Für die rund 400 Beschäftigten, deren Stellen beim Kristallkonzern Swarovski in Wattens gestrichen werden, gilt seit Montag ein Sozialplan. Dieser wurde vom ÖGB Tirol gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Unternehmensführung ausgearbeitet – nicht ohne Spannungen. Die Gewerkschafter äußerten dabei deutliche Kritik an der Konzernleitung.
Dem Traditionsunternehmen werfen die Arbeitnehmervertreter "Planlosigkeit, Intransparenz und schlechte Kommunikation" vor. Es gehe um 400 Jobs, die im Rahmen der laufenden Restrukturierung wegfallen sollen. Ziel des Sozialplans sei es, den Betroffenen zumindest finanziell unter die Arme zu greifen, berichtet "ORF".
Der Sozialplan gilt bis Ende 2027. Zu Beginn habe jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, zu prüfen, ob in diesem Zeitraum eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses in Frage kommt, so Bernhard Höfler vom ÖGB.
Swarovski zahlt bei einer einvernehmlichen Auflösung oder einer Kündigung durch die Beschäftigten bis zu sieben Bruttomonatsgehälter. Für jedes unterhaltspflichtige Kind gibt es zusätzlich 1.500 Euro. Beim ÖGB spricht man von einem "brauchbaren Ergebnis", mahnt jedoch langfristig eine klare Unternehmensstrategie ein.
ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied fand am Montag deutliche Worte: "Swarovski habe endlich soziale Verantwortung wahrzunehmen." Das Unternehmen sei durch den "enormen Einsatz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu Wohlstand gekommen" und müsse nun den "strategischen Blindflug beenden".
Es ist bereits der vierte Sozialplan, den Swarovski in den vergangenen Jahren abgeschlossen hat. Schon früher habe man angeregt, die Arbeitszeit zu reduzieren und die frei werdende Zeit für Qualifizierungsmaßnahmen zu nutzen, berichtete Höfler. Das sei jedoch "verschlafen" worden. Diese Möglichkeit bestehe aber weiterhin.
Nun müsse Swarovski "strategisch sinnvoll in Innovation, aber auch in Mitarbeiter investieren", so Höfler mit Blick auf die vom Unternehmen angekündigten 150 Millionen Euro an Investitionen bis 2030. Für den Standort Wattens werde 2026 wohl ein "Jahr der Entscheidung" werden.