Der Fall einer 54-jährigen Mühlviertlerin erschütterte in der vergangenen Woche das Gesundheitssystem. Die Frau erlitt einen Aortariss und wurde von mehreren Krankenhäusern abgelehnt. Unter anderem vom Linzer Kepler Klinikum. Kurze Zeit später war sie tot. Der Fall brachte das Fass zum Überlaufen. Seit Jahren wird vor einem Kollaps des Systems gewarnt, zuletzt geriet das Krankenhaus in Steyr in die Kritik. Ein Familienvater wurde dort mit einem Leistenbruch abgewiesen.
Und seit Jahren sorgen lange OP-Wartezeiten für Wirbel. Die SPÖ stellt schon seit Jahren regelmäßig Anfragen zu den Wartezeiten auf Operationen und zu den Überstunden des Krankenhauspersonals. So betrugen die Wartezeiten für eine Knie-Prothese heuer zwischen vier und 73 Wochen. Im Jahr 2022 waren es bis zu 44 Wochen, 2023 dann bis zu 53 Wochen.
Ähnlich schaut es bei den Hüftprothesen aus, wo Betroffene 2024 zwischen 10 und 62 Wochen warten mussten. Bei HNO-Eingriffen lag die Wartezeit heuer zwischen 16 und 52 Wochen, rechnet0e die SPÖ vor. Besonders betont wurde: Wer auf eine Knie- oder Hüftprothese wartet, leidet meist unter starken Schmerzen und ist in der Bewegung stark eingeschränkt. Bei den HNO-Operationen seien zudem viele Kinder betroffen.
Erst vor wenigen Tagen hat das Kepler Klinikum eine Reduktion der OP-Kapazitäten bekannt gegeben. Statt 2.000 werden ab sofort nur noch 1.850 planbare Operationen im Monat durchgeführt. Grund ist der dramatische Mangel an Narkoseärzten und OP-Fachkräften.
Das Krankenhaus selbst betont, dass die Anpassung mit "großer Sorgfalt" vorbereitet wurde. Ziel sei es, die vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten.
Verschoben werden demnach ausschließlich planbare Operationen, bei denen eine medizinisch vertretbare Verzögerung möglich ist. Notfälle und dringliche Eingriffe finden weiterhin statt. Laut Kepler Universitätsklinikum (KUK) werde laufend evaluiert – bis zum dritten Quartal 2026 will man wieder das bisherige OP-Niveau erreichen.
Während die Klinikleitung auf Personalmangel verweist, lässt der rote Landtagspräsident und Gesundheitssprecher Peter Binder kein gutes Haar an der Führung: "Die Personal- und Informationspolitik im Kepler Universitätsklinikum ist schlichtweg skandalös."
„Nicht angebliche Mängel im niedergelassenen Bereich sind schuld – sondern eine fehlgeplante Personalpolitik.“Peter BinderSP-Gesundheitssprecher
Er wirft dem Spital eine völlig verfehlte Planung vor: "Nicht angebliche Mängel im niedergelassenen Bereich oder Massen von Menschen, die aus Jux und Tollerei das Krankenhaus aufsuchen würden, sind schuld – sondern eine fehlgeplante Personalpolitik, die Oberösterreichs größtes Krankenhaus an die Wand fährt."
Besonders empört zeigt sich Binder über die mangelhafte Kommunikation: "Im Aufsichtsrat der Gesundheitsholding wurde über diese dramatische Entwicklung nicht berichtet." Auch sein Parteikollege, der Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer, sei nicht informiert worden – "und zeigte sich zutiefst besorgt über die künftige klinische Gesundheitsversorgung in der Landeshauptstadt."
Ein früherer Kommentar der Gesundheitsholding, wonach sich Patienten "ja nach Schärding begeben" könnten, wenn ihnen die Wartezeiten in Linz zu lang seien, sorgt bei Binder für Kopfschütteln: "Zynisch und völlig daneben war diese Aussage schon damals. Im Licht der aktuellen Entwicklungen ist sie nachgerade richtig schockierend."
Rückendeckung bekommt die Maßnahme von Helmut Freudenthaler, dem Betriebsratsvorsitzenden im Kepler Klinikum. "So lange, bis sich das stabilisiert, müssen wir reduzieren. Das ist zum Schutz unserer Kollegen und Kolleginnen", betonte er kurz nach Bekanntwerden der Maßnahmen gegenüber "Heute".
In der Anästhesie und OP-Pflege herrsche akuter Personalmangel. "Teilzeitkräfte machen teilweise fast Vollzeit, weil sich das alles nicht ausgeht. Manche arbeiten über das Pensionsalter hinaus – da ist auch die Frage, wie lange das noch geht." Man müsse sich jetzt auf Notfälle konzentrieren, deshalb müssten planbare Eingriffe verschoben werden.
Jetzt müsse rasch gehandelt werden, so Binder. Er fordert zwei Sofortmaßnahmen:
"Eine echte Anwerbeoffensive für das fehlende Personal muss nun starten. Da müssen auch die knausrigen Lohnverantwortlichen auf Landesseite wenigstens einmal über ihren Schatten springen."
Zudem brauche es endlich den seit Jahren diskutierten Vertrag mit dem Unfallkrankenhaus: "Wir müssen die Kooperation mit dem UKH zu einem Abschluss bringen. Dazu gibt es fertige Pläne für eine bauliche Verbindung der Häuser über die Garnisonsstraße."
Ein Seitenhieb auf die Volkspartei darf zum Schluss nicht fehlen: "Vor allem wäre es vermutlich billiger geworden – wie so vieles, das in Oberösterreich der Verzögerungs- und Verhinderungstaktik der ÖVP zum Opfer fällt."