Die Hebammen Österreich sind besorgt. Die Maßnahme der verpflichtenden Hebammenberatung im Eltern-Kind-Pass wurde politisch eigentlich schon zugesichert. Jetzt soll sie entgegen früherer Ankündigungen doch nicht verpflichtend kommen. Hebamme Astrid Krainz reagierte darauf empört mit einer eigenen Petition und warnt vor den Folgen der geplanten Streichung.
Krainz arbeitet selbst seit 2014 als freiberufliche Hebamme in Vösendorf. Im "Heute"-Gespräch schildert sie, dass sie zunächst eine eigene Petition gestartet hatte – diese aber zugunsten einer größeren Petition der Tiroler Hebamme Katharina Kocher ruhend gestellt hatte. Damit sollen die Unterschriften gesammelt bei einer Petition den Druck auf die Politik erhöhen. Die Forderung bleibt aber dieselbe: Der Hebammentermin soll verpflichtend eingeführt werden, wie ursprünglich geplant. "Das hätte 2026 schon kommen sollen", sagt Krainz.
In ihrem Petitionstext betont die Vösendorferin, dass Schwangere früh und niederschwellig erfahren müssten, welche Leistungen Hebammen überhaupt anbieten: "Wir sind die einzige Berufsgruppe, die alleine eine Geburt durchführen kann und darf! Und dafür stehen wir nicht einmal im Eltern-Kind-Pass." Besonders für Frauen in belastenden Situationen sei ein verpflichtender Erstkontakt wichtig: "Wir brauchen ein niederschwelliges, kostenloses Angebot für Frauen, dass sie schon in der Schwangerschaft über Hebammenarbeit Bescheid wissen und neben der ärztlichen Versorgung auch Hebammenversorgung erhalten", erzählt Krainz. Die Einsparung treffe "die schwächsten Frauen".
Auch im persönlichen Gespräch weist die Vösendorferin darauf hin, dass ihre Kolleginnen bereits mit dem verpflichtenden Gespräch geplant hätten – etwa mit Ordinationsmieten oder erweiterten Arbeitszeiten. Sollte das Gespräch kein Muss werden, würden Hebammen auf dem zeitlichen und finanziellen Zusatzaufwand sitzen bleiben.
Wie Krainz schildert, haben sich auch Ausbildungsstätten auf den geplanten Pflichttermin bei der Hebamme eingestellt: "Ich weiß von einer Wiener Fachhochschule, die wegen dieses Hebammen-Pflichttermins extra die Ausbildungsplätze verdoppelt hat! Diese Menschen sind schon in Ausbildung, werden in den nächsten Jahren damit fertig. Wir müssen schauen, wie wir als Berufsgruppe zurechtkommen, wenn es immer mehr Hebammen gibt, aber keine Pflichttermine, für welche die Hebammen gerade ausgebildet wurden!"
Zudem beobachtet sie Veränderungen am Arbeitsmarkt: "Ich persönlich spüre die letzten Jahre schon etwas den Geburtenrückgang und mehrere junge Kolleginnen in der Umgebung, die auch freiberuflich arbeiten. Wenn dies so weitergeht, dann könnte es schwierig werden." Die reine Freiberuflichkeit sei wirtschaftlich herausfordernd: "Generell ist es so, dass man als rein freiberufliche Hebamme ohne Geburtsbegleitung sehr schwierig zu einem wirklichen Vollzeitjob bzw. Vollzeiteinkommen gelangt." Mehr Angebot (Hebammen) bei nicht steigender Terminnachfrage würde zusätzlich den finanziellen Druck erhöhen.
Die aktuell laufende Petition von Katharina Kocher, welche Krainz jetzt tatkräftig auch auf Social Media unterstützt, richtet sich an das Gesundheitsministerium. Kocher argumentiert in der Petition: "Ohne diesen Termin werden weniger Schwangere Zugang zu Hebammenberatung erhalten. Besonders betroffen sind sozioökonomisch benachteiligte Frauen, Gewaltbetroffene und Frauen in psychischen Belastungssituationen. Studien zeigen, dass gerade diese Gruppen die Hebammenbegleitung dringend benötigen."
Und weiter: "Hebammenarbeit ist Teil unseres kulturellen Erbes - dies zeigt die hohe fachliche und menschliche Expertise und die Wichtigkeit dieses Berufsfeldes für junge Familien. Hebammen sind Expert*innen für Schwangerschaft, Geburt und das erste Lebensjahr.
Mit der Abschaffung des Hebammentermins wird an einer Stelle gespart, an der Prävention, Gesundheit und gesellschaftliche Zukunft auf dem Spiel stehen."
Krainz betont zum Schluss, Hebammen würden mit ihrem Angebot sowohl Familien als auch Spitalskapazitäten entlasten. "Wir sind da, wenn Familien Fragen zu ihrem Baby haben – noch bevor sie ins Krankenhaus fahren und dort für einen Schnupfen die Ärzte ausfragen!"