Dieses Tiny House kann auf 1000 Arten aufgebaut werden

"Tiny House"-Konzepte schießen derzeit wie Schwammerl aus dem Boden. Doch jenes der italienischen Architektin Beatrice Bonzanigo – Casa Ojalá – erinnert gar an eine Wundertüte in Form eines Spielzeugkreisels.
"Tiny House"-Konzepte schießen derzeit wie Schwammerl aus dem Boden. Doch jenes der italienischen Architektin Beatrice Bonzanigo – Casa Ojalá – erinnert gar an eine Wundertüte in Form eines Spielzeugkreisels.Casa Ojalà srl
Ein Mini-Haus, dass sich allen Umständen und Umgebungen anpassen kann: Das ist die Casa Ojalá, ein Kleinsthaus mit 1000 Möglichkeiten.
  • Christine Scharfetter
von
Christine Scharfetter

Die Idee für die Casa Ojalá stammt von der Tessiner Architektin Beatrice Bonzanigo, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Isabella Invernizzi das Architekturbüro IB Studios in Mailand gründete. Das Außergewöhnliche an diesem nur 27 Quadratmeter großen Haus ist seine Vielfältigkeit: Es lässt sich in fast jeder Umgebung aufbauen.

Das Konzept erinnert dabei an ein Segelboot. "Die Casa Ojalá funktioniert mechanisch ähnlich wie beispielsweise ein Segelboot: Es gibt Seile, Riemen und Kurbeln. Damit kann die Casa Ojalá tausend verschiedene Formen annehmen, ohne die ursprüngliche Struktur zu verändern", erklärt Bonzanigo.

Verschiedene Standorte weltweit

Casa Ojalás völlig autarkes Strom- und Wassersystem und die einfache Montage ermöglichen ein freies Eintauchen in die Landschaft ohne die Zwänge eines Anschlusses an das zivilisierte Netz. Damit kann das Tiny House an den verschiedensten Standorten auf der ganzen Welt aufgebaut werden. Ein Regenwassertank und eine Wasserpumpe sorgen für fließendes Wasser und Solarpaneele für Storm.

Das Rundhaus besteht aus einer Mittelsäule und Trag­elementen aus Stahl für die beiden Holzplattformen am Boden und am Dach. Stabilisiert wird das Kleinsthaus mit vier Zugstangen. Der Bewohner kann die Form des Hauses kontrollieren und Wände, Böden und Decken beliebig verschieben. Wie ein Spielzeugkreisel, der dank magisch wirkender Mechanik bei jeder Drehung seine Form verändert und stets eine andere Funktion erfüllt.

Jedes Zimmer verschiebbar

Ganz konkret sind es zumindest 20 unterschiedliche Erscheinungen, die das 27-Quadratmeter-Rondo ohne Umbauarbeiten einnehmen kann. So genannte "Layouts", wie es in der Fachsprache heißt. Im Originalmodell gibt es beispielsweise zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein Bad und die Dachterrasse. Übrigens: Das Haus kann auch komplett zur Freiluft-Terrasse werden.

Wohnen auf so kleinem Raum funktioniert natürlich nur mit den entsprechenden Möbeln. Mit dem Tiny House kommen sieben im Boden eingelassene Möbel, die bei Bedarf mit einem Henkel hochgezogen werden können. Im Boden eingelassen ist zum Beispiel ein Nachttisch, ein Waschbecken, ein Kleiderschrank und ein Bücherregal.

So funktioniert die Casa Ojalá

Aber wie kann man sich diese Sache nun konkret vorstellen? Im Grunde dreht sich alles buchstäblich um die runde Form des Hauses. Sie ermöglicht es, die Räume der Casa Ojalá in Scheiben zu konstruieren, die sich jeweils um den zentralen Kern drehen und mit dem auch alle verbunden sind. Hinzu kommt ein raffiniertes, mechanisches Schub- und Zugsystem, das die Wände verschiebt und die Innenmöbel gleichzeitig zum jeweils richtigen Zeitpunkt entweder erscheinen oder verschwinden lässt.

So liegt etwa das Doppelbett knapp unter dem Boden und kann am Ende des Tages mit wenigen Handgriffen in den Wohnraum gehoben werden. Der wird dadurch zum Schlafzimmer. Die Toilette wird mit einem Seilzug völlig versteckt. Stauraum und Schränke kann man auf ähnliche Art und Weise je nach Bedarf in den Sockel des Hauses einlassen oder hervorheben.

1000 Möglichkeiten

Das flexible Kleinsthaus gibt es laut der Architektin in "1000 verschiedenen Varianten", damit bezieht sie sich aber nicht nur auf die Zimmergröße oder -verteilung. Die Casa Ojalá ist personalisierbar, wer sie bestellt, kann sich auch Art und Farbe des Holzes und die verwendeten Stoffe aussuchen.

Die Häuschen sollen künftig allerdings nicht nur an Privatpersonen verkauft werden, sondern auch an Hotelketten oder Anbieter von Erlebnisreisen – davon träumt zumindest die Architektin. Denn die Idee für das Tiny House enstand bei ihren Reisen in die weite und endlose Landschaft der nördlichen Anden. Bonzanigo versuchte ein Refugium zu schaffen, wo man – sie! – bequem einige Tage bleiben konnte, ohne das physische und existenzielle Eintauchen in die Landschaft zu stören. So entstand die Casa Ojalá: Sie verband den luxuriösen Komfort eines Hauses mit einer Struktur, die sich nahtlos an die Umgebung anpasst und es den Gästen ermöglicht, sich in der Natur wiederzufinden.

Beatrice Bonzanigo
Beatrice BonzanigoCasa Ojalá

Die Architektin erfüllte sich damit einen Traum und hofft nun, dass das Projekt richtig durchstartet. Dazu passt auch der Name: Ojalá ist Spanisch und bedeutet "hoffnungsvoll", oder, ein bisschen salopper, "Schön wärs!"

Einen offiziellen Preis für das Tiny House, das ab Ende 2020 lieferbar sein soll, gibt es derzeit übrigens noch nicht, aber zumindest eine Warteliste: www.casaojala.it

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