Auf eine beispiellose Hitzewelle in Österreich folgt nun ein Wetterumschwung mit teils heftigen Gewittern, während die anhaltende Trockenheit vielerorts dennoch bestehen bleibt. Denn: Im Westen wüten Unwetter, im Osten hält sich Trockenheit und Hitze. Die Hitzewelle erreichte am Mittwoch ihren bisherigen Höhepunkt. In Bad Deutsch-Altenburg wurde mit 41,2 Grad Celsius ein österreichischer Temperaturrekord gemessen. Bereits an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen wurde die 40-Grad-Marke überschritten.
Gleichzeitig sorgten außergewöhnlich warme Nächte für neue Rekorde bei den Tropennächten, insbesondere im Osten des Landes. Mit dem Ende der Extremhitze hat sich die Wetterlage vorübergehend beruhigt. Kühlere Luftmassen bringen etwas Entlastung, allerdings steigt dadurch die Gefahr kräftiger Gewitter. Besonders entlang der Alpen und in Teilen des Berg- und Hügellandes können sich heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen entwickeln.
Die Niederschläge fallen jedoch meist sehr ungleich verteilt: Während einzelne Regionen innerhalb kurzer Zeit große Regenmengen erhalten, gehen benachbarte Gebiete nahezu leer aus. Trotz der Gewitter bleibt die Trockenheit das dominierende Problem. Bereits der Frühling verlief außergewöhnlich niederschlagsarm, auch der Juli brachte österreichweit deutlich zu wenig Regen. Böden, Wälder und Landwirtschaft leiden erheblich.
Vor allem im Osten, Südosten sowie in Teilen Kärntens und Osttirols hat sich eine ausgeprägte Dürresituation entwickelt. Die Folgen zeigen sich immer deutlicher. Die Waldbrandgefahr liegt in mehreren Bundesländern weiterhin auf einem extrem hohen Niveau. Bereits jetzt wurden mehr Waldbrände registriert als im gesamten Jahr 2025. Feuerwehren warnen eindringlich vor offenem Feuer, weggeworfenen Zigaretten oder Funkenflug in Waldgebieten.
Meteorologen gehen zudem davon aus, dass die Entspannung nur von kurzer Dauer sein könnte. Nach dem aktuellen Wetterumschwung dürfte sich der Hochdruckeinfluss erneut verstärken. Vor allem im Osten Österreichs werden in der kommenden Woche wieder Höchstwerte von deutlich über 35 Grad erwartet. Die Gewittergefahr indes bestehen. In der "ZIB2" bei Moderatorin Marie-Claire Zimmermann ordnete der Klimaforscher Karl Steininger ein.
Man beschäftige sich tagtäglich mit der Thematik und wisse den Trend, so Steininger, wenn aber ein "Ereignis mit so einer Wucht über uns hereinbricht, sind auch wir überrascht". Die Hitzemenge in Österreich sei dieses Mal so stark an einem einzigen Tag, dass man den Stromverbrauch des Landes "zweifach hineinlegen könnten". Man habe "hier eine gewaltige Energiemenge, mit alle den Auswirkungen auf die Natur", so der Forscher.
Österreich und Europa hätten "eine enorme Bedeutung" beim Klimaschutz, weil wir eine Vorbildwirkung hätten, so Steininger dazu, dass die heimische Regierung beim Klimaschutz bremst. Dabei hätte unser Land das Wissen und die Ressourcen, einen "klimaneutralen Lebensstil" zu entwickeln, so der Forscher. Würde Österreich zeigen, dass so ein besseres Leben möglich sei, "dann werden es auch die anderen Länder durchführen".
Im Umkehrschluss bedeute dies: "Wenn wir es nicht schaffen, dann werden wir es als Planet viel später schaffen", so Steininger. Außerdem würde man dem Wirtschaftsstandort schaden, denn die Bereiche, die in Zukunft nachgefragt sein werden, seien klimaneutrale, hieß es. Es gebe in Österreich "Pioniere im Bereich der Zementindustrie", "extrem gute Fassadentechnologien, Gebäudetechnologien" und "im Stahl neue Produktionsverfahren".
Warum geschehe dann nichts? Es sei "die Angst vor Veränderung", so Steininger, aber auch eine fehlende Infrastruktur. Man müsse die Rahmenbedingungen verlässlich und transparent setzen, so der Forscher. Vor allem aber müsse die Gesellschaft als Ganzes in den Maßnahmen eine bessere Zukunft sehen, als "wenn wir den Klimawandel und vor allem die Schäden weiter so wachsen lassen würden".
Extremereignisse würden die Bevölkerung erinnern, "dass wir unsere Welt verändert haben" – daran müsse man sich anpassen und an die Ursachen herangehen. Man sei "nicht blind ausgeliefert, wir können handeln". Klimawandel sei auch eine Chance, zu entscheiden, wie man künftig leben wolle, so Steininger.