Dieses Game soll Jugendlichen bei Depressionen helfen

"Shadow’s Edge" ist ein mobiles Spiel für Kinder und Jugendliche, um besser mit schwierigen Situationen umgehen zu können.

Anfang Jahr zeigte eine Studie, dass fast 30 Prozent aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 24 Jahren augenblicklich von schweren depressiven Symptomen geplagt werden. Durch die anhaltende globale Pandemie steigt der psychische Stress immer weiter an und führt bei vielen Personen zu Depressionen, Angstzuständen und weiteren psychischen Belastungen.

"Aber auch schon vor der Pandemie kämpften viele junge Personen allein mit solchen Problemen", sagt Gameproduzentin und Autorin Rosemary Lokhorst. "Daraus ist bei uns das Bedürfnis entstanden, ein mobiles Spiel zu entwickeln, das Kindern und Jugendlichen in schwierigen Situationen helfen kann, sich besser zu fühlen oder sich selbst besser zu verstehen."

Entstanden ist die Idee vor rund fünf Jahren in den USA. "Meine Freundin Sheri Brisson ist damit auf mich zugekommen. Als sie selbst 20 Jahre alt war, wurde bei ihr ein Gehirntumor diagnostiziert. Dabei hat sie die Erfahrung gemacht, dass sie medizinisch gut betreut wurde, aber mit ihren Emotionen wusste sie oft nicht umzugehen. Daher hat sie 25 Jahre später ein Selbsthilfebuch für junge Menschen geschrieben."

Rosemary Lokhorst ist die Entwicklerin des Spiels.
Rosemary Lokhorst ist die Entwicklerin des Spiels.

Kreativität und Emotion ausleben

Trotz positivem Feedback auf das Buch sei Brisson aber bald klar geworden, dass sie damit nicht genügend Personen erreichen kann. Denn es ist schwierig, Kinder oder Jugendliche zur Lektüre eines Selbsthilfebuchs zu bringen. "Hier kam ich ins Spiel. Ich habe Human Interaction Designerin Kevyn Eva Norton miteinbezogen und gemeinsam haben wir das mobile Game 'Shadow’s Edge' entwickelt." Darin nimmt der Spieler oder die Spielerin die Rolle eines Besuchers in der Stadt mit demselben Namen an. Diese Stadt war einst mit Farben und Geschichten gefüllt, liegt nach einem Sturm aber verwüstet und karg dar. Aufgabe der Spielerinnen und Spieler ist es, die Farbe und die verlorenen Geschichten in die Stadt zurückzubringen.

So kann man im Game beispielsweise unzählige Wände mit Graffiti besprühen. Außerdem fliegen überall in der Stadt lose Blätter herum, die man einsammeln muss. Darauf zu finden sind Themen für Tagebucheinträge, die der Spieler oder die Spielerin verfassen soll. So werden zum Beispiel Fragen gestellt, wie: "Was sind Dinge, vor denen du dich fürchtest oder über die du dich wunderst und sorgst?" oder "Was bringt dein Leben durcheinander? Beschreibe, was dich frustriert."

In der Stadt ist aber auch immer wieder eine Taube anzufinden, die sich "Phoenix" nennt. Sie bringt den Spielerinnen und Spielern verschiedenste Atemübungen oder Muskelentspannungs-Tricks bei, die dabei helfen sollen, Stressgefühle und Ängste zu bewältigen.

"Für die Entwicklung des Spiels haben wir eng mit Psychologen aber auch mit Hunderten von Jugendlichen zusammengearbeitet", erklärt Lokhorst. "Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir psychologisch fundierte Prinzipien in ein Spiel verpacken können, das Spaß macht, aber bei dem man auch etwas lernt. Viele Spiele sind ja hauptsächlich zur Ablenkung gedacht. Wir wollten aber helfen."

Gestartet ist das Game erstmals in den USA, ist nun aber auch in der Schweiz erhältlich. Nebst Englisch und Deutsch kann das Spiel aber auch auf Französisch, Holländisch, Spanisch, Hindi und Portugiesisch gespielt werden. Bisher verzeichnet die App 65.000 Downloads.

"Man fühlt sich nicht jeden Tag gut"

Tatsächlich zeigt das Spiel Wirkung. Wie eine Studie zeigt, verbessert sich das Wohlbefinden der Spielenden nach nur bereits sechs Wochen, wenn sie mindestens dreimal die Woche spielen. Eine klinische Studie des Lurie’s Children’s Hospital aus Chicago verzeichnet auch positive Effekte. Außerdem hat Markus Landolt, der leitende Psychologe des Universitäts-Kinderspitals Zürich, mit einem öffentlichen Empfehlungsschreiben seine Unterstützung für das Spiel ausgedrückt und empfiehlt dessen Förderung unbedingt. In der Schweiz wird der wohltätige Verein von der Georg und Bertha Schwyzer-Winiker-Stiftung unterstützt.

"Unser Ziel ist es, junge Leute wissen zu lassen, dass man sich nicht jeden Tag gut fühlen kann und dass das in Ordnung ist", so Lokhorst. "Mentale Gesundheit muss wie physische Gesundheit auch trainiert werden." Tatsächlich erhalten die Entwicklerinnen und Entwickler ständig neues und positives Feedback von Nutzerinnen und Nutzern. "Dieses nehmen wir gerne auf und führen auch immer wieder Studien in unserer Community durch."

Das Game ist gratis sowohl in Googles Play Store als auch in Apples App Store erhältlich.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account 20 Minuten Time| Akt:
GamesVideospielGesundheit

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen