, dass er beim Länderspielstart ins WM-Jahr auf Jamal Musiala verzichten wird.
"Diese Pause", sagte Dreesen über den lange verletzten Ballzauberer, der wieder Sprunggelenksprobleme hat, "tut ihm jetzt gut. Ich bin sicher, dass wir mit ihm noch rechnen können - hoffentlich dann auch im Halbfinale." Nach dem erträumten Sieg über die "Bestie" Real.