Dieser Wirkstoff verhindert schwere Corona-Verläufe

Der in vielen Asthma-Sprays enthaltene Wirkstoff Budesonid könnte Druck aus der Pandemie nehmen.
Der in vielen Asthma-Sprays enthaltene Wirkstoff Budesonid könnte Druck aus der Pandemie nehmen.ALEX HALADA / picturedesk.com
Forscher haben einen Wirkstoff identifiziert, mit dem milde Corona-Verläufe abgekürzt und schwere Verläufe um bis zu 90 Prozent verhindert werden.

Vitamin D, Echinacea oder das weniger bekannte Colchicin? Oder vielleicht doch einfaches Gurgeln? In den letzten Monaten wurden schon so manche Präparate und Hausmittel zur Vorbeugung und Behandlung gegen das Coronavirus gepriesen. Doch als Lösung in der Pandemie hat sich bislang noch keines erwiesen.

Doch es scheint als sei ein solches nun gefunden, wie Forschende der University of Oxford berichten: Ihren Untersuchungen zufolge lassen sich mit Asthmasprays, die auf dem Wirkstoff Budesonid basieren, nicht nur milde Covid-19-Verläufe um einen Tag verkürzen, sondern auch die Häufigkeit von schweren Verläufen um 90 Prozent senken. Dafür reichten schon zwei Sprühstöße täglich aus.

"Das wäre sehr bedeutsam!"

Bislang wurden die Daten nur auf dem Preprint-Server MedRxiv publiziert. Doch die Hoffnungen sind bereits groß: "Wenn sich diese Studie bestätigen sollte wäre das sehr bedeutsam!", twitterte sogar Karl Lauterbach. Der Mediziner, der für die SPD im Deutschen Bundestag sitzt, ist in der aktuellen Pandemie eigentlich als Mahner und für seine Vorsicht bekannt. Er bezeichnet das Ergebnis der Arbeit als "plausibel".

Die Bestätigung der Erkenntnisse würde Georg-Christian Funk gar nicht erst abwarten. Denn Budesonid-haltige Sprays seien "günstig, ungefährlich und wirksam", erklärte der Lungenfacharzt von der Klinik Ottakring gegenüber der "Presse". Zudem habe nicht nur die damit behandelte Person etwas davon. Auch das Gesundheitssystem profitiere, "da der Bedarf an Spitalbehandlungen um 90 Prozent reduziert" würde.

Lang erprobter Wirkstoff

Tatsächlich ist Budesonid schon lange im Einsatz: Normalerweise wird der zur Wirkstoffgruppe der Kortisone (Steroidhormone) zählende Wirkstoff zur Therapie von Heuschnupfen, Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale und COPD sowie im Ausland auch gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn verschrieben. Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind entsprechend bekannt.

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Künftig könnte es auch bei an Corona Erkrankten das Leiden lindern. Darauf deutet die von Mona Bafadhel und ihren Kollegen durchgeführte "Steroids in Covid-19"-Studie hin, an der 146 Patienten teilnahmen. Die Hälfte der Teilnehmer bekam über 28 Tage lang zweimal täglich einen Sprühstoß Budesonid verabreicht, die andere Hälfte wurde normal behandelt.

Es zeigte sich, dass Spitalaufenthalte in bis zu 90 Prozent der Fälle verhindert werden konnte. Auch die typischen Corona-Symptome wie Fieber klangen schneller ab als bei den nicht mit Budesonid behandelten Patienten.

Wichtig sei aber, das betonen Hochschule und Forschende, dass die Behandlung innerhalb der ersten sieben Tage nach Auftreten der ersten Symptome erfolge.

Druck aus der Pandemie nehmen

Bestätigen sich die Erkenntnisse wären sie von großer Bedeutung. Denn mit Impfstoffen allein lässt sich das Coronavirus nicht in den Griff bekommen – vor allem nicht so schnell. "Es wird einige Zeit dauern, bis sie alle Menschen auf der Welt erreichen", sagt auch Bafadhel.

Ein Wirkstoff wie Budesonid käme da wie gerufen: "Ich bin erfreut darüber, dass ein relativ sicheres, weithin verfügbares und gut untersuchtes Medikament wie ein inhalatives Steroid einen Einfluss auf den Druck haben könnte, den wir während der Pandemie erfahren."

Erst kürzlich haben deutsche Forschende einen kleinen Durchbruch vermeldet: Das Team um Andreas Dräger von der Eberhard Karls Universität Tübingen berichtete im Fachjournal "Bioinformatics", dass es ihnen gelungen sei, mittels eines Computermodells eine Schwachstelle des Virus auszumachen, an der ein Medikament gegen Covid-19 ansetzen könnte: das Enzym Guanylatkinase 1 (GK1). Dies gelte sowohl für Präparate, die noch entwickelt werden, als auch für bereits existierende Arzneimittel.

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