Du errätst nie, was Putzkräfte in der Schweiz verdienen

Schweizer Reinigungskräfte verdienen fast drei mal so viel wie ihre österreichische Kollegen.
Schweizer Reinigungskräfte verdienen fast drei mal so viel wie ihre österreichische Kollegen.Getty Images/iStockphoto
So viel sei gesagt: Es ist deutlich mehr als in Österreich. Doch je nach Kanton unterscheiden sich die Löhne stark.

Wer schon einmal in der Schweiz war, wird wissen: Mit Low Budget kommt man beim Nachbarn nicht weit. Ein Seiterl um sieben Euro, ein Döner 12, die Nacht im Hotel kann schon einmal einen Tageslohn kosten. Wer in der Schweiz angestellt ist, wird dafür aber besser bezahlt. So auch Putzkräfte.

Sie staubsaugen, lüften und putzen Küche und Bad: In tausenden Schweizer Haushalten sorgt professionelles Reinigungspersonal für Sauberkeit. Dabei verdienen Putzhilfen durchschnittlich 31 Franken (29,30 Euro) pro Stunde, wie eine aktuelle Auswertung von Lohnabrechnungen der Firma Quitt zeigt.

In Österreich hingegen beträgt das Durchschnittseinkommen einer Reinigungskraft 9,89 Euro brutto pro Stunde. Das entspricht einem Monatslohn von 1.680 Euro brutto auf 38-Stunden-Basis.

Tausende Verträge analysiert

Die Analyse von über 5.500 Arbeitsverträgen zeigt auf, dass sich die Löhne je nach Kanton stark unterscheiden. So verdient eine Reinigungskraft im Kanton Schwyz mit durchschnittlich 32,15 Franken (30,38 Euro) pro Stunde einen Fünftel mehr Lohn, als im Kanton Neuenburg mit 25,60 Franken (25,14 Euro). Damit liegen alle Löhne über dem gesetzlichen Mindestlohn (siehe Box unten).

"In einkommensstarken und steuergünstigen Kantonen sind die Löhne am höchsten", erklärt Quitt-Sprecher Bernhard Bircher-Suits auf "20 Minuten". Denn dort sind die Lebensunterhaltskosten höher. Darum sind die Löhne im Kanton Nidwalden mit 32 Franken, Zürich mit 31,85 Franken und Zug mit 31,80 Franken besonders hoch.

Gut bezahlt werden Putzkräfte auch in Graubünden. Dort verdienen Putzhilfen im Schnitt 31,70 Franken pro Stunde. Das könnte laut Bircher-Suits mit den vielen Ferienwohnungen zu tun haben. Diese müssen regelmäßig geputzt werden – darum ist die Nachfrage nach Reinigungskräften hoch.

Anfang 2011 hat der Bund den "Normalarbeitsvertrag (NAV) Hauswirtschaft" erlassen. Im Vertrag sind verbindliche Mindestlöhne für Hausangestellte in der ganzen Schweiz geregelt. Der aktuelle NAV ist bis Ende 2022 in Kraft und gilt für Reinigungspersonal und Personen, die beispielsweise Wäsche machen, kochen oder Kinder betreuen.

Laut dem NAV gelten für Beschäftigungen ab durchschnittlich fünf Wochenstunden beim selben Arbeitgeber für ungelernte Angestellte ohne Berufserfahrung 19,20 Franken (18,14 Euro) als Brutto-Mindestlohn. Ungelernte Angestellte mit mindestens vier Jahren Berufserfahrung sollen in der Hauswirtschaft brutto mindestens 21,10 Franken (19,94 Euro) verdienen.

Schwarzarbeit drückt Löhne

Schlecht bezahlt werden Putzhilfen in Neuenburg und im Kanton Genf: Dort gibt es durchschnittlich nur 26,80 Franken in der Stunde. Zu den Tieflohnkantonen gehört auch das Tessin. Eine Reinigungskraft verdient im Sonnenkanton im Schnitt 27,10 Franken pro Stunde.

Dass die Löhne in in der Süd- und Westschweiz eher tief sind, könne auch mit den vielen Grenzgängern zu tun haben, vermutet Bircher-Suits. Diese erledigen die Putzarbeit meist für weniger Geld. Zudem arbeiten in der Romandie und im Tessin mehr Putzhilfen schwarz, wie ein Seco-Bericht zeigt.

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