Streit um Eltern-Kind-Pass

Neue Hürde für Schwangere – Hebammen schlagen Alarm

Das Hebammengremium warnt vor zusätzlichen Belastungen für Schwangere. Grund sind fehlende Rechte für Hebammen beim elektronischen Eltern-Kind-Pass.
Newsdesk Heute
07.08.2026, 23:00
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Lange Wartezeiten, volle Kassenordinationen und zusätzliche Wege: Das Österreichische Hebammengremium (ÖHG) warnt vor Problemen bei der Schwangerenvorsorge. Im geplanten elektronischen Eltern-Kind-Pass (eEKP) würden die Kompetenzen von Hebammen weiterhin nicht ausreichend berücksichtigt.

Nach Angaben des ÖHG stoßen gynäkologische Kassenordinationen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Gleichzeitig könnten Hebammen, die für die Begleitung und Untersuchung während einer Schwangerschaft ausgebildet sind, bei der Vorsorge stärker eingesetzt werden.

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Das Hebammengremium kritisiert jedoch, dass dies beim elektronischen Eltern-Kind-Pass nicht entsprechend vorgesehen sei.

Hebammen warnen vor zusätzlichen Wegen

Konkret geht es um die Dokumentation von Vorsorgeuntersuchungen. Laut ÖHG sollen Hebammen Untersuchungen, die sie fachlich und rechtlich durchführen dürfen, im geplanten eEKP nicht gleichberechtigt dokumentieren können.

Für Schwangere könnte das bedeuten, dass sie zusätzlich eine gynäkologische Ordination aufsuchen müssen, damit eine bereits erfolgte Untersuchung ärztlich eingetragen oder sogar erneut durchgeführt wird.

"Wenn eine Hebamme eine Untersuchung fachgerecht durchführt, das Ergebnis aber nicht im eEKP eintragen darf, entsteht kein medizinischer Mehrwert. Es entstehen Doppelwege für Schwangere, zusätzliche Kosten und eine weitere Belastung ohnehin knapper ärztlicher Kapazitäten. Ein modernes Vorsorgeprogramm muss vorhandene Kompetenzen sinnvoll nutzen und Frauen echte Wahlfreiheit ermöglichen", betont ÖHG-Präsidentin Lisa Rakos.

Umfrage zeigt Vertrauen in Hebammen

Das Gremium verweist dabei auch auf eine aktuelle repräsentative IMAS-Umfrage. Demnach schreiben rund neun von zehn Menschen in Österreich Hebammen eine hohe Bedeutung für Mütter und die Gesellschaft zu. 51 Prozent sehen sie als die am besten geeignete Berufsgruppe für die Schwangerenvorsorge.

"Die Bevölkerung vertraut auf unsere Kompetenz, und auch die Politik erkennt zunehmend, dass Hebammen einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung leisten können. Trotzdem werden wir bei der Gestaltung des elektronischen Eltern-Kind-Passes weiterhin übergangen. Das ist angesichts der langen Wartezeiten und fehlenden Kapazitäten in gynäkologischen Kassenordinationen nicht nachvollziehbar", so Rakos.

Einführung des eEKP verzögert sich

Die österreichweite Einführung des elektronischen Eltern-Kind-Passes war ursprünglich für Oktober 2027 geplant. Nach Angaben des ÖHG werde dieser Termin jedoch nicht halten können.

Die Verzögerung sollte aus Sicht der Hebammen nun für Änderungen genutzt werden. Das Gremium verlangt unter anderem eine sofortige Beteiligung von Hebammen an fachlichen, technischen und organisatorischen Entscheidungen rund um den eEKP.

Zudem fordert das ÖHG gleichberechtigte Schreib- und Dokumentationsrechte für jene Untersuchungen, Befunde und Leistungen, die Hebammen fachlich und rechtlich durchführen dürfen. Auch die Schwangerenvorsorge durch Hebammen soll als Kassenleistung anerkannt werden.

Hebammen fordern mehr Wahlfreiheit

Darüber hinaus verlangt das Gremium zumindest eine verbindliche Hebammenberatung in der Frühschwangerschaft sowie mehr Wahlfreiheit für Schwangere bei ihrer Vorsorge.

Rakos fordert nun konkrete Entscheidungen: "Seit Jahren legen wir konkrete, wissenschaftlich fundierte Vorschläge vor. Es braucht jetzt keine weiteren unverbindlichen Gespräche, sondern verbindliche Entscheidungen. Hebammen einzubeziehen, entlastet Schwangere, Ärztinnen und Ärzte sowie das gesamte Gesundheitssystem", so Rakos abschließend.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.08.2026, 23:00