Wer in Österreich rasch einen Termin für eine Operation haben möchte bzw. benötigt, muss immer öfter draufzahlen. Das zeigt eine OP-Wartezeiten-Studie der Online-Plattform krankenversichern.at. Demnach wartet man in sieben von zehn Fachbereichen mittlerweile länger als 16 Wochen, also mehr als vier Monate, auf einen Termin im öffentlichen Spital – außer man berappt den Eingriff privat oder verfügt über eine Zusatzversicherung.
Besonders hart trifft das Patienten mit Knie- oder HNO-Eingriffen: Hier liegt die Wartezeit im Österreich-Mittel bei jeweils 30 Wochen. Auch bei Hüftoperationen mit 27 Wochen, in der Urologie mit 22 Wochen und bei Augeneingriffen mit 21 Wochen liegen die Werte deutlich über vier Monaten. Selbst in der Inneren Medizin und in der Gynäkologie beträgt die mittlere Wartezeit 19 Wochen und damit fast fünf Monate. Nur Wirbelsäulen-Operationen mit zwölf Wochen und Eingriffe an der Hand mit neun Wochen bleiben unter der Marke von 16 Wochen.
Laut krankenversichern.at sind die Ursachen vielfältig. Mangels Fachpersonal könnten OP-Säle nicht voll genutzt werden, Betten müssten gesperrt werden. Dazu kommen Nachwirkungen der Corona-Pandemie, als Untersuchungen und Eingriffe ausfielen und sich ein Rückstau bildete. Gleichzeitig steige durch Bevölkerungswachstum und mehr ältere Menschen die Nachfrage nach Behandlungen, während die stationären Kapazitäten nur begrenzt ausgebaut würden.
Viele Patienten würden daher eine Lösung abseits der gesetzlichen Krankenversicherung suchen, heißt es. "Die Ergebnisse zeigen, dass lange Wartezeiten längst kein Ausnahmefall mehr sind. Viele Patientinnen und Patienten weichen daher ins private System aus – wo Behandlungen aber oft deutlich teurer sind", so Sebastian Arthofer, Co-Gründer der Plattform.
Klare Unterschiede bei den Wartezeiten zeigen sich laut krankenversichern.at übrigens im Bundesländer-Vergleich. In der Bundeshauptstadt Wien wartet man demnach zwischen fünf (Gynäkologie) und 24 Wochen (HNO) auf einen Termin. In Oberösterreich sind es acht (Hand) bis maximal 29 Wochen (Knie sowie HNO), in Niederösterreich acht (Hand) bis 31 Wochen (Knie). Mit Abstand am geduldigsten müssen Patienten in der Steiermark sein. Hier vergehen im besten Fall elf Wochen (Hand) bis zum OP-Termin, auf einen Augen-Eingriff warten Betroffene im Mittel sogar unglaubliche 60 Wochen, also deutlich mehr als ein Jahr.
Die Analyse basiert auf 525 abgeschlossenen Terminanfragen mit konkreten Terminrückmeldungen bei öffentlichen Spitalsambulanzen für planbare Eingriffe in ganz Österreich. Der Erhebungszeitraum lag zwischen 29. September und 7. November 2025. Untersucht wurden zehn Kategorien – sechs Fachrichtungen sowie vier häufige Eingriffskategorien, die überwiegend der Orthopädie zugeordnet sind. Zusätzlich wurden die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark im Detail ausgewertet.