Der Streit um eine Drag-Lesung für Kinder spitzt sich zu. Heute um 16 Uhr sollen Fräulein Bürgerschreck und Athene Atlas im Kulturhauspark in Dornbirn (Vorarlberg) auftreten. Im Rahmen von "Sommer im Park" werden Kinderbücher vorgelesen und bekannte Disney-Lieder gesungen.
Doch schon vor Beginn sorgt die Kinderstunde für heftigen Wirbel. Eine Online-Petition fordert die Absage oder eine Altersbeschränkung, mehrere Tausend Menschen unterstützen sie. Auch Proteste gegen die Veranstaltung sind angekündigt.
Die Initiatoren der Petition behaupten, Drag habe einen sexuellen Unterton und Kinder würden dadurch beeinflusst. Die Veranstalter und Fräulein Bürgerschreck widersprechen. Texte, Kleidung und Auftreten seien vorab abgestimmt worden, sexuelle Inhalte kämen nicht vor.
Die Petition läuft auf CitizenGO, einer in Spanien gegründeten, international tätigen rechtskonservativen Kampagnenplattform. Unterschreiben kann man unabhängig vom Wohnort. Wie viele Unterstützer tatsächlich aus Dornbirn oder Vorarlberg kommen, lässt sich daher aus der Zahl der Unterschriften nicht ablesen.
Fräulein Bürgerschreck spricht angesichts der Debatte von "gezielter Desinformation", das sagt sie auf vol.at. Bei ihrem Auftritt gehe es ausdrücklich nicht um Sexualaufklärung. Sie wolle Kindern vielmehr vermitteln, dass Anderssein nichts Bedrohliches sei.
Dahinter stecken auch persönliche Erfahrungen. Als Kind sei ihr gesagt worden, bunte Glitzerstifte seien "schwul", so vol.at. Später habe eine Lehrerin sie mehrfach vor der Klasse mit dem Wort "Zwitter" beschimpft. Lange habe sie deshalb geglaubt, zu laut, zu auffällig und zu viel zu sein.
Heute will sie Kindern eine andere Botschaft vermitteln. Ein Bub dürfe ein Kleid tragen, wenn er das möchte. Auch eine auffällig geschminkte Person mit großer Perücke müsse niemandem Angst machen. Kinder sollten erleben: "Die ist super nett und super lieb."
Trotz Petition und angekündigter Proteste hält Dornbirn an der Veranstaltung fest. Wer die Kinderstunde nicht besuchen wolle, müsse das nicht tun, sagt Bürgerschreck. Die Entscheidung liege bei den Eltern.