Doskozil an Kurz: "Schul-Lockdown nicht umsetzen!"

Hans Peter Doskozil findet klare Worte.
Hans Peter Doskozil findet klare Worte.
(Bild: picturedesk.com)
Seit Tagen schwelen Gerüchte über eine komplette Schließung der Schulen. Nun meldet sich Landeschef Hans Peter Doskozil zu Wort und fordert Vernunft.

Werden schon ab 16. November – wie von "Heute"-Kolumnist Nikolaus Glattauer befürchtet – sämtliche Schulen des Landes wieder geschlossen? Die Regierung hielt sich dazu zuletzt bedeckt, sprach nur vage von möglichen "Lockdown-Verschärfungen", die demnächst auf Österreich zukommen könnten. Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SP) positioniert sich im "Heute"-Interview nun klar: "Ich spreche mich entschieden gegen einen neuerlichen Bildungslockdown aus. Eine derartige Entscheidung würde nicht nur der Mehrheit der Experten widersprechen, laut denen Kinder wenig zum Infektionsgeschehen beitragen, sondern hätte vor allem für Kinder und ihre Eltern schwerwiegende Konsequenzen."

Hans Peter Doskozil: "Ein neuerlicher Bildungs-Lockdown würde verlorene Zeit für die betroffenen Kinder bedeuten."

Der rote Grande denkt dabei vor allem an die Familien und Kinder: "Familien würden damit vor denselben Herausforderungen stehen wie schon bei der ersten Virus-Welle: Wer übernimmt die Betreuung meines Kindes? Wie kann ich sicherstellen, dass mein Kind die Lehrinhalte versteht und richtig lernt? Unsere Kinder haben das Recht auf Bildung in entsprechender Umgebung: Eltern sind keine Pädagogen und das eigene Zuhause ist keine Schule. Ein neuerlicher Bildungs-Lockdown würde verlorene Zeit für die betroffenen Kinder bedeuten und ihre Bildungsentwicklung massiv beeinträchtigen.

"Das sind wir den Eltern schuldig"

Für Doskozil komme noch ein zweites wichtiges Argument hinzu: "Vor allem für jene Elternteile, die die kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser, Pflegeheime und den Handel am Laufen halten, wäre eine erneute Schließung der Schulen und Kindergärten eine unzumutbare Belastung. Die Eltern können das Land nur am Laufen halten, wenn sie ihre Kinder in bestmöglicher Betreuung wissen. Das sind wir diesen Menschen, die bis an den Rand der persönlichen Belastbarkeiten arbeiten, schuldig."

"Ich fordere den Kanzler und den Gesundheitsminister auf, sich in dieser Frage am eigenen Bildungsminister zu orientieren und die Lockdown-Pläne nicht umzusetzen!"

Dann nimmt der wortgewaltige Landeshauptmann die Bundesregierung massiv in die Pflicht: "Ein neuerlicher Lockdown im Bildungsbereich wäre abermals der Beweis dafür, dass es die Bundesregierung verabsäumt hat, den Sommer für die Vorbereitung einer zielgerichteten Strategie zu nützen und die richtigen Schlüsse aus der ersten Welle zu ziehen." Doskozil kritisiert das lasche Vorgehen im Sommer: "Der Vorsprung, den sich Österreich damals erarbeitet hat, wurde leichtfertig verspielt. Dass jetzt die Familien die Zeche für diese Versäumnisse zahlen sollen, ist verantwortungslos." Der SP-Politiker weiter: "Ich fordere den Kanzler und den Gesundheitsminister auf, sich in dieser Frage am eigenen Bildungsminister zu orientieren und die Lockdown-Pläne nicht umzusetzen!"

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