Sechs Jahre nach ihrem ersten Einsatz steht Simone Stribl wieder eine der prominentesten Aufgaben der ORF-Innenpolitik bevor. Ab Montag führt die Journalistin durch die "Sommergespräche" mit den Parteiobleuten. Vor dem Start erzählt sie, warum sie bei der Zusage zunächst abwägen musste und weshalb sie Kritik heute deutlich gelassener sieht.
Stribl arbeitet seit 18 Jahren als Innenpolitikjournalistin beim ORF. Die neuerliche Anfrage für die Sendung bezeichnet sie als große Chance: "Ich bin seit 18 Jahren Innenpolitikjournalistin im ORF. Ich mache gerne Interviews und das ist eine große Bühne dafür. Man kann eigentlich nicht Nein sagen", stellt sie im Interview mit der "Kleinen Zeitung".
Ganz ohne Nachteile ist der Job für sie allerdings nicht. Die intensive Vorbereitung koste einen großen Teil ihres Sommers. "Jeder redet mit, es haben sehr viele Leute Meinungen, es gibt viel Wirbel und ich kann keinen normalen Sommer mit Freunden verbringen. Ich kann die Monate bis dahin nicht entspannt in den Tag leben, sondern bin völlig investiert", sagt Stribl zur "Kleinen Zeitung".
Trotz zahlreicher anderer Interviewformate und der direkten Kommunikation von Politikern über soziale Medien sieht Stribl die ORF-Sendung weiterhin als wichtigen Fixpunkt.
"Sie sind ein Fixpunkt, wo Politiker auf jeden Fall zu allen Themen Stellung nehmen müssen. Und sie füllen eine Lücke: Im Sommer sind Politiker oft nicht so greifbar. Es kommen auch immer alle zu den "Sommergesprächen". Das zeigt, dass die Sendung noch immer große Relevanz hat", erklärt die Moderatorin in der Tageszeitung.
Die Gespräche werden erneut im ORF-Zentrum geführt. Ein Grund dafür sind Einsparungen. Inhaltlich soll es heuer vor allem um die großen Herausforderungen für Österreich und die Umsetzung angekündigter Reformen gehen.
Bereits 2020 moderierte Stribl die "Sommergespräche". Die anschließenden Reaktionen trafen sie damals unvorbereitet.
"Nicht der Politik, aber in sozialen Netzwerken gab es sehr viel Wirbel und das hat mich damals überrollt. Diese Aufmerksamkeit und Kritik habe ich nicht erwartet. Kritisiert wurde alles Mögliche: die Fragen, das Aussehen, wie ich geschminkt wurde. Wenn ich viele Zettel am Tisch hatte, hieß es: Sie kommt nicht ohne Zettel klar. Nicht: Sie ist besonders gut vorbereitet … danach habe ich gedacht: Das ist geschafft und jetzt kann mich eigentlich nichts mehr wirklich umhauen. Heuer werde ich 40, da redet mich niemand mehr darauf an, dass ich besonders jung bin. Insofern ist Älterwerden manchmal nicht schlecht", sagt Stribl zur "Kleinen Zeitung".
Heute gehe sie anders mit Reaktionen um. Weder Kritik noch Lob hätten noch denselben Einfluss auf sie. "Kritik versaut mir nicht meinen Tag, und nach einem Lob laufe ich auch nicht gerade jubelnd durch die Gegend. Ich bin mehr in der Mitte angekommen. Es spielt nicht mehr so eine große Rolle, was von außen kommt", erklärt die ORF-Moderatorin zur Tageszeitung.
Obwohl sie seit vielen Jahren über Innenpolitik berichtet, pflegt Stribl nach eigenen Angaben keine engeren Kontakte zu Politikern. "Gar nicht eigentlich. Ich bin keine Netzwerkerin, bin auch nicht auf Events unterwegs. Wenn die Arbeit erledigt ist, gehe ich nach Hause", sagt Stribl zur "Kleinen Zeitung".
Beim Medienkonsum setzt die ORF-Journalistin auf eine Mischung aus sozialen Medien, Radio, Online-Zeitungen und klassischem Fernsehen. Die "ZiB" um 19.30 Uhr schaut sie nach eigenen Angaben weiterhin auf ihrem Fernseher.
Auch ein Problem mit dem Smartphone kennt Stribl aus ihrem eigenen Alltag: "Dieses Scrollen am Handy hat bei mir schon dazu geführt, dass ich mich nicht mehr so gut auf Bücher konzentrieren kann. Natürlich versuche ich, mein Handy nicht vor dem Schlafengehen zu verwenden, aber es gelingt mir nicht. Aber wenn ich nachts aufwache, schaue ich nicht mehr drauf."
Auch die vergangenen schwierigen Monate innerhalb des ORF spricht Stribl an. Der Fall rund um Ex-Generaldirektor Roland Weißmann habe aus ihrer Sicht Probleme sichtbar gemacht.
"Egal, ob Frau oder Mann: Ich glaube, es waren sehr schwierige Monate für ORF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieser Fall hat gezeigt, dass es bei uns einen Aufholbedarf gibt, auf jeden Fall bei den Beschwerdestellen."
Persönlich erlebe sie im Newsroom allerdings ein wertschätzendes Umfeld und vertraue ihren Vorgesetzten. Gleichzeitig habe sich der Umgang miteinander verändert: "Es gibt Witze, die man vielleicht vor zehn Jahren noch machen konnte und die heute nicht mehr gehen. Da hat sich der Ton schon geändert, nicht nur im ORF, und das ist gut so", sagt Stribl der "Kleinen Zeitung".
Für ihre neuerlichen "Sommergespräche" hat Stribl übrigens weiterhin ein klares Vorbild: Lou Lorenz-Dittlbacher. "Sie stellt immer die richtigen Fragen, trifft immer den richtigen Ton."