Nördlich von Bangkok reichen Stelzenhäuser längst nicht mehr aus: In mehreren Dörfern leiten die Behörden gezielt Wasser um, damit die thailändische Hauptstadt von Überschwemmungen verschont bleibt.
Für viele Menschen in der Provinz Ayutthaya bedeutet das, dass ihre Häuser Jahr für Jahr unter Wasser stehen. Manche Bewohner müssen ihre Sachen in luftiger Höhe lagern und schlafen auf Plattformen.
Nach den großen Überschwemmungen im Jahr 2011 hat die Regierung Dämme, Schleusen und Kanäle verstärkt, um Bangkok und wichtige Industriegebiete zu schützen. Diese Strategie schützt zwar die Städte, verlagert jedoch das Problem aufs Land.
In der Nähe der berühmten UNESCO-Ruinen von Ayutthaya kann das Wasser mittlerweile bis über den Kopf der Menschen steigen und bleibt oft monatelang. Früher reichte es nur bis zu den Knien.
Wie die AFP berichtet, werden die Überschwemmungen durch den Klimawandel und häufigere Starkregenfälle noch verschärft. Die Behörden nehmen dabei die Belastung der Landbevölkerung in Kauf.
'Unsere Gegend kann mit so viel Wasser nicht mehr umgehen', sagt die 34-jährige Bewohnerin Kamonchanok Sathaphonamonwut.
Die Behörden würden laut Kamonchanok Sathaphonamonwut die Wohngebiete vernachlässigen, um Bangkok und wirtschaftliche Zentren zu retten. Viele Bewohner haben bereits ihre Häuser erhöht oder sind weggezogen. 'Alles, was wir tun können, ist, uns an die Folgen anzupassen', erklärt sie. Die neu gebauten Dämme haben zudem den Abfluss des Flusses Chao Phraya verändert und verschärfen die Überschwemmungen flussabwärts, gibt Thanet Somboon vom thailändischen Bewässerungsamt zu.
Um den steigenden Wassermassen zu entkommen, investieren manche Familien viel Geld in die Erhöhung ihrer Häuser - oft zwischen 100.000 und einer Million Baht. Viele verlieren dabei ihre gesamten Ersparnisse.
Dennoch sind die Dörfer jedes Jahr erneut betroffen. 'In den letzten Jahren gibt es jedes Jahr solche Überschwemmungen. Was bringt es, sich zu beklagen?', sagt der 87-jährige Sawong Raksri.
Um die Belastung gerechter zu verteilen, schlägt der Umweltaktivist Sasin Chalermlarp eine spezielle Steuer vor, die von den Profiteuren des Hochwasserschutzes gezahlt werden soll
Der Staat plant einen neuen Kanal, der bis 2030 fertig sein soll und bis zu 1.200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten kann. Bis dahin wünschen sich die Betroffenen vor allem ein Limit für den Wasserstand und finanzielle Unterstützung. 'Alles, was wir verlangen, ist, in unseren eigenen Häusern vernünftig leben zu können', sagt Kamonchanok Sathaphonamonwut.