Drei Kinder in Wien getötet – jetzt spricht die Mutter

Die Verdächtige sprach in der Justizanstalt Wien-Josefstadt mit Verteidiger Florian Höllwarth.
Die Verdächtige sprach in der Justizanstalt Wien-Josefstadt mit Verteidiger Florian Höllwarth.
zVg
Jetzt redet sie erstmals – mit einem Anwalt. Jene Frau, die verdächtigt wird, ihre drei Kinder in Wien getötet zu haben, ist am Boden zerstört.

Sie zittert. Sie weint. Sie ist am Boden zerstört. Eine 31-jährige gebürtige Nepalesin soll – wie berichtet – vergangenen Samstag ihre drei kleinen Kinder in der Wiener Donaustadt getötet haben. "Ich habe sie mit einem Polster im Schlaf erstickt", sagte die Verdächtige im Kripo-Verhör aus. Für ihre zwei Mädchen (9, 3) und einen erst acht Monate alten Buben gab es keine Hilfe mehr. Sie überlebten die Familientragödie nicht.

Die junge Frau aus Butwal, die an der Boku studierte, alarmierte selbst den Polizeinotruf. Sie dürfte schon seit längerer Zeit an psychischen Problemen gelitten haben. In der Justizanstalt Wien-Josefstadt wollte sie bisher von keinem Anwalt, der sie besuchte, vertreten werden. Auch den nepalesischen Botschafter, der sie besuchen wollte, schickte sie weg. Einzig zum Wiener Strafrechtsexperten Florian Höllwarth und seiner Mitarbeiterin dürfte sie ein gutes Verhältnis aufgebaut haben. Sie beauftragte Höllwarth heute mit ihrer Verteidigung.

Verteidiger Höllwarth: "Sie weint bitterlich"

"Da ich den Ermittlungsakt noch nicht kenne", so der Jurist im "Heute"-Gespräch, "kann ich zum konkreten Sachverhalt noch nicht Stellung nehmen. "Meine Klientin ist extrem sediert und ganz offenkundig in einer psychischen Ausnahmesituation. Sie trägt offenkundig noch das Gewand, das sie bei ihrer Verhaftung anhatte und friert im Gefängnis." Höllwarth: "Ich werde ihr nun etwas Geld überweisen, damit sie sich in der Justizanstalt ein Shampoo kaufen kann und demnächst einige Kleidungsstücke vorbeibringen."

Die 31-jährige Verdächtige im Gefängnis: "Wo sind meine Kinder? Wo bin ich? Wie lange muss ich noch hier bleiben?"

Was die Frau zum Vorwurf des dreifachen Mordes sagt? "Sie erkennt derzeit die Tragweite des Geschehenen in keinster Weise", führt Höllwarth aus. Seinen Schilderungen zufolge fragt sie beinahe unaufhörlich: "Wo sind meine Kinder? Wo bin ich?" Und: "Wie lange muss ich noch hier bleiben?"

Rechtsanwalt Florian Höllwarth verteidigt.
Rechtsanwalt Florian Höllwarth verteidigt.
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Psychiaterin soll Seele durchleuchten

Letztere Frage ist relativ einfach beantwortet. Wohl für länger. "Wir verzichten auf die nächste Haftverhandlung", so der Verteidiger. Bei Mordermittlungen ist die Untersuchungshaft bis zu einem Prozess ohnehin obligat. "Ein psychiatrisches Sachverständigengutachten muss jetzt zeigen, welche Ängste, welche Begebenheiten die Frau dazu gebracht haben, so etwas Fürchterliches zu tun." Sollte sie zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig gewesen sein, droht der 31-Jährigen die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Andernfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Angst vor Sorgerechts-Verlust

Das Motiv für die erschütternde Tat dürften Eheprobleme gewesen sein. Wie "Heute" erfuhr, befürchtete die Frau, im Zuge einer im Raum stehenden Trennung ihre Kinder zu verlieren. Dass diese nun nie wieder in ihre Schuhe schlüpfen werden können, die noch vor der Wohnung in einem Donaustädter Mehrparteienhaus stehen, kann dort kaum jemand begreifen. "Wir sind fassungslos. Was treibt eine Frau zu so einer fürchterlichen Tat", sagten die Anwohner bei einem "Heute"-Lokalaugenschein unisono. Ein Familienvater entzündete drei kleine Teelichter "für die armen Seelen". Nachbarin Johanna R. bekam vor wenigen Wochen einen Polizeieinsatz in der 80 Quadratmeter großen Wohnung der Familie mit. Die Story kannst du HIER nachlesen >>

Vater muss Begräbnis organisieren

Ihr Ehemann und Kindsvater hat sie bis dato nicht in der Justizanstalt-Wien Josefstadt besucht. Dort steht die Frau derzeit unter ständiger Beobachtung, weil befürchtet wird, sie könnte sich etwas antun. Dem Mann, der in einem Lokal am Wiener Alsergrund arbeitet, kommt nun die furchtbare Aufgabe zu, das Begräbnis für seine eigenen drei kleinen Kinder zu organisieren. Für seine Ehefrau gilt die Unschuldsvermutung.

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