Frankreich schreibt ein neues Kapitel der Energiewende - diesmal unter Wasser. Vor der Küste der Normandie arbeitet ein Startup an einem Projekt, das weltweit einzigartig ist: Vier Turbinen sollen durch die Kraft der Gezeiten bis zu 12 Megawatt Leistung erzeugen.
Das Prinzip ähnelt einem Windrad, nur drehen sich die Rotoren nicht im Wind, sondern im Meer. Wasser ist etwa 800-mal dichter als Luft. Dadurch erzeugen die Turbinen schon bei moderater Strömung beachtliche Energie - ohne Staudämme oder massive Eingriffe in die Umwelt.
Wie chip.de berichtet, arbeiten die Anlagen nahezu lautlos und unsichtbar am Meeresboden - emissionsfrei und wetterunabhängig. Die Gezeiten folgen dem Mond, nicht dem Wetter. Das ermöglicht konstante und planbare Stromerzeugung.
Das aktuelle Projekt trägt den Namen NH1 und gilt als Startschuss für deutlich größere Pläne. Bis 2042 soll die Kapazität auf 2,5 Gigawatt ausgebaut werden - genug Strom für bis zu drei Millionen Menschen.
Die Turbinen sind für 25 Jahre Betriebsdauer konzipiert und müssen nur alle sechs Jahre gewartet werden. Außerdem bestehen sie zu 98 Prozent aus recycelbaren Materialien.
Noch sind einige Hürden zu meistern: Seehunde meiden bisherige Testfelder, auch mögliche Veränderungen bei Strömung und Sediment werden untersucht. Zudem eignet sich nicht jede Küste für die Technologie. Trotzdem setzt Frankreich damit ein starkes Zeichen für die grüne Energiewende.