"Pass mir auf Rapid auf", sagte Michael Krammer 2019, als er das Amt des Rapid-Präsidenten nach sechs titellosen Jahren an Nachfolger Martin Bruckner abgab. Wenige Monate vor Ablauf dessen erster Amtszeit fällt die Zwischenbilanz gelinde gesagt dürftig aus. Der sportliche Abwärtstrend setzt sich fort.
Auf einen Titel warten die Hütteldorfer mittlerweile seit 14 Jahren. Der magere Saisonstart macht Fans wenig Hoffnung, dass sich das in absehbarer Zeit ändern könnte. Die Rückholaktion von Stürmer-Star Guido Burgstaller und die Verpflichtung von Rieds Offensiv-Wirbelwind Ante Bajic sorgte bei den Anhängern im Sommer noch für Jubelstimmung. Vier erzielte Tore aus den ersten vier Saisonspielen, ein minimalistisches 1:0 im Cup gegen Viertligist Treibach, schließlich das blamable Aus gegen Vaduz – der Jubel ist verklungen.
Das Ausscheiden im Play-off zur Conference League bringt den Klub nicht nur um drei Millionen Euro Antrittsprämie. Die Stimmung kippt. Im mit 15.100 Fans besetzten Allianz Stadion kam es nach dem 0:1 im Rückspiel gegen den Schweizer Zweitligisten zu Ausschreitungen. Fans des Block West versuchten die VIP-Tribüne zu stürmen (siehe Bildergalerie oben).
Was ins Auge stach: Ultras stellten die Klub-Spitze zur Rede. Das ist neu. Schließlich setzte sich Bruckner vor allem durch ihre Unterstützung 2019 knapp gegen Roland Schmid durch.
Die historische Schmach gegen Vaduz ist nicht das einzige sportliche Negativ-Highlight seiner Ära. Aber wohl die markanteste.
Im Hinspiel legte Rapid eine desaströse erste Hälfte hin, geriet mit 0:1 in Rückstand. Dabei hatten die Österreicher noch Glück. Das vermeintliche 2:0 zählte nicht – zu Unrecht, der Ball war hinter der Linie. Nach dem Seitenwechsel rettete Ferdi Druijf mit dem 1:1 ein Unentschieden. Rapid kassierte aber ein weiteres Gegentor, das wohl fälschlicherweise wegen Abseits aberkannt wurde.
Dementsprechend sauer waren die Fans, plakatierten am Donnerstag vor dem Anpfiff, dass wie eine "Wiedergutmachung" fordern – die geplante Choreo hätten sie deswegen abgesagt. Was folgte, waren 90 nicht minder desaströse Minuten. Patrick Greil ließ in der Anfangsphase eine Großchance liegen. In weiterer Folge war aber Vaduz erneut das gefährlichere Team, ging in Führung. Dann sah Kevin Wimmer Rot. Das Unheil nahm seinen Lauf.
Vaduz ist das erste Liechtensteiner Team in einer europäischen Gruppenphase. Möglich gemacht hat das Grün-Weiß.
2019 verpassten die Hütteldorfer den Einzug in die Meisterrunde. Der bisherige Tiefpunkt in der Liga. Die Wiener strauchelten, drohten zwischenzeitlich gar in den Abstiegskampf involviert zu werden. Wenige Pünktchen trennten sie von der Roten Laterne.
Für die Fans, die sich nach einem Titelkampf mit den Salzburgern sehnten, ein Schlag in die Magengrube. Mehrere Vizemeistertitel wurden für viele als zu wenig erachtet. Nach der Ligareform fand sich der Rekordmeister stattdessen in der unteren Tabellenhälfte wieder.
In den vergangenen Saisonen schaffte es Rapid wieder nach oben. In der abgelaufenen Spielzeit verspielten die Hütteldorfer in der Meistergruppe aber noch den sicher geglaubten dritten Platz, wurden Fünfter.
Trauriger Meilenstein: Das 2:7-Heimdebakel im Allianz Stadion. Am 24. Juni 2020 wurde Rapid vom österreichischen Serienmeister nach allen Regeln der Kunst vorgeführt.
Noch nie in der Bundesliga-Geschichte hatten die Wiener so hoch verloren.
Und, wie eingangs erwähnt: Rapid ist seit 2008 ohne Trophäe. Das legendäre 7:0 von Rapid in Salzburg ist übrigens ebenso lange her wie der letzte Titel. Krammer, der das Zepter an den von ihm auserkorenen Nachfolger weitergab, zeichnete für die historische 1:6-Derbyniederlage gegen die Austria mitverantwortlich. Bruckner war Teil des Krammer-Präsidiums, führt seinen Weg fort.
Die Fans werden ungeduldig. Mittlerweile auch die Ultras mit der Klubführung.