7.500 Euro hingelegt

10 Monate Wartezeit: Wiener zahlt OP aus eigener Tasche

Über zehn Monate hätte Ernst B. auf seine Hüft-OP warten müssen. Als er die Schmerzen nicht mehr aushielt, zahlte er sie selbst in einem Privatspital.
Jana Stanek
30.10.2025, 05:30
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"Manche Menschen brauchen neue Zähne, bei mir war es halt eine neue Hüfte", erklärt Ernst B. (68) aus Wien. Das wurde nach einem Besuch beim Orthopäden im Frühjahr 2024 klar. Schnell wurde er auf eine Warteliste für einen Operationstermin gesetzt, doch ab da kam der Prozess zum Stehen. Mehr als zehn Monate hätte er unter Schmerzen auf einen Termin warten müssen.

Über zehn Monate Wartezeit

Mehrere Monate lang versuchte sich der 68-Jährige mit täglichen Schmerzmittelinfusionen und Krücken über die Wartezeit hinwegzuretten, doch irgendwann hielt er es nicht mehr aus. "Ich musste mich jeden Tag in die Ambulanz schleppen, um etwas gegen die Schmerzen zu bekommen", beklagt sich der Wiener. "Es hieß, dass ich vielleicht zu Weihnachten dran komme", erinnert er sich an die Wartezeit auf einen Termin in einem städtischen Spital.

Eingriff kostete 7.500 Euro

Also begann Ernst B. selbst zu recherchieren und fand ein Krankenhaus, das ihm innerhalb weniger Tage einen Termin verschaffte. Das Problem: Das Spital war ein privates – der Wiener musste alles aus eigener Tasche bezahlen. Über 7.500 Euro kostete der Eingriff, mit Folgekosten für Dinge wie Medikamente und Gehilfe kommt der Wiener sogar auf saftige 10.000 Euro. "Natürlich hat mir das Finanzamt die rund 10.000 Euro nicht als Sonderausgabe anerkannt, ich konnte sie also nicht geltend machen", klagt er.

Was Ernst B. besonders ärgert: "Ich zahle seit Jahren in meine Versicherung ein, und das kommt dabei raus. Das ist ja kein Einzelfall bei mir", ist der 68-Jährige entrüstet. Wer das Geld für einen privaten Eingriff nicht auf der Seite hat, hat wohl einfach Pech gehabt.

"Nicht die Norm"

"Heute" erkundigte sich beim Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV), ob solche Fälle derzeit die Regel sind. "Wartezeiten von zehn Monaten für einen Hüftgelenksersatz sind im Wiener Gesundheitsverbund definitiv nicht die Regel. Die durchschnittliche Wartezeit für einen Hüftgelenksersatz lag in den letzten zwölf Monaten im AKH Wien beispielsweise bei rund sechs Wochen, in der Klinik Donaustadt bei rund sieben Wochen", hieß es.

Abweichungen je nach Fachbereich

Die Wartezeiten auf planbare Operationen variieren jedoch je nach Fachbereich und Klinik. Vor allem dann, wenn Patienten selbst wählen, in welcher Einrichtung sie die Leistungen in Anspruch nehmen möchten. "Das kann ein Grund dafür sein, dass Wartezeiten an der einen oder anderen Stelle länger sind als anderswo. Wir weisen Patient*innen dezidiert darauf hin, wenn an anderer Stelle ein rascherer OP-Termin verfügbar ist", so der WIGEV.

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