Am Montagvormittag hat die Österreichische Hagelversicherung aufhorchen lassen. Bei einer Pressekonferenz wurde eine Horror-Bilanz aus der heimischen Landwirtschaft präsentiert. Demnach haben die Bauern im gesamten Bundesgebiet Schäden in der Höhe von einer Milliarde Euro zu beklagen.
Grund ist die anhaltende Dürre in Österreich. Demnach fiel in manchen Regionen seit dem 15. Juni um 75 Prozent weniger Regen als im zehnjährigen Niederschlagsmittel. Auch die Hitzetage wirkten sich negativ aus. Bis zum 10. August gab es 42 Tage mit einer Temperatur über 30 Grad.
Von der Dürre seien sämtliche Kulturen betroffen. Besonders bei Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbissen und Soja seien Schäden zu verzeichnen. Auch regionale Getreidesorten würden unter der aktuellen Wetter-Lage leiden. Früher seien alle zehn Jahre Dürreschäden aufgetreten. Inzwischen müsse man alle zwei bis drei Jahre damit rechnen.
Glücklicherweise seien 80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen gegen Dürre versichert. So hätten die Bauern "einen Rechtsanspruch auf eine Entschädigung", hieß es seitens des Chefs der Hagelversicherung, Kurt Weinberger.
Die Prognose sei dennoch düster. So müsse man in Zukunft öfter mit Hitzewellen rechnen. Laut Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sei daher rasches Handeln notwendig. Dem Experten zufolge wären die "volkswirtschaftlichen Kosten des Nichthandelns enorm".
Weinberger strich die Lage der Landwirte hervor. Sie seien besonders verwundbar, da rund 80 Prozent ihres Ertrags vom Wetter abhängig wären. Laut dem Chef der Hagelversicherung seien viele Betriebe durch den Klimawandel gefährdet. Dies führe zu einer starken psychischen Belastung bei dem heimischen Bauern.
Der zuständige Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) bezeichnete die Dürre-Schadenbilanz der Hagelversicherung laut der "Krone" als "eine zentrale Grundlage" für die weiteren Entscheidungen der Bundesregierung und der Länder betreffend des Bauern-Hilfspakets, welches noch kommen soll.
Am Montagnachmittag werde es zu einem Runden Tisch im Landwirtschaftsministerium kommen. Dabei wolle Totschnig mit Vertretern aus Landwirtschaft und Wissenschaft die aktuelle Wasserbilanz, die Ernte- und Schadenssituation sowie die weitere Entwicklung analysieren.