"Trifft die Schwächsten"

Jetzt streicht die Regierung auch bei den Schwangeren

Aus Spargründen wird der zugesagte, verpflichtende Hebammentermin im elektronischen Eltern-Kind-Pass gestrichen. Geburtshelferinnen schlagen Alarm.
Newsdesk Heute
12.11.2025, 14:35
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Für viele Österreicher ist das Gesundheitssystem das Thema Nummer eins, das die Regierung dringend anpacken muss. Versorgungslücken, hohe Kosten und endlose Wartezeiten setzen Patienten enorm zu – viele müssen sogar selbst für Behandlungen zahlen ("Heute" berichtete). Jetzt gibt es erneut Ärger um einen Einschnitt.

Die Ministerien streichen aus Budgetgründen den zuvor politisch zugesicherten verpflichtenden Hebammentermin im neuen elektronischen Eltern-Kind-Pass (eEKP). Die Geburtshelferinnen schlagen Alarm.

"Damit wird eine seit Jahren fachlich ausgearbeitete und international empfohlene Maßnahme über Bord geworfen – auf dem Rücken jener, die unsere Unterstützung am dringendsten brauchen", kritisiert Gerlinde Feichtlbauer, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums (ÖHG) in einem Mitgliederschreiben, welches "Heute" vorliegt.

Auf "Heute"-Anfrage erklärt das Familienministerium, dass stattdessen mit dem neuen Untersuchungsprogramm eine zweite freiwillige Hebammenberatung eingeführt werden soll. "Somit eine deutliche Verbesserung. Das ist uns auch sehr wichtig, denn Hebammenberatung ist ein zentraler Baustein der frühen Unterstützung für werdende Eltern", heißt es aus dem Büro von Claudia Plakolm.

Das freiwillige Angebot kann diese Lücke nicht schließen, kontert Feichtlbauer. "Die Erfahrung zeigt: Wer ohnehin am Rande steht, wird von freiwilligen Programmen selten erreicht." Hebammen wissen genau, wie wichtig es sei, psychosoziale Belastungen oder häusliche Gewalt frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Hilfe zu organisieren. "Diese Möglichkeit wird jetzt leichtfertig verspielt", mahnt die ÖHG-Präsidentin.

>> Im Video: So denken die Wiener über unser Gesundheitssystem

In einem Brief an die Bundesministerinnen für Familie, Gesundheit und Frauen fordert Feichtlbauer die Wiederaufnahme des verpflichtenden Hebammentermins im eEKP und eine verbindliche Zusage, dass Hebammen weiterhin eine feste Rolle in der Schwangerschaftsvorsorge behalten.

"Ein zu 100 Prozent wirksamer präventiver Beratungstermin vor der Geburt würde zugleich eine gesündere Zukunft für die Jüngsten in unserer Gesellschaft bedeuten. [...] Ohne Hebammenberatung bleiben viele Frauen unsichtbar. Die Einsparung beim eEKP trifft die Schwächsten!"

Abschließend appelliert sie: "Zeigen wir, dass wir viele sind und dass wir nicht tatenlos zusehen, wenn Prävention und Frauengesundheit dem Rotstift geopfert werden."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 14.11.2025, 07:56, 12.11.2025, 14:35
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