Neue Verschärfungen kommen – jetzt spricht Doskozil

Hans Peter Doskozil (SP) spricht vor dem großen Corona-Gipfel.
Hans Peter Doskozil (SP) spricht vor dem großen Corona-Gipfel.Helmut Graf
Eine Abriegelung von Wien lehnt er ab, längere Osterferien sieht er skeptisch: Burgenlands Landeschef spricht in "Heute" vor dem großen Ost-Gipfel.

Ab 19.30 Uhr geht es im Gesundheitsministerium um neue Corona-Maßnahmen für den besonders betroffenen Osten des Landes. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SP) legte sich – wie berichtet – schon im Vorfeld fest: Verschärfungen würden "mit Sicherheit kommen", so der SP-Politiker. Zudem sickerten bereits Überlegungen durch. Diese reichen von mehr Tests über ein strengeres Grenz-Regime zu Ungarn und der Slowakei bis hin zu einem neuen Kontaktpersonenmanagement an Schulen. Burgenlands mächtiger Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sprach vor seiner neuerlichen Fahrt nach Wien mit "Heute". Er spricht sich weiterhin für "behutsame Lockerungen" aus, weist aber auch auf die Wichtigkeit des Testens hin.

"Heute": Herr Landeshauptmann, die drei Ost-Länder haben sich beim Corona-Gipfel gestern gegen Verschärfungen quergelegt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober wirkte in der ZiB 2 darüber nicht sehr glücklich. Bleiben Sie heute bei Ihrer Linie?
Hans Peter Doskozil: Wir haben ein weiteres vertiefendes Gespräch auf der Ebene der drei Länder gemeinsam mit Experten und der Regierungsspitze vereinbart. Das ist ein neuer Weg, den man schon früher gehen hätte können. Ich bin dem Gesundheitsminister für diese Vorgangsweise dankbar und gehe offen in dieses Gespräch.

Angesichts der stetig steigenden Zahlen: Welche Verschärfungen wären für Sie denkbar? Strengere Grenzkontrollen? Mehr Tests?
Die Situation ist angespannt, keine Frage. Im Burgenland haben wir aber – darauf möchte ich schon hinweisen – seit einigen Tagen einen leichten, aber stabilen Rückgang der 7-Tage-Inzidenz. Dass ich neben dem Impfen ein engmaschiges Testangebot als wichtigstes Instrument zur Pandemie-Bekämpfung sehe, daraus mache ich kein Hehl. Das Burgenland ist schon jetzt – hinter Vorarlberg – das Bundesland mit der zweithöchsten Testquote. Daher: Testen und speziell Reintesten, wo immer es möglich und sinnvoll ist – ja bitte!

Wie sehen Sie eine Verschärfung der FFP2-Maskenpflicht? Ist diese aus Ihrer Sicht für Kindergärtner, jüngere Schüler und in Sozialräumen in Unternehmen denkbar?
Wir sollten alle Maßnahmen evidenzbasiert setzen. Nicht so, wie ich es einige Male in den Bund-Länder-Sitzungen erlebt habe, dass man eigentlich ergebnislos diskutiert und dann fragt: "Was erzählen wir jetzt den Medien?"

Hoch-Inzidenzgebiete sollen Ausfahrtstests bekommen. Halten Sie das im Burgenland für sinnvoll?
Es wird bei hohen Inzidenzen der Bevölkerung erklärbar sein, dass man in Einzelfällen auch auf diesem Weg die Testquote erhöht. Es geht aber viel mehr darum, dass man in solchen Gebieten schon vorab die Sensibilität der Menschen erhöht und sie zur Mitwirkung gewinnt. Im Bezirk Jennersdorf ist uns das etwa gut gelungen, die Zahlen liegen wieder deutlich unter dem kritischen 400er-Wert.

Auch Wien würde eine solche drohen – ist eine Abriegelung der Hauptstadt denkbar?
Nein. Weder technisch noch sozial oder wirtschaftlich – wie soll das auch gehen, wenn 250.000 Menschen täglich nach Wien und wieder raus pendeln? Schauen Sie sich nur das Beispiel Wiener Neustadt an: Auch dort finden nur punktuelle Kontrollen statt.

Doskozil: "Ich sehe eine Verlängerung der Osterferien sehr skeptisch."

Sollten die Schulen geschlossen werden oder zumindest die Osterferien um eine Woche verlängert werden, um einen Bremseffekt bei den Neu-Infektionen zu erzielen?
Ich sehe eine Verlängerung der Osterferien sehr skeptisch. Wir haben jetzt einen Modus gefunden, wie der Schulbetrieb möglich ist – daran sollten wir festhalten. Auch Schulsport sollte wieder ermöglicht werden.

Ein Anreiz für mehr Tests wäre die Schanigarten-Öffnung. Werden Sie derartige Lockerungen heute einfordern?
Ich bin generell der Ansicht, dass wir behutsame, gut kontrollierte Lockerungen in den Bereichen brauchen, wo strenge Sicherheits- und Präventionskonzepte vorliegen. Das ist nötig, um die Akzeptanz der Bevölkerung aufrechtzuerhalten und eine weitere Verlagerung des Infektionsgeschehens in den Privatbereichen zu verhindern. Nötig ist ein vernünftiger Mittelweg zwischen unkontrolliertem Öffnen und Dauerlockdown ohne Perspektiven. Es gibt Bereiche, wo bereits bewiesen wurde, dass Lockerungen ohne zusätzliche Infektionen möglich sind, z.B. im Tourismus.

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