Dürfen wir bald nur noch 1 km von unserer Wohnung weg?

Epidemiologe Gerald Gartlehner
Epidemiologe Gerald GartlehnerScreenshot ORF
Zu der aktuellen Corona-Lage äußerte sich am Freitagabend in der "ZiB 2" mit Lou Lorenz-Dittlbacher der Epidemiologe Gerald Gartlehner.

Angesichts der nach wie vor hohen Corona-Zahlen und der sich hierzulande langsam ausbreitenden Coronavirus-Mutation droht Österreich nun eine Lockdown-Verlängerung. Nachdem zunächst darüber spekuliert wurde und sich die Gerüchte verdichteten, ist es nun mehr oder weniger fix: Der Lockdown wird auch über den 24. Jänner hinaus andauern. In welcher Form genau, wird die Bundesregierung im Rahmen einer Pressekonferenz am Sonntag bekannt geben. Mehr dazu hier >>

Vertreter der Wirtschaftsbranche sind klar gegen einen längeren Lockdown, jedoch gibt es auch Experten, die klar dafür sind (Mehr dazu hier >>) Zu der aktuellen Corona-Lage äußerte sich am Freitagabend in der "ZiB 2" mit Lou Lorenz-Dittlbacher der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni-Krems.

"Corona-Müdigkeit"

Die Gründe für die nach wie vor hohen Corona-Zahlen sind laut dem Experten zum einen die sinkende Bereitschaft der Bevölkerung, die Maßnahmen mitzutragen - die sogenannte "Corona-Müdigkeit", zum anderen aber auch die sich widersprechenden Corona-Regeln. Als Beispiel führte er an: "Ich darf mit meinen Freunden Ski fahren gehen, aber sonst darf ich sie nicht treffen. Oder, ich darf mit einer FFP2-Maske in eine kleine Gondel, aber in ein Museum darf ich nicht gehen. Das widerspricht dem epidemiologischen Hausverstand." Ein weiterer Grund kann aber auch sein, dass die Mutation schon weiter verbreitet ist, als wir es überhaupt wissen, so Gartlehner. 

"Lässt sich abschätzen wie verbreitet die Mutation ist?", fragte die Moderatorin. Am Beginn der nächsten Woche sollte eine Aussage darüber getroffen werden können, so Gartlehner. Die Gefahr einer möglichen Ansteckung ist also gegeben - aber lässt sich das mutierte Virus mit den bisherigen Maßnahmen bekämpfen? 

 Gartlehner erläuterte, dass die Maßnahmen im Kampf gegen das ansteckendere Virus nicht ausreichen würden, man müsste hier deutlich nachschärfen.

Lockern oder nicht?

Ob eine Lockerung des jetzigen Lockdowns in Frage kommt, hänge davon ab, wie präsent die Mutation tatsächlich ist. Sollte die mutierte Variante noch nicht so stark verbreitet sein, wäre eine Lockerung denkbar, wenn nicht, so deutet alles auf ein weiteres Nachschärfen der Maßnahmen bzw. auf eine Verlängerung des Lockdowns. 

"Einige Schrauben, an denen man drehen kann"

Wie genau nachgeschärft werden könnte, erklärte der Epidemiologe auch. Eine Möglichkeit wäre die Einschränkung des Bewegungsradius, wie in Deutschland oder auch Israel. Während es in Deutschland 15 Kilometer sind, schränkte Israel den Bewegungsradius für seine Bürger auf einen Kilometer ein. "Das ist ganz sicher eine effiziente Maßnahme".

Eine weitere sinnvolle Maßnahme sei sicherlich auch verpflichtendes Homeoffice einzuführen. "Das heißt man darf wirklich nur ins Büro, wenn man eine Bestätigung hat, dass es sein muss." Abschließend meinte Gartlehner: 

 "Es gibt schon einige Schrauben an denen man drehen kann."

An welchen "Schrauben" die Regierung "drehen" wird, bleibt abzuwarten. Eine Entscheidung über eine Lockdown-Verschärfung oder eben Lockerung ist für Sonntag angedacht. Es bleibt also abzuwarten. 

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