Die ÖVP fordert einen Fairness-Pakt, die SPÖ überrascht mit Influencer Ricardo Zanot und die Grünen schlagen ein "Manifest für politische Transparenz" vor – am 25. Jänner 2026 wird in St. Pölten der Gemeinderat gewählt, doch schon jetzt nimmt der Wahlkampf Fahrt auf.
St. Pölten ist eine Hochburg der SPÖ im schwarz-blau regierten Niederösterreich. Sie regiert dort ungebrochen seit der Nachkriegszeit – aktuell mit einer absoluten Mehrheit: Bei den zurückliegenden Gemeinderatswahlen waren dort 46.621 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt. Über die Hälfte (rund 56 Prozent) von ihnen ging zur Wahl. Mehr als jede zweite Person stimmte für die SPÖ. Ein riesiger Vorsprung gegenüber allen anderen Parteien.
Zwei Monate vor der Wahl kamen jetzt Forderungen nach "Fairness" (ÖVP) und "Transparenz" (Grüne) auf: Den Fokus ihrer Kritik richten ÖVP und Grüne auf das Amtsblatt der Stadt, "St. Pölten konkret", das sowohl in der Landeshauptstadt, als auch im gesamten Bezirk erscheint. Die Stadtregierung entschied vor wenigen Tagen, dass dort zumindest bis zum Wahltag keine Polit-Beiträge mehr erscheinen – per E-Mail wurden alle Gemeinderatsfraktionen von dieser Entscheidung informiert.
Nun ärgert sich der Spitzenkandidat der ÖVP, Stadtrat Florian Krumböck, in einer Aussendung darüber, dass die von ÖVP-Vizebürgermeister Matthias Adl initiierte Viertelseite für alle politischen Parteien abgeschafft wurde und "jedenfalls bis Ende Jänner keine Berichte von Parteien im 'St. Pölten konkret' mehr veröffentlicht werden".
Die Volkspartei erhielt bei den letzten Wahlen weniger als ein Viertel der Stimmen – nur 5.866 der 26.088 abgegebenen Stimmen entfielen auf die ÖVP. Für den nächstjährigen Wahlkampf wünscht man sich ein sogenanntes Fairness-Paket und kündigt an, in Kürze im Gemeinderat den Vorschlag einbringen zu wollen, "sämtliche städtischen Kommunikationskanäle bis zur Wahl politikerfrei zu halten."
"Keine Fotos, keine Namensnennungen, keine inhaltliche Hervorhebung von Parteien oder parteinahen Organisationen – egal, wer gerade am Ruder ist", sagt Krumböck und fügt an: "Die SPÖ muss sich entscheiden, was sie will: Fairness oder Messagecontrol." Denn: "Wenn die SPÖ im Wahlkampf wirklich politische Neutralität auf den städtischen Kanälen möchte, dann muss sie das konsequent und für alle gelten lassen – nicht nur für die Opposition", so Krumböck.
Die Grünen, die 2021 mit 2.067 Stimmen auf dem vierten Platz landeten, üben scharfe Kritik an der Novemberausgabe des Magazins: Von 31 redaktionellen Seiten habe es auf 21 Seiten entweder Bilder von SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler oder seinem Vize gegeben. Daher fordere man nun ein "Manifest für politische Transparenz" und lade "alle Oppositionsparteien zu einem Runden Tisch ein. Ziel ist ein gemeinsamer Antrag im Gemeinderat mit klaren Forderungen."
So wünscht man sich "ein Redaktionsstatut mit garantierter Sichtbarkeit aller Fraktionen. Die Beibehaltung des Livestreams und ein transparentes Protokoll der Gemeinderatssitzungen, das den Diskussionsverlauf nachvollziehbar macht. Eine neue Ordnung für die Ausschussarbeit, die allen Fraktionen faire Vorbereitung ermöglicht."
„Nur gemeinsam können wir die absolute Mehrheit der SPÖ zu einem Mindestmaß an Zusammenarbeit bewegen. St. Pölten und sein Amtsblatt dürfen kein Herrschaftsmonopol der SPÖ bleiben“, betonen die Grünen.
Die SPÖ selbst hat indes einen neuen Mitstreiter gewonnen, den Influencer Ricardo Zanot. Der bekannte St. Pöltner Gastronom betreibt seit 2011 die private Facebook-Gruppe "Was ist los in St. Pölten?", die 36.476 Mitglieder (Stand 16. 11. 2025) zählt. Die offizielle Facebook-Seite der Stadt hat derzeit 22.215 Follower. Mit Zanot wird im Jänner ein Social-Media-Profi auf der Wahlliste der SPÖ stehen.
"Ich wurde persönlich in einem Anruf (von Bürgermeister Matthias Stadler) gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Nach kurzem Überlegen entschloss ich mich dann, spontan – wie immer – dafür. Da ich einige Gemeinderäte kenne, habe ich mich mit denen ausgetauscht. Wichtig ist und bleibt mir, dass ich authentisch und echt sein werde." Das sagte Zanot kürzlich gegenüber "Heute".
In seiner Facebook-Community wird derzeit darüber diskutiert – vorwiegend zustimmend, sagt Zanot. Seine bisherige ehrenamtliche Gruppenarbeit möchte Zanot nicht politisch interpretiert wissen. "Meine Facebook-Gruppe ist unpolitisch und wird es bleiben", sagt Zanot. Zu seiner nunmehrige Kandidatur für die Sozialdemokraten habe sich Zanot entschieden, weil die SPÖ mit ihren Grundwerten seinen persönlichen Überzeugungen am nächsten käme. Vor wenigen Tagen präsentierte die SPÖ dann ihre Liste für die Wahl.
"Ich bin stolz, dass es uns auch diesmal gelungen ist, eine bunte und vielfältige Liste zusammenzustellen, die ganz St. Pölten abbildet – von Gastronomen bis zu Reinigungskräften", freute sich SPÖ-Spitzenkandidat, Bürgermeister Matthias Stadler. Mit Zanot bekommt die SPÖ jetzt auch Unterstützung im digitalen Raum.
Zanot, der bisher in seiner privaten Gruppe mitbekommen haben dürfte, was derzeit die drängendsten Themen für viele Bürger sind, hofft bald einen konstruktiven Beitrag für die Stadtgemeinde leisten zu können: "St. Pölten a bissl leiwander machen. Das will ich. Mit allem, was dazugehört. Und wenn ich da irgendwo, irgendwie was beitragen kann, dann bin ich dazu nun auch offiziell bereit."