Gefährlicher Schlaf-Trick

Butter für Babys? Hebamme warnt vor TikTok-Trend

Ein Stück Butter vor dem Schlafengehen soll Babys angeblich ruhiger schlafen lassen. Eine Schweizer Stillberaterin schlägt Alarm.
Heute Life
09.03.2026, 11:45
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Es ist mitten in der Nacht. Das Baby weint, dreht sich, will einfach nicht zur Ruhe kommen. Die Uhr zeigt zwei Uhr früh, und die Müdigkeit sitzt längst in den Knochen. Windel wechseln, stillen, wiegen – nichts scheint zu helfen. Wer solche Nächte kennt, weiß: Schlafmangel kann Eltern an ihre Grenzen bringen. Genau in solchen Momenten wirken vermeintliche Lösungen aus dem Internet besonders verlockend. Aktuell sorgt auf TikTok ein Tipp für Aufsehen: Ein Stück Butter vor dem Schlafengehen soll Babys angeblich durchschlafen lassen. Jetzt schlagen Fachleute Alarm.

Statt Schlaf droht Erbrechen

In den sozialen Netzwerken kursieren derzeit Videos, in denen Eltern ihren Babys abends ein Stück Butter geben – mit dem Versprechen, dass sie danach ruhiger schlafen. Der angebliche Trick verbreitet sich rasant. Für Hebamme und Stillberaterin Helena Ruppert vom Zürcher Geburtshaus Delphys ist dieser Trend jedoch alles andere als harmlos.

"Stell dir mal vor, du müsstest so viel Butter auf einmal essen, wie es das TikTok-Video impliziert", sagt sie im "20 Minuten"-Interview. "Vermutlich würde dir bei so viel Fett übel werden. Genau so ergeht es auch deinem Baby." Von einer ruhigen Nacht kann also keine Rede sein – eher drohen Übelkeit und Erbrechen.

Grundsätzlich sei Butter für Babys nicht grundsätzlich tabu, allerdings gelten hier bestimmte Regeln: "Frühestens ab dem siebten Lebensmonat und auch dann nur in kleinen Mengen und als Fettbestand der altersgerechten Beikost", erklärt Ruppert. Als Einschlafhilfe sei Butter jedoch völlig ungeeignet.

"Babyschlaf kann Familien stark herausfordern"

Dass Babys nachts immer wieder wach werden, sei völlig normal – und sogar wichtig: "Je nach Alter braucht das Kind in der Nacht Unterstützung durch liebevolle Bezugspersonen und manchmal auch Nahrung", verrät die Schweizer Stillberaterin. Der Schlaf von Babys entwickle sich individuell und könne sich von Kind zu Kind stark unterscheiden.

Alter, Entwicklung und Gesundheitszustand spielen dabei eine große Rolle. Deshalb schlafen selbst gleichaltrige Kinder oft ganz unterschiedlich.

Gerade weil Babyschlaf so unberechenbar ist, fühlen sich viele Eltern stark unter Druck: Nächtliche Wachphasen können Familien zermürben – besonders dann, wenn Unterstützung fehlt oder hohe Erwartungen von außen dazukommen. "Babyschlaf beschäftigt viele Eltern und kann Familien stark herausfordern", sagt Ruppert. Auch andere vermeintliche Tricks hält sie für problematisch: Weder ein besonders großes Fläschchen vor dem Schlafengehen noch strenge Schlaftrainings, bei denen Babys allein schreien gelassen werden, seien eine gute Lösung.

Ihr Fazit: "Jedes Baby und jede Familie ist anders und einzigartig. Eine individuelle Beratung bei einer Fachperson ist sinnvoll, wenn eine Familie an ihre Grenzen stößt." Den einen Trick, der alle Babys durchschlafen lässt, gibt es einfach nicht.

{title && {title} } red, {title && {title} } 09.03.2026, 11:45
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